Urner Mordprozess: Ignaz Walker ist schuldig

Das kantonale Obergericht hält es nun doch für erwiesen, dass der Barbetreiber einen Killer auf seine Frau ansetzte.

Zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt: Ignaz Walker auf dem Weg zum Obergericht in Altdorf. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt: Ignaz Walker auf dem Weg zum Obergericht in Altdorf. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Thomas Knellwolf@KneWolf

Schuldig, schuldig, unschuldig, schuldig. So lautet die Bilanz im aufsehenerregenden Urner Justizfall. Das kantonale Obergericht hat den Cabaret-Unternehmer Ignaz Walker am Montagmorgen wegen eines Mordauftrags schuldig gesprochen. Dieselbe Strafkammer hatte denselben Beschuldigten in derselben Sache noch im Frühjahr 2016 freigesprochen – nach dem Grundsatz «Im Zweifel für den Angeklagten». Aber nun genügen zumindest einer Mehrheit der vier Richter und der einen Richterin die bereits damals vorgebrachten Indizien doch noch. Das Obergericht zeigt sich überzeugt, dass Walker einen Killer losgeschickt hatte, um seine Ex-Frau zu töten. Die Ukrainerin war 2010 spätnachts von hinten angeschossen worden, überlebte aber mit einer Kugel in der Lunge.

Walker kassiert nun eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren. Über viereinhalb Jahre davon hat er bereits abgesessen. Zuletzt war er allerdings ein freier Mann. Und er bleibt dies vorerst auch. Das Gericht hat einen Antrag des Staatsanwalts abgelehnt, Walker unverzüglich wieder in Haft zu versetzten. Zwar ortet es wie der Ankläger eine Fluchtgefahr, doch diese beurteilt es als «relativ geringfügig». In die Überlegung floss auch mit ein, dass Walker nicht mehr allzu lange ins Gefängnis muss. Es sind nur noch rund zwei Jahre, sofern ihm – wie üblich – das letzte Drittel der Strafe erlassen wird.

Uri folgt Lausanne

Rechtskräftig ist das Urteil nicht. Walker hat gleich nach der Verkündung vor dem Telldenkmal in Altdorf angekündigt, dass er es ans Bundesgericht weiterziehen werde. In Lausanne dürfte er diesmal allerdings einen schweren Stand haben.

Das Obergericht hat sich in seinem neuesten Urteilsspruch stark an das Bundesgerichtsurteil angelehnt. Gemäss mündlicher Begründung kam es in einer Gesamtwürdigung der Indizien zum Schluss, dass Walker einen Mordauftrag gegeben hatte. Eine andere Person käme nicht in Frage.

Als belastend beurteilte die Kammer, dass Walker dem rechtskräftig verurteilten Schützen ein Auto zu Verfügung gestellt hatte und ihm nach den Schüssen innerhalb weniger Minuten einen Chauffeur organisierte. Zudem übernahm es die Argumentation des Bundesgerichts, wonach nur Walker dem Auftragsmörder, der scheiterte, die Tatwaffe übergeben haben konnte. Zudem bewertete das Obergericht eine Zeugenaussage neu, auch dies auf Geheiss des obersten Schweizer Gerichts: Die Ex-Freundin des Schützen belastete Walker.

Vorwürfe stets bestritten

Der Fall Walker ist von Uneinigkeit und Unsicherheit der Justiz geprägt, wie der Zeitraffer zeigt: Einig waren sich alle Instanzen einzig, dass Walker selber wenige Monate vor den Schüssen auf seine damalige Frau auf einen Bargast geschossen hatte.

2012 verurteilte ihn das Urner Landgericht wegen beider Taten zu 10 Jahren Freiheitsstrafe, ein Jahr später erhöhte das Obergericht gar auf 15 Jahre. Das Bundesgericht kassierte diesen Entscheid.

2016 dann sprachen die Urner Oberrichter Walker vom Vorwurf des versuchten Mordes frei. Als Strafe hielten sie wegen der Schüsse auf den Bargast noch 28 Monate für angemessen. Doch wieder kam die Sache mit einem Rüffel aus Lausanne zurück, weshalb das Obergericht den Fall im vergangenen November erneut verhandelte und heute das sechste Urteil in der Sache sprach. Walker hat stets alle Anschuldigungen bestritten.

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