Zum Hauptinhalt springen

Schweizer Sozialhilfe als Startkapital für Mafia

Azem Syla ist ein Held der Befreiungsarmee UCK. Der angebliche Chef einer kriminellen Bande sitzt in Kosovo in Haft.

Auf der Anklagebank: Azem Syla wird in Kosovo der Prozess gemacht.
Auf der Anklagebank: Azem Syla wird in Kosovo der Prozess gemacht.
Screenshot SRF

Azem Syla war 1999 Generalstabschef der kosovarischen Befreiungsarmee UCK und danach Parlamentarier. Gemäss Recherchen der «Rundschau» hatte Syla im Kanton Solothurn Sozialhilfe bezogen. Er soll dieses Geld in den Aufbau seiner Mafia-Gang in seiner Heimat investiert haben. Derzeit ist der 66-Jährige in kosovarischer Haft, im Sommer wird ihm der Prozess gemacht. Syla steht wegen Betrügereien mit Ländereien von serbischen Kriegsflüchtlingen vor Gericht.

«Die Staatsanwaltschaft Solothurn musste 2014 ein Verfahren gegen Syla wegen Sozialhilfemissbrauchs einstellen, weil sie ihm keine Vermögenswerte in Kosovo nachweisen konnte», hält das Nachrichtenmagazin von SRF, das seinen Beitrag heute Mittwochabend ausstrahlt, fest. In der Anklageschrift der europäischen Rechtsstaatsmission Eulex steht allerdings, dass der Beschuldigte 450'000 Euro (rund 488'000 Franken) kumuliert hätte, die er vom Schweizer Sozialsystem erhalten habe. «Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurden diese Mittel verwendet, um die Aktivitäten seiner kriminellen Organisation in Kosovo zu finanzieren.»

Kriminelle Methoden

Die Ermittler von Eulex halten fest, dass Syla seine Konten über einen Strohmann verwaltet haben soll. Es sei eigenartig, dass eine derart einflussreiche Person in der Schweiz als psychisch krank anerkannt worden sei.

Gemäss der «Rundschau» habe sich der Journalist Vehbi Kajtazi mit seinen Artikeln über Syla in Gefahr gebracht. «Mit dem Geld aus der Schweiz hat die Gruppe ihren Einfluss vergrössert. Sie hat sich mit kriminellen Methoden bereichert, Dokumente gefälscht, Mitarbeiter der Gerichtsbehörden bestochen.» Kajtazi glaubt, dass Sylas Bande mit Betrügereien rund 30 Millionen Euro (circa 32,55 Millionen Franken) kassiert hat.

In der «Rundschau» wird auch ein Augenzeuge zu Wort kommen – anonym, weil er seit seiner Aussage gegenüber den Behörden um sein Leben fürchtet. Syla habe eine grosse Autorität. Die Leute hätten Angst vor ihm, sie würden ihn aber auch respektieren. Der ehemalige Militär habe stets darauf geachtet, dass sein Name sauber bleibe.

Sylas Anwalt Besnik Berisha sieht seinen Mandanten in einem anderen Licht. «Die Leute, die bis jetzt gegen Herrn Syla ausgesagt haben, sind keine glaubwürdigen Personen.» Syla musste vor fünf Jahren die Schweiz verlassen, nachdem er vor dem Bundesgericht in Lausanne abgeblitzt war.

Der Beitrag ist heute in der «Rundschau» auf SRF 1 zu sehen (20:55 Uhr).

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch