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Überraschung in Sachen Vaterschaftsurlaub

Die Initianten wollen vier Wochen, das Parlament bot nur zwei: Trotzdem wird das Volksbegehren nun zurückgezogen.

Mehr Zeit für die Familie: Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub sind schon fix – sofern kein Referendum ergriffen wird. Foto: Keystone
Mehr Zeit für die Familie: Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub sind schon fix – sofern kein Referendum ergriffen wird. Foto: Keystone

Die Stimmbürger werden nicht über vier Wochen Vaterschaftsurlaub abstimmen. Das Initiativkomitee zieht sein Volksbegehren unter Vorbehalt zurück. Das gab der Verein «Vaterschaftsurlaub jetzt» heute bekannt. Das Parlament hatte am Freitag einen Gegenvorschlag verabschiedet, der den Vätern zwei Wochen zugesteht.

Das Komitee habe entschieden, die Initiative zugunsten des Gegenentwurfs zurückzuziehen, schreibt der Verein in einer Mitteilung. Diese Lösung sei ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung und der schnellste Weg zu einem Vaterschaftsurlaub in der Schweiz.

Sofern kein Referendum gegen den indirekten Gegenvorschlag zustande kommt, erhalten Väter künftig zwei Wochen Vaterschaftsurlaub. Ob es zu einem Referendum kommt, ist noch offen. Arbeitgeberverband (SAV), Gewerbeverband (SGV) und Baumeisterverband (SBV) sind sich einig, dass es eigentlich ergriffen werden müsste, auch die SVP würde ein solches unterstützen – allerdings hat noch niemand den Lead übernommen. Die Wirtschaftsverbände hatten sich bereits in der Vernehmlassung gegen den Vaterschaftsurlaub gestellt.

Die jüngste Tamedia-Wahlumfrage mit über 20'000 Teilnehmern hatte gezeigt, dass 60 Prozent «Ja» oder «eher Ja» sagen zu einem vierwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub, 40 Prozent lehnen diesen «eher» oder «sicher» ab.

Die Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie» war von vier Dachverbänden und über 160 Organisationen eingereicht worden: unter anderem Travail.Suisse, männer.ch als Dachverband von Mütter- und Väterorganisationen, Alliance F und Pro Familia Schweiz.

Die Initiative habe eine gesellschaftliche Diskussion über Elternzeit, Rollenverteilung und Familienpolitik lanciert, teilten die Initianten mit. Sie wollen nun eine längere Elternzeit durchsetzen. Aktuell würden verschiedene Projekte für eine reservierte Zeit für Mütter und eine für Väter diskutiert.

Per 1. Juli 2020 umsetzen

Das Initiativkomitee fordert vom Bundesrat, die Gesetzesänderung innerhalb von neun Monaten umzusetzen, also per 1. Juli 2020. Väter könnten gemäss dem Parlamentsbeschluss in den ersten sechs Monaten nach der Geburt des Kindes zwei Wochen bezahlten Urlaub nehmen.

Der Bundesrat muss den Entscheid gegen seinen Willen umsetzen. Er lehnte die Volksinitiative und auch den indirekten Gegenvorschlag ab. Ein Ausbau der familien- und schulergänzenden Betreuungsangebote für Kinder und ein Betreuungsurlaub für Eltern von schwerkranken Kindern wiesen ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis auf, schrieb er.

(SDA)

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