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«Sie fühlt sich sehr schlecht und ist nervlich am Ende»

Nach der Kritik an der Opfiker Sozialvorsteherin Beatrix Jud, die eine IV-Rente bezieht, verteidigt sie ihr Ehemann. Paul Wenger sitzt im Kanton Baselland für die SVP im Landrat.

«Sie führt ihr Amt einwandfrei»: Beatrix Jud (30. März 2014).(Bild: Roman Pfund / Zürcher Unterländer)
«Sie führt ihr Amt einwandfrei»: Beatrix Jud (30. März 2014).(Bild: Roman Pfund / Zürcher Unterländer)

Bei der IV eine Vollrente beziehen und gleichzeitig als Sozialvorsteherin mit einem Pensum von 30 bis 40 Prozent tätig – und finanziell gut situiert. Beatrix Jud, die in der Zürcher Agglomerationsstadt Opfikon gegen steigende Sozialausgaben antritt, sorgte mit ihrem Rentenbezug für Empörung. Gegenüber der NZZ rechtfertigt nun ihr Ehemann Paul Wenger den scheinbaren Widerspruch.

Seine Frau sei nicht zu 100 Prozent arbeitsunfähig gemeldet, wie fälschlicherweise geschrieben wurde, sagt er zu Redaktion Tamedia. Ab 70 Prozent Arbeitsunfähigkeit werde in der Regel eine Vollrente ausbezahlt. Diese betrage knapp 2400 Franken pro Monat. Im Interview mit der NZZ erklärt Wenger, es sei «unter anderem» die IV selber gewesen, die Beatrix Jud geraten habe, das Stadtratsmandat weiter auszuführen. Denn das Amt sei «eine Möglichkeit, im Alltag wieder Fuss zu fassen», selbst wenn man nicht «bis ins Detail über alle notwendigen Fähigkeiten verfügt».

Das ist laut Wenger tatsächlich der Fall. So könne seine Frau nicht mehr sicher kopfrechnen, die Beherrschung der Schriftsprache sei nicht gewährleistet, und sie habe Mühe mit Fremdsprachen. Allerdings müsse sie nicht selber Berichte verfassen, sondern nur solche lesen. «Das funktioniert», sagt Wenger. «Sie führt ihr Amt einwandfrei.» Nicht zuletzt auch, weil sie kompetente Abteilungsleiter und Mitarbeiter habe, die sie tragen. Auch die Stadtratskollegen unterstützten Jud sehr.

«Man müsste das System und die Bundesgesetzgebung ändern»

IV-Leistungen beziehe seine Frau seit gut zwölf Monaten, sagt Wenger. Nach dem Hirnschlag im März 2012 hatte zunächst eine private Taggeldversicherung bis zu 8300 Franken monatlich bezahlt, wie der «Tages-Anzeiger» am Mittwoch berichtete. Laut dem SVP-Landrat drohte diese Versicherung mit der Einstellung der Leistungen und drängte seine Frau zu einer Anmeldung bei der IV. Das Ziel sei, den Bezug der Gelder zu reduzieren oder einzustellen. Denn, so Wenger: «Niemand, der zwanzig Jahre selbstständig war, findet es toll, IV zu beziehen.»

Auf den Einwand, Jud sei finanziell gut gestellt und könnte auf die IV-Leistungen auch freiwillig verzichten, entgegnet ihr Mann: «Wir haben kein Verständnis für so eine Forderung und sehen nicht ein, warum man meiner Frau vorwirft, IV-Leistungen zu beziehen.» Als private Unternehmerin habe sie jahrelang viel Geld einbezahlt. Sie habe einen gesetzlichen Anspruch auf die Leistungen. «Wenn das jemandem nicht passt, müsste man das System und die Bundesgesetzgebung ändern.»

Der ganze Trubel um die IV-Rente seiner Frau habe sie durchgeschüttelt. Sie sei krank geworden. «Sie fühlt sich sehr schlecht und ist nervlich am Ende», sagt Wenger. Auch die Mitarbeiter der Treuhandfirmen, für die Jud tätig war, und die Angestellten der Opfiker Stadtverwaltung würden belästigt und beschimpft. Wenger schliesst nicht aus, dass deswegen «Kunden kündigen und gewisse Leute ihren Job verlieren werden».

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