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Stoppt auch das Kinderspital St. Gallen Beschneidungen??

Das Kinderspital St. Gallen will nach den Sommerferien über Beschneidungen aus religiösen Gründen entscheiden. Ärzte befürchten nach einem deutschen Gerichtsurteil, ebenfalls angeklagt zu werden.

Überlegt sich, Beschneidungen vorläufig nur noch aus medizinischen Gründen vorzunehmen: Das Ostschweizer Kinderspital in St. Gallen. (Archivbild)
Überlegt sich, Beschneidungen vorläufig nur noch aus medizinischen Gründen vorzunehmen: Das Ostschweizer Kinderspital in St. Gallen. (Archivbild)
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Der Entscheid des Zürcher Kinderspitals, bis auf weiteres keine religiös begründeten Beschneidungen an Knaben mehr durchzuführen, zieht weitere Kreise. Auch das St. Galler Kinderspital erwägt ein Moratorium. Die Gesellschaft für Kinderchirurgie hat das Thema diskutiert und gibt keine Empfehlung ab.

Nach dem umstrittenen Urteil des Kölner Landgerichts, das die Entfernung der Vorhaut als Körperverletzung einstufte, hat das Zürcher Kinderspital beschlossen, vorläufig keine Beschneidungen mehr vorzunehmen und das Thema zu überprüfen.

Entscheid nach den Sommerferien

Nun erwägt auch das Ostschweizer Kinderspital in St. Gallen ein Moratorium für Beschneidungen an Knaben aus religiösen Gründen. Dies sagte Marco Fischer, Mitglied der Spitalleitung, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Den Entscheid, ob Eingriffe dieser Art gestoppt werden, fällt die Spitalleitung nach den Sommerferien.

Die Entscheidung ist laut Fischer schwierig. Das Urteil aus Köln könnte präjudizierende Wirkung auf die Schweiz haben. Chirurgen, die Knaben aus religiösen Gründen beschneiden, könnten möglicherweise auch in der Schweiz wegen Körperverletzung zur Rechenschaft gezogen werden, sagte der Jurist.

Ärztliche Sicht eine andere

Die ärztliche Sicht sei eine andere: Viele Ärzte seien der Meinung, dass religiös motivierte Beschneidungen ohnehin vorgenommen würden – ob mit oder ohne Kinderchirurgen. Eine Operation im Spital könnte deshalb dem Schutz der Kinder dienen.

Auch die schweizerische Gesellschaft für Kinderchirurgie hat sich mit dem Thema beschäftigt. An einer Sitzung am 29. Juni habe der Vorstand das Kölner Urteil diskutiert und beschlossen, vorläufig keine Empfehlung abzugeben. Er wolle die Entscheidung den lokalen Spitälern überlassen. Dies sagte das Luzerner Kantonsspital der Nachrichtenagentur SDA.

SDA/mw

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