TV-Kritik: «Erzählen Sie doch nicht so einen Stumpfsinn»

TV-Kritik

Christoph Blocher irritiert derzeit die TV-Zuschauer. In der Sendung «Schawinski» gab er sich vergleichsweise staatsmännisch, hielt aber mit Angriffen nicht zurück.

Gab sich gelassener: Christoph Blocher bei Roger Schawinski.

Gab sich gelassener: Christoph Blocher bei Roger Schawinski.

(Bild: Screenshot: SF)

Claudia Blumer@claudia_blumer

Der Auftritt von SVP-Vizepräsident Christoph Blocher in der SF-Sendung «Schawinski» war mit Spannung erwartet worden. Würde er wieder ausfällig werden, wie 24 Stunden zuvor im «Sonntalk» auf TeleZüri?

«Sie sind ein Schwätzer», hatte Blocher am Sonntagabend seinem Kontrahenten, dem Kommunikationsprofi Kaspar Loeb, entgegengeschleudert und damit die Grenze des respektvollen Umgangs überschritten. Er hatte sich für den Holocaust-Vergleich («Heute heisst es: Kauft nicht bei Blocher») rechtfertigen müssen. Allgemein hat SVP-Vizepräsident Blocher mit seinem Auftritt im «Sonntalk» irritiert (siehe Video).

Geduldiger Moderator

Dabei hatte Blocher ungewöhnlich viel Redezeit und wurde von Talkmaster Markus Gilli teilweise wie ein Patient behandelt. «Der Moderator war meines Erachtens fast zu geduldig», sagte Martin Bäumle, Präsident der Grünliberalen, später gegenüber baz.ch/Newsnet.

Beim Schweizer Fernsehen verlief die Diskussion hingegen weniger spektakulär. Blocher verhielt sich staaatsmännischer als auf TeleZüri und gelassener als in den Diskussionen mit Roger Schawinski auf dessen Radiosender. Doch der Neu-Nationalrat schoss auch in «Schawinski» konsequent zurück.

«Erzählen Sie doch nicht so einen Stumpfsinn», entgegnete Blocher auf Schawinskis Hinweis zur Niederlage im Ständeratswahlkampf. Bei anderer Gelegenheit bemängelte er, Schawinski habe solange SP gewählt, bis er arbeiten gegangen und mit dem Koffer hin- und hergeflogen sei, «dann haben Sie zu den Grünliberalen gewechselt. Solche Leute können wir nicht brauchen». Oder, zum Thema «Basler Zeitung»: «Für Sie gilt das Ego, ich hingegen wollte die Zeitung retten.» (Schawinski quittierte den Nebensatz mit einem «Danke»). Für die Pressefreiheit müsse er sich ja jetzt allein stark machen, fuhr Blocher fort, «seit Sie beim SF sind, kritisieren Sie es nicht mehr, so kaufen Monopolisten ihre Kritiker».

«Bisher im Schlafwagen nach Bern»

«Der darf doch das sagen», meinte Christoph Blocher zum eingespielten Videoausschnitt mit SVP-Jungpolitiker Lukas Reimann, der der Parteileitung Fehler vorwarf. Schon im nächsten Satz machte Blocher aber deutlich, dass Reimann nicht darf: «Die SVP hat viel Erfolg gehabt, die Leute konnten im Schlafwagen nach Bern. Jetzt muss man etwas tun, von Reimann habe ich bis jetzt noch keinen Antrag gehört, was zu tun sei.»

Es ist klar, dass Christoph Blocher als geistiger Führer für die Misstritte seiner Partei geradestehen muss. Klar ist aber auch, dass ihm der Druck von innen und von aussen zusetzt. Ab und zu reagierte er emotional auf die Kritik, ohne die Fassung zu verlieren. Zum Beispiel, als er wiederholte, wie egal es ihm wäre, das Vizepräsidium in der SVP abzugeben. Auf die Frage, ob er jetzt Demut lernen werde, antwortete er: Demut habe er vor der Sache, nicht vor Personen - und schon gar nicht vor Personen, denen es nicht um die Sache gehe.

Kampf um Sekunden

Das Gespräch zwischen Schawinski und Blocher ist – noch mehr als bei anderen Gästen – ein stetiger Kampf um Sekunden. «Ich nehme an, ich habe so lange Zeit zum Antworten, wie Sie jetzt geredet haben», sagte Blocher einmal. «15 Sekunden», erwiderte der Moderator, ohne aber einzugreifen, als die Antwort deutlich länger ausfiel.» Zweimal versuchte Schawinski es mit dem Hinweis, die Sendezeit sei beinahe abgelaufen, doch Blocher liess sich auch damit nicht stoppen. Die Sendung dauerte somit länger als die übliche knappe halbe Stunde, weil - wie Markus Gilli - auch Schawinski Mühe hatte, den 71-Jährigen, der täglich ein Dutzend Interviewanfragen ablehnt, zu bändigen.

baz.ch/Newsnet

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