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Junge zerren Alte wegen Klimawandel auf die Strasse

Die Klimastreik-Bewegung wächst: In zahlreichen Schweizer Städten haben am Samstag Tausende Schülern für einen besseren Klimaschutz demonstriert – in Basel mit Benzingenerator.

Mit dem Zweitakter fürs Klima: Ein Benzingenerator sorgt für Strom an der Klimademo.
Mit dem Zweitakter fürs Klima: Ein Benzingenerator sorgt für Strom an der Klimademo.
Martin Regenass
Die Demo zog sich durch die ganze Innenstadt...
Die Demo zog sich durch die ganze Innenstadt...
Martin Regenass
In der ganzen Stadt war am Samstagnachmittag der Tramverkehr blockiert.
In der ganzen Stadt war am Samstagnachmittag der Tramverkehr blockiert.
Martin Regenass
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Es war nach dem Klimastreik kurz vor Weihnachten und mitte Januar die dritte Kundgebung, zu der Schüler in der ganzen Schweiz am Samstag Nachmittag aufriefen. Dem leisteten auch in Basel mehrere tausend Personen Folge. Viele Erwachsene mischten sich in den bunten Zug und marschierten mit den Jugendlichen vom Barfüsser- über den Marktplatz und die Mittlere Brücke bis zum Messeplatz – direkt durch die Innenstadt.

Unter den Demonstrierenden waren auch Politiker anzutreffen, wie SP-Grossrat Mustafa Atici oder Michela Seggiani, die Aticis Sitz im Sommer erben wird. Ebenso war die BastA! mit Heidi Mück, Sibel Arslan oder Tonja Zürcher vor Ort. «Es geht hier um ein extrem wichtiges Anliegen. Wir müssen gegen den Klimawandel ein Zeichen setzen. Es ist toll, dass sich so viele Jugendliche organisieren und teilnehmen. Das unterstützen wir solidarisch», sagte Zürcher.

Das Lob war ganz gegenseitig. «Es ist super, dass sich auch ältere der Demonstration anschliessen», sagte der Basler Mitorganisator Philippe Kramer. Der Maturand forderte die Basler Regierung und die Wirtschaft dazu auf, den «Klimanotstand» auszurufen. «Die Entscheidungsträger sollen bei ihren Geschäften klimabewusst handeln. Für die Regierung heisst das beispielsweise beim Bau einer Autobahn oder eines Velowegs, dass dem Veloweg der Vorzug gegeben wird.»

«Wir sind keine Klimaheiligen»

In der Masse standen auch Saffie und Rahel aus Nuglar. Für die beiden Schülerinnen ist klar, dass es «gut» ist, mit dem Klimastreik ein Zeichen zu setzen. «Die Politiker in Bern haben unsere Zukunft schon entschieden, indem sie härtere Co2-Gesetze abgelehnt haben. Damit ist es ihnen egal, was später mit der Umwelt passieren wird.»

Ganz ohne CO2 ging es dann aber an der Protestaktion trotz den Forderungen nach harten Co2-Gesetzen nicht. Um ihre Stimmen über Lautsprecher zu verstärken, war ein Benzingenerator unabdingbar. Kramer: «Wir hätten zwar einen Solargenerator, doch der funktioniert leider bei diesem Wetter nicht.» So müssten die Demonstranten eben auf einen normalen Generator zurückgreifen. «Wir sind keine Klimaheiligen, doch die Sensibilisierung unseres Anliegens wird das wettmachen.»

Der Protestzug, angeführt von der organisierenden Schülergruppe aus Basler Gymnasien, skandierte auf dem Weg vom Gross- ins Kleinbasel immer wieder: «Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns das Klima klaut», oder «Klimawandel stopp, hopp, hopp, hopp». Auf Flyern, welche die Jugendlichen verteilten, forderten sie einen Systemwechsel und die Abkehr von fossilen Brennstoffen und der Atomkraft.

Verzicht auf Fleisch und Flüge

Angetan von der Mobilisierung zeigte sich Roland Chrétien. Der Geschäftsführer von Pro Velo beider Basel: «Ich bin mit der Tochter hier und finde es irrsinnig, dass die Jungen den Alten Dampf machen.» Sein Rat an seine Mitmenschen: «Fahrt Velo, esst kein Fleisch und fliegt nicht.»

Zu reden gab neben dem Klima auch die Route des Protestzuges, welche die Polizei diesmal mitten durch die samstägliche Innenstadt erlaubte. Dies im Gegensatz zum «March against Monsanto und Syngenta», der bei seiner letzten Austragung von der Polizei nicht durchs Zentrum, sondern über die Wettsteinbrücke gelenkt wurde. «Wir beurteilen ein Gesuch, ob eine Demonstration durch die Innenstadt ziehen darf oder nicht, jeweils aufgrund vieler verschiedener Faktoren», sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz auf Anfrage.

Weshalb die Schüler am Samstag durften und der «March against Monsanto und Syngenta» nicht, darauf antwortete Yerguz nicht konkret. Für Heidi Mück von der BastA! und Mitorganisatorin des Protestmarsches gegen die Agrochemie, hat die Polizei jedenfalls mit der Bewilligung der Schülerdemonstration einen «Präzedenzfall» geschaffen. «Ich finde es toll, dass die Schülerdemo durchs Zentrum geht. Wir werden dies das nächste Mal auch einfordern.»

Die Kundgebung verlief friedlich und löste sich nach 17 Uhr beim Messeplatz auf. Es kam zu Behinderungen des Tram- und Busverkehrs.

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