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Swissgrid will sechs Milliarden Franken in Stromleitungen investieren

Weil die Stromleitungen der Umstellung auf erneuerbare Energien nicht gewachsen seien, will sie der Betreiber für viel Geld ausbauen. Das Problem sei dabei nicht das Geld, sondern die Gesellschaft.

Veraltet: Stromleitungen bei Laufenburg im Kanton Aargau.
Veraltet: Stromleitungen bei Laufenburg im Kanton Aargau.
Keystone

Zwei von drei Stromleitungen in der Schweiz sind bereits über 40 Jahre alt. Werden diese nicht bald erneuert, kommt es gemäss der Netzgesellschaft Swissgrid zu «massiven Versorgungsproblemen». Eine Energiewende sei mit dem heutigen Netz zudem kaum machbar.

Das Stromnetz sei überlastet, sagte Swissgrid-Chef Pierre-Alain Graf vor den Medien in Zürich. Würden die Leitungen nicht erneuert und ausgebaut, sei die Netzstabilität gefährdet. Die schlimmste Folge davon wäre ein Blackout, der einen Schaden von fünf Millionen Franken pro Minute anrichten würde.

Wasserkraftwerke mussten aushelfen

Im Schweizer Stromnetz gab es im letzten Jahr zehn Situationen, die beinahe zur Überlastung und somit zu ernsthaften Problemen geführt hätten. Swissgrid musste in mehreren Fällen Wasserkraftwerke dazu anweisen, die Produktion zu drosseln, weil das Netz überlastet war.

Die Kraftwerke im Alpenraum hätten also mehr Strom produzieren können - doch «auf der Strasse in Richtung Flachland herrschte Stau», wie es Graf beschreibt. Die Schweizer Leitungen, eine Pionierleistung aus der Nachkriegszeit, würden heutigen Anforderungen nicht mehr genügen.

Energiewende steigert Anforderungen ans Netz

Diese Anforderungen könnten noch steigen, wenn sich die Schweiz dereinst für eine Energiewende entschliesst, also auf erneuerbare Energien setzt. Diese unterliegen saison- und wetterbedingt mehr Schwankungen als Atomkraft - was das Netz aushalten müsste.

Mit dem heutigen Netz sei die Energiewende voraussichtlich nicht machbar, sagte Graf. Nicht nur bei den Leitungen im Alpenraum sieht Swissgrid Aufholbedarf, auch im Norden der Schweiz müsse das Netz ausgebaut werden, damit das Land in windigen Monaten wie etwa November deutsche Windenergie importieren könnte. Auch allfällige neue Gaskombikraftwerke in der Schweiz würden Netzausbauen nötig machen, da diese ins System integriert werden müssten, sagte Graf weiter.

«Stromleitungen sind sozial nicht akzeptiert»

Die Forderung nach dem Netzausbau ist nicht ganz neu. Seit mehreren Jahren fordert Swissgrid, rund 1000 von insgesamt 6700 Kilometern Leitungen zu erneuern oder auszubauen. Durch die Atomdebatte hat Swissgrid jetzt aber neue Argumente dafür.

Knackpunkt sind für einmal nämlich nicht die Kosten in der Höhe von sechs Milliarden Franken, da Swissgrid diese selber auf dem Kapitalmarkt beschaffen könnte. Es ist vielmehr die mangelnde Akzeptanz in der Gesellschaft, die den Bau von Leitungen verhindert - und somit auch dereinst eine Energiewende unmöglich macht.

«Stromleitungen sind sozial nicht akzeptiert», sagte Graf. In den letzten zehn Jahren seien gerade mal 150 Kilometer Leitungen erneuert worden. Viele Projekte sind wegen Einsprachen blockiert, einzelne sogar seit 30 Jahren.

Stromleitungen im Boden problematisch

Die Verlegung in den Boden, die Swissgrid demnächst in zwei Pilotversuchen ausprobieren wird, ist gemäss einem Sprecher nicht für alle Leitungen in allen Regionen möglich. Grund dafür sind nicht nur die höheren Kosten, welche die unterirdische Leitungen verursachen, sondern auch die topografischen Verhältnisse.

Der Monopolbetrieb hofft nun auf die Politik. Diese müsse das Problem an die Hand nehmen und die Bewilligungsverfahren für neue Stromleitungen zeitlich beschränken, sagte der Sprecher weiter.

SDA/wid

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