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«Viele Kosovo-Albaner fühlen sich in der Schweiz nicht akzeptiert»

Kriminalität, Asylmissbrauch, Krieg: Kosovaren haben einen schlechten Ruf hierzulande. Der neue Vertreter Kosovos in der Schweiz, Naim Malaj, will das ändern. Er ruft seine Landsleute auf, in die Politik zu gehen.

Kosovaren in Zürich: Im Februar 2007 feiern Tausende die Unabhängigkeit Kosovos.
Kosovaren in Zürich: Im Februar 2007 feiern Tausende die Unabhängigkeit Kosovos.
Keystone

Herr Malaj, in der Schweiz wohnen rund 200'000 Kosovaren. Der kosovarische Regierungschef Hashim Thaci hat in Zürich studiert. Ist die Schweiz für Kosovo ein bedeutendes Land? Ja. 10 Prozent aller Kosovaren leben in der Schweiz, jeder zweite hat Familie hier. Tausende Kosovo-Albaner besuchen jedes Jahr ihre Verwandten, die Schweizer Botschaft in Prishtina stellt jährlich 20'000 Visa aus.

Das Verhältnis ist jedoch getrübt: Kosovaren haben einen schlechten Ruf hierzulande. Viele Schweizer verbinden sie mit Kriminalität und Asylmissbrauch. Was ist dran an diesem Image? Ich bin mir bewusst, dass der Ruf der Kosovaren in der Schweiz schlecht ist. Dieser Ruf entspricht jedoch nicht der Realität: 99 Prozent der Kosovaren, die hier leben, benehmen sich anständig. Zudem sind die wenigsten Asylanten, wie immer gemeint wird. Die meisten sind in den 60er und 70er Jahren als Arbeiter in die Schweiz gekommen oder wurden hier geboren.

Tatsache ist: In der Kriminalitätsstatistik sind Kosovaren proportional übervertreten. Es gibt sicher schwarze Schafe. In unserer Gemeinschaft ist es aber unbestritten, dass kriminelle Landsleute ins Gefängnis gehören.

Dann gibt es kein Integrationsproblem? Unter den Kosovaren gibt es eine grosse Bereitschaft, sich zu integrieren und die Regeln der Schweiz zu akzeptieren. Viele leben schon Jahrzehnte hier, und sind ein Teil der Schweiz geworden. Bereits 40'000 Kosovaren haben den Schweizer Pass erworben. Wenn wir in den Kosovo gehen, sind wir dort Fremde. Es ist aber klar, dass wir einen Schritt auf die Schweizer zu machen müssen.

Viele Schweizer scheinen dies nicht zu wissen. Wie wollen sie den Ruf ihrer Landsleute verbessern? Seit dem Krieg leben zwar viele Kosovo-Albaner physisch in der Schweiz, doch mental sind sie immer noch in Kosovo. Seit der Unabhängigkeit des Landes hat sich jedoch einiges getan in ihren Köpfen: Der Integrationsprozess wird sich beschleunigen. Ich rufe meine Landsleute dazu auf, am Leben hier teilzunehmen und sich auch politisch zu engagieren. Wir müssen auch die Präsenz in den Medien suchen, denn oft wird in Zeitungen und am Fernsehen negativ über die Kosovaren berichtet. Darum fühlen sich viele meiner Landsleute nicht akzeptiert, was sich negativ auf ihre Integration auswirken könnte.

Wie sieht das Verhältnis zwischen Kosovo-Albanern und Serben aus? Als Kosovo unabhängig wurde, gingen in Schweizer Städten viele wütende Serben auf die Strasse. Ich habe nicht viele Kontakte zu Serben in der Schweiz. Die Volksgruppen müssen jedoch lernen, zusammenzuleben – ohne zu vergessen, was die Serben den Kosovaren im Krieg angetan haben. Ich bin überzeugt, dass Serbien Kosovo in einigen Jahren als unabhängigen Staat anerkennen wird.

Kosovarische Medien werfen Ihnen vor, sie hätten im Kosovokrieg Schutzgelder erpresst. Was sagen Sie dazu? Das ist eine Schmutzkampagne kosovarischer Zeitungen. Ich habe nie Schutzgelder erpresst. Ich habe lediglich Geld für die Untergrundarmee UCK gespendet, die gegen die Serben kämpfte. Dies haben alle in der Diaspora getan.

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