Scientologen machen für SVP die Knochenarbeit

Bei den Abstimmungen zu den Drogenvorlagen kämpfen SVP-Parlamentarier Seite an Seite mit Scientologen und VPM-Exponenten.

Hugo Stamm@HugoStamm

Roland Messerli ärgert sich: «Die katholische Kirche ist eine furchtbare Sekte.» Der Sprecher des Dachverbandes abstinenzorientierte Drogenpolitik (DaD) kämpft wortstark gegen die Hanfinitiative und das Betäubungsmittelgesetz, die beide am 30. November zur Abstimmung kommen. Wer für die Vorlagen ist, den wirft Messerli in den Sektentopf. Unter anderen eben auch Teile der Schweizer Katholiken.

Weniger Mühe hat Messerli mit klassischen Sekten. In seinem Dachverband sind Scientologen und Anhänger der Psychosekte VPM prominent vertreten. Der VPM hat sich 2002 aus taktischen Gründen aufgelöst, die Anhänger arbeiten aber wie früher in Aktionsgruppen weiter. Unter den Mitstreitern der Scientologen und der VPM-Exponenten finden sich auch 40 National- und Ständeräte der SVP. Diese haben sich im DaD und im Komitee «Drogen: 2 x Nein» zusammengefunden.

Die Knochenarbeit im Komitee leisten nicht die Parlamentarier, sondern elf Vereine, die seit Jahren für eine repressive Drogenpolitik kämpfen. Unter ihnen finden sich drei Organisationen, die von VPM-Anhängern gegründet worden sind oder von ihnen mitgetragen werden. Am aktivsten ist der Verein Jugend ohne Drogen. Dieser hatte Mitte der 90er-Jahre die gleichnamige Initiative gestartet, scheiterte 1997 aber deutlich an der Urne. Vizepräsident des VPM-lastigen Vereins ist der Zürcher SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi.

Ebenfalls aktiv im Nein-Komitee ist der Verein Schweizer Ärzte gegen Drogen, in dem mehrere Exponenten des aufgelösten VPM eine zentrale Rolle spielen. Dasselbe gilt für die Aids-Aufklärung Schweiz (AAS, nicht zu verwechseln mit der Aids-Hilfe Schweiz, AHS), die von VPM-Anhängern gegründet worden war. Auch bei ihr dienen Politiker oder bekannte Fachleute als Aushängeschilder. Die Vereinsarbeit erledigen aber vor allem die Mitglieder aus dem VPM-Umfeld. Der VPM hat sich unter anderem aufgelöst, um das Sektenimage abzustreifen und Politiker leichter für seine Sache gewinnen zu können.

Im Nein-Komitee engagiert sich auch ein führendes Mitglied des Vereins «Sag Nein zu Drogen». Dabei handelt es sich um die Juristin und hochrangige Scientologin Gabrielle Arnold. Der Verein ist eine Unterorganisation von Scientology. Ähnlich wie die VPM-Leute suchen auch die Scientologen die Nähe zu bürgerlichen Politikern, um ihren Einfluss auszuweiten und gesellschaftlich besser akzeptiert zu werden.

Roland Messerli vom DaD hat keine Berührungsängste und arbeitet eng mit ehemaligen VPM-Exponenten und Scientologen zusammen. «Den VPM gibt es nicht mehr», sagt er. Und Scientology? «Es ist mir egal, ob Mitglieder unseres Verbandes mit Sekten zu tun haben. Wichtig ist nur, dass sie gegen die Verbreitung von Drogen sind.»

Ähnlich tönt es bei Hans Fehr, Zürcher SVP-Nationalrat. «Ich habe nicht geprüft, wer alles im Komitee aktiv ist», antwortet der Parlamentarier. «Es ist mir egal, ob jemand noch einen Fuss in Scientology hat. Hauptsache er kämpft für die richtige Sache.»

Tages-Anzeiger

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