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SP sorgt sich um Schulreformen

Der Lehrplan 21 und die Fremdsprachen stossen bei vielen Lehrern auf Skepsis. Die SP, die traditionelle Lieblingspartei der Lehrer, bezieht klar Stellung.

Die SP will sich auf nationaler Ebene vor allem in der Fremdsprachenfrage einsetzen.
Die SP will sich auf nationaler Ebene vor allem in der Fremdsprachenfrage einsetzen.
Keystone

Zu den härtesten Kritikern des Lehrplan 21 gehören nicht nur rechtsbürgerliche und konservative Kräfte, sondern auch Lehrerinnen und Lehrer. Und die Proteste gegen den Ausbau des Fremdsprachenunterrichts in der Primarschule werden in vielen Kantonen von Lehrern angeführt oder mitgetragen. In Luzern zum Beispiel engagiert sich sogar der Lehrerverband im Initiativkomitee für nur «eine Fremdsprache auf der Primarstufe». Diese Entwicklung bereitet den Sozialdemokraten, die in der Lehrerschaft traditionell gut verankert sind, Sorgen.

Es sei geradezu fahrlässig, zur jetzigen Zeit den Lehrplan 21 und damit die Harmonisierungsbemühungen infrage zu stellen, sagte der Berner SP-Nationalrat und ehemalige Lehrer Matthias Aebischer gestern vor den Medien. Das Stimmvolk habe sich deutlich für den Bildungsartikel in der Verfassung und damit für eine Angleichung der kantonalen Schulsysteme ausgesprochen. Auch einen Abbau beim Fremdsprachenunterricht wolle die SP verhindern, sagte SP-Nationalrat Mathias Reynard, der neben seinem Politamt selber an einer Schule im Wallis unterrichtet. Die «scharfen Attacken» aufs Frühfranzösisch, die es in verschiedenen Deutschschweizer Kantonen gebe, seien gefährlich für den nationalen Zusammenhalt.

Für die SP, die sich den Widerstand gegen die Reformen vonseiten der Lehrerschaft nicht richtig erklären kann, ist allerdings klar: Die an den Protesten beteiligten Lehrkräfte stemmen sich nicht grundlos gegen die Neuerungen im Klassenzimmer. Sie wehren sich, weil viele Kantone bei der Bildung sparen. Für eine erfolgreiche Umsetzung des Lehrplan 21 brauche es mehr Ressourcen, fordern die Sozialdemokraten. Zum Beispiel für den Frühfranzösischunterricht. Die Erfahrung im Kanton Solothurn, wo das Französisch bereits seit drei Jahren nach den Zielen des Lehrplan 21 unterrichtet wird, zeige: Damit der Unterricht nach den neuen, anspruchsvollen Standards gelinge, müssten mindestens drei Bedingungen erfüllt sein:

  • Angemessene Weiterbildung der Lehr­­kräfte
  • Unterricht in Halbklassen
  • Laptops oder Computer für die Schüler, da viele Übungen nur noch auf einer CD-ROM abrufbar seien

Allerdings planten viele Kantone nicht etwa Mehrausgaben für die Bildung, sondern Sparübungen, kritisierte der SP-Vizepräsident und Luzerner Kantonsrat David Roth. Luzern, wo Klassen vergrössert, Stipendien reduziert und Bildung privatisiert würden, sei kein Einzelfall. Diese Entwicklung gefährde den Lehrplan 21 und somit die Erfüllung des Verfassungsauftrags. Die SP werde deshalb die Sparprogramme auf Kosten der Bildung überall bekämpfen.

Sprachengesetz verschärfen

Auf nationaler Ebene will sich die Partei vor allem in der Fremdsprachenfrage einsetzen. Er werde «bis zum Schluss» dafür kämpfen, dass die Schüler in jedem Kanton in einer zweiten Landessprache unterrichtet würden, sagte ­Aebischer. Die SP befürchtet, dass in jenen Deutschschweizer Kantonen, in denen zuerst Englisch unterrichtet wird, das Französisch oder Italienisch bald in die Oberstufe verbannt werden könnte. Dieses Szenario ist zum Beispiel in Luzern oder Nidwalden möglich, falls die Volksinitiativen erfolgreich sind, welche die zweite Fremdsprache aus der Primarstufe streichen wollen. Kommt es so weit, will die SP das Sprachengesetz verschärfen. Heute legt das Gesetz lediglich fest, dass Schüler am Ende der obligatorischen Schulzeit über «Kompetenzen in mindestens einer zweiten Landessprache und einer weiteren Fremdsprache» verfügen. Das lasse den Kantonen einen grossen Spielraum für Alibifranzö­sisch­unterricht, sagte Aebischer.

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