Zum Hauptinhalt springen

Spitzeldienste für die Securitas?

Die Affäre um die Infiltration von Mitarbeiterinnen der privaten Sicherheitsfirma in globalisierungskritische Gruppen ist um ein mysteriöses Kapitel reicher.

Die Lausanner Gruppe Anti-Repression (Gar) ist eine kleine linke Organisation. Sie kämpft nach eigenem Bekunden für das Demonstrationsrecht und sammelt Berichte von Leuten, die angeblich von Sicherheitskräften schlecht behandelt oder misshandelt worden sind. Nach dem G-8-Gipfel von Evian im Sommer 2003 sei ihre Gruppe von einer jungen Frau, die sich «Shanti Muller» nannte, jedoch Kaderfrau eines Spezialdienstes von Securitas gewesen sei, ausspioniert worden, erklärten Mitglieder von Gar gestern in Lausanne.

Das Westschweizer Fernsehen war bei Recherchen über eine andere damalige Securitas-Mitarbeiterin mit Deckname «Sara Meylan» auf den Namen «Shanti» gestossen. Meylan hatte vom Herbst 2003 bis Frühsommer 2004 das Autorenteam eines Nestlé-kritischen Buches ausgehorcht und Berichte über die globalisierungskritische Organisation Attac an den Nahrungsmittelkonzern geliefert. Zur selben Zeit hatte «Shanti» das Vertrauen der Gar und anderer Gruppierungen in der alternativen, anti-kapitalistischen Szene gewonnen.

Die Frau, die als Tochter französischer Entwicklungshelfer in Djibouti aufgewachsen sein soll und mit knapp 20 Jahren als Hilfswerkmitarbeiterin in Indien Leprakranke sowie Strassenkinder betreute, passte in die Szene. «Shanti» weckte auch keinen Verdacht, weil sie sich gemäss Gar an Demonstrationen gegen den G-8-Gipfel und gegen die Jahrestagungen des World Economic Forum (WEF) in Davos aktiv beteiligte.

Im Sommer 2005 verschwand die Kollegin, die an vertraulichen Sitzungen der Gar teilgenommen und Einblicke in Erfahrungsberichte über Polizeiübergriffe hatte. Mit der Begründung, sie müsse ihre kranke Mutter in Frankreich pflegen. Der Zeitpunkt ihres Ausscheidens ist interessant: Im Herbst desselben Jahres stellte Securitas seinen Bespitzelungsdienst ein. Das Bundesamt für Polizei habe sie damals darauf aufmerksam gemacht, dass solche Tätigkeiten «nicht zum Aufgabengebiet von privaten Sicherheitsfirmen gehören», teilte Securitas gestern mit.

Securitas sieht nichts Illegales

Unter ihrem richtigen Namen arbeitet «Shanti» heute an Sicherheitskonzepten für Kunden im Inland und Ausland. «Sie beschafft auf legale Art Informationen», erklärte Securitas dem Westschweizer Fernsehen. Die jüngsten Enthüllungen enthielten keine neuen Informationen, fügte die Sicherheitsfirma nun hinzu. Die Polizei habe von den «Observationseinsätzen» gewusst und diese «zu keinem Zeitpunkt als illegal taxiert». Ein Sprecher der Waadtländer Kantonspolizei stellte dies in Bezug auf den neuen Fall in Abrede.

Im Auftrag der Waadtländer Regierung überprüft derzeit ein pensionierter Richter, wie die damaligen Beziehungen zwischen der Kapo und der Securitas waren. Parallel dazu laufen Abklärungen des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. Und ein Waadtländer Untersuchungsrichter ermittelt, ob die Bespitzelung illegal war. Der Anwalt der Gar kündigte an, er werde Strafanzeige wegen Betrugs, Ehrverletzung und Verletzung des Datenschutzgesetzes einreichen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch