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Tochter von Marihuana-Lieferant verurteilt

Eine 25-jährige Frau stand vor Gericht, weil sie 1,2 Kilogramm Marihuana verkauft hatte. Ihr Verteidiger forderte aufgrund ihrer familiären Verhältnisse eine milde Strafe.

Der Vater der 25-jährigen Angeklagten handelte ebenfalls mit Marihuana: das Kreisgericht in St. Gallen.
Der Vater der 25-jährigen Angeklagten handelte ebenfalls mit Marihuana: das Kreisgericht in St. Gallen.
Walter Bieri, Keystone

Das St. Galler Kreisgericht hat am Dienstag eine 25-jährige Frau wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen verurteilt. Thema an der Verhandlung war vor allem, wie der Frau auf die Beine geholfen werden könnte.

Seine Mandantin habe keine kriminelle Energie, ihr fehle es eher an Lebensenergie, erklärte der Verteidiger am Dienstag an der Verhandlung vor dem Kreisgericht St. Gallen. Im Verfahren habe sie «bestens kooperiert». Sie sei milde zu bestrafen.

Vorgeworfen wurde der 25-jährigen Frau, dass sie insgesamt 1,2 Kilo Marihuana an verschiedene Abnehmer abgesetzt habe. Weiter soll sie acht Gramm Kokain verkauft und selber täglich Marihuana konsumiert haben, dazu gelegentlich auch Amphetamine oder MDMA (Ecstasy). Die Anklage forderte eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 50 Franken, sowie eine Busse von 600 Franken.

Drogen lagen zu Hause herum

Die Frau stamme aus einer Familie, in der Drogen zum Alltag gehörten, argumentierte der Verteidiger. Die Ware habe zu Hause herumgelegen. «Wenn kein Geld vorhanden war, wurde die Coiffeuse mit Drogen bezahlt», illustrierte der Anwalt die Verhältnisse. Der Vater habe damit gehandelt und der Tochter das Marihuana abgegeben.

Die junge Frau hat keine Ausbildung. Eine Malerlehre brach sie ab. Danach habe sich niemand mehr um sie gekümmert, stellte der Verteidiger fest. «Ihr fehlt eine Struktur, weil in ihrem Leben überhaupt nichts geregelt ist.» Sie sei ständig auf Jobsuche und lebe von der Sozialhilfe, erklärte die Frau. Von dort bekomme sie «600 Franken zum Leben».

Angklagte kann Strafe nicht bezahlen

Der Verteidiger bat das Gericht, für die Frau Bewährungshilfe anzuordnen und eine bedingte Vorstrafe wegen Betäubungsmitteldelikten von 2012 weiter auszusetzen. Sie könne die Geldstrafe nicht bezahlen und müsste diese absitzen. «Das bringt nichts ausser Kosten.»

In seinem Urteil reduzierte der Einzelrichter die Busse auf 300 Franken und senkte die Höhe des Tagessatzes auf noch 30 Franken. Wegen der Vorstrafe bleibe es beim Strafmass von 150 Tagessätzen. Dazu kommen Verfahrenskosten von rund 10'000 Franken.

Die Vorstrafe von 120 Tagessätzen à 30 Franken müsse nun vollzogen werden. Bei allem Verständnis komme man nicht darum herum, sagte der Richter. Vielleicht finde sie ja einen Weg, das Geld dafür aufzubringen. Sie solle die Unterstützung durch die Bewährungshilfe nutzen. Das Betäubungsmittelgesetz sei in diesem Fall nicht das beste Instrument, um junge Leute wie die Angeklagte zu unterstützen, schloss er die Urteilsbegründung.

SDA/ij

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