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Schweizer Gurken enden als Dünger

Trotz der Ehec-Entwarnung für Schweizer Gemüse erleiden die hiesigen Produzenten erhebliche Umsatzeinbussen. Die unverkauften Gurken werden nun anderweitig verwendet.

In der Schweiz leiden vor allem die Gemüseproduzenten unter der Ehec-Krise. Allen Entwarnungen zum Trotz bleiben Schweizer Gurken, aber auch anderes Gemüse, in den Regalen liegen.

Der Verkauf von Gurken sei in den letzten Tagen um die Hälfte eingebrochen, sagte Simone Kamber vom Schweizerischen Gemüseproduzentenverband auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Betroffen seien Bio-Gurken ebenso wie konventionell angebaute Produkte. «Auch anderes Gemüse, beispielsweise Tomaten, wird weniger verkauft».

Welche Einbussen die rund zwei Dutzend Gurken-Grossproduzenten und die zahlreichen Kleinbetriebe verkraften müssen, lässt sich laut Kamber noch nicht beziffern. Der Gemüseproduzentenverband erwägt aber bereits, staatliche Unterstützung zur Bewältigung dieser Krise zu beantragen.

Strom statt Salat

Immerhin landen die hunderttausenden von unverkäuflichen Gurken, die derzeit in den Kühllagern liegen, nicht auf der Deponie: Teils würden sie als Gründünger auf den Feldern ausgebracht, teils in Biogasanlagen zur Stromproduktion verwendet, sagte Kamber.

Für die Bauern ist die Angst der Konsumentinnen und Konsumenten um so bitterer, als das Bundesamt für Gesundheit (BAG) längst Entwarnung gegeben hat. Schweizer Gemüse könne bedenkenlos gegessen werden, bestätigte Michael Beer, Leiter der Abteilung Lebensmittelsicherheit im BAG.

Zwar sei noch unklar, wie das Darmbakterium verbreitet werde. Weil sich aber alle drei Schweizer EHEC-Patienten in Deutschland angesteckt haben, gehen die Behörden davon aus, dass es in der Schweiz keine Erreger-Quelle gibt. Der Ursprung des EHEC-Bakteriums bleibt aber nach wie vor ungeklärt.

Gefährlicher Mutant

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Seltenheit Erregers bestätigt. Offenbar handelt es sich um eine Art Hybrid-Klon, der Eigenschaften unterschiedlicher Erreger in sich vereint. Wissenschaftler haben inzwischen das Erbgut des Bakteriums entschlüsselt und hoffen, im Lauf der nächsten Woche erste Ergebnisse auf der Suche nach einer Therapie präsentieren zu können.

Währenddessen grassiert der Erreger weiter, vor allem in Deutschland. Die Schweiz hat inzwischen drei bestätige Fälle, die nach Angaben des BAG aber ohne Komplikationen verlaufen.

In Deutschland sind schon rund 1500 Menschen erkrankt, 520 von ihnen leiden am sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), das zu akutem Nierenversagen führen kann. Die Zahl der Todesopfer in Deutschland stieg auf 18. In Mecklenburg-Vorpommern ist am Freitag eine 80-jährige Patientin aus Thüringen gestorben. Ein weiteres Todesopfer gibt es in Schweden.

Patientin in Heidelberg nicht mit Ehec infiziert

Eine am Mittwoch im Uniklinikum Heidelberg gestorbene HUS-Patientin war vermutlich nicht mit Ehec infiziert. Die bisherigen Untersuchungen sprächen dafür, dass die 55-Jährige an einem sporadischen Fall von Nierenversagen gestorben sei, sagte die baden-württembergische Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) in Stuttgart. Weitere Untersuchungen auf Viren, die als mögliche Ursache für HUS ebenfalls in Betracht kämen, seien noch nicht abgeschlossen.

SDA/kpn

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