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Schweizer Botschaft platzte aus allen Nähten

Das hat es noch nie gegeben: Alle Berliner waren heute in die Schweizer Botschaft eingeladen. Tausende haben das Angebot angenommen. Auf dem Rütli ging die Feier mit dem Mister Schweiz ruhiger über die Bühne.

Diplomatie als Balanceakt: Seiltänzer David Dimitri auf dem Hochseil bei der Schweizerischen Botschaft in Berlin.
Diplomatie als Balanceakt: Seiltänzer David Dimitri auf dem Hochseil bei der Schweizerischen Botschaft in Berlin.
Keystone
Jan Bühlmann, amtierender Mister Schweiz, spricht am 1. August 2010 auf dem Rütli.
Jan Bühlmann, amtierender Mister Schweiz, spricht am 1. August 2010 auf dem Rütli.
Keystone
Lockte 120'000 Zuschauer an: Feuerwerk in Basel am Samstagabend.
Lockte 120'000 Zuschauer an: Feuerwerk in Basel am Samstagabend.
Keystone
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Bis zu 90 Minuten betrug die Wartezeit am Nachmittag vor dem historischen Gebäude mit dem modernen Anbau zwischen Hauptbahnhof und Kanzleramt in Berlin. Insgesamt sind zum ersten Tag der offenen Tür in die Schweizer Botschaft etwa 3500 Besucher gekommen. In früheren Jahren hatte das Fest zum Nationalfeiertag ausserhalb der Botschaft stattgefunden.

«Eigentlich war das Fest ja für Familien mit kleinen Kindern gedacht, aber es sind auch sehr viele ältere Besucher gekommen», sagte Sprecherin Gabriella Imperialli. Die Kinder wurden denn auch bevorzugt eingelassen. Eltern mit Kinderwagen erhielten gesonderten Eintritt.

Einblick in die diplomatische Arbeit

Im Inneren der Botschaft gaben die Mitarbeiter den kleinen Gästen in sechs Stationen einen Einblick in die diplomatische Arbeit. «Was macht eigentlich ein Botschafter?» Diese Frage beantwortete der Hausherr Tim Guldimann höchstpersönlich.

Ausserdem erhielten die Kinder einen Schweizer «Diplomatenausweis» und Schweizer-Deutsch lernen. «Gigele» heisst zum Beispiel «lachen», freute sich ein langhaariges Mädchen mit roter Farbe im Gesicht und beschäftigte sich dann mit den «Eigenheiten von diplomatischen Festessen».

Typisch Schweiz

Wesentlich bodenständiger ging es im Garten der Botschaft zu. Dort warteten auf die Gäste typische Schweizer Produkte, wie Cervelat oder Rivella. Dazu gab es bei sonnigem Wetter ein vielseitiges Musikprogramm. Gekommen waren unter anderem das «Alphornquartett» und das «Schweizer Oktett» mit philharmonischer Volksmusik und zum Abschluss die 50 Mitglieder starke Bläsergruppe «Swiss Powerbrass Band».

Das Highlight für viele Besucher spielte sich aber über der Botschaft ab. In 30 Metern Höhe balancierte den gesamten Nachmittag der Hochseilartist David Dimitri. Immer wieder sorgte der Schweizer mit seinen waghalsigen Kunststücken auf dem Seil zwischen Botschaft und einem Kran für Staunen und Applaus unter den Besuchern.

Das Berliner Kinderradio «Radio Teddy» interviewte unter anderem die beiden Kinder des Botschafters Guldimann. Die beiden Mädchen waren für Guldimann auch die Ideengeber zum ersten Tag der offenen Tür in seinem Dienstsitz. «Kinder sehen die Welt mit anderen Augen», sagte der Schweizer Botschafter.

Mister Schweiz auf dem Rütli

In der Schweiz ist ungestört und bei Bilderbuchwetter die Bundesfeier auf dem Rütli, über die Bühne gegangen. 1200 Personen fanden sich ein, um die Rede von Mister Schweiz Jan Bühlmann zu hören. Er forderte die Anwesenden auf, mehr auf ihre Träume zu hören.

Jan Bühlmann las zuerst den Bundesbrief in drei Sprachen vor. Für ihn ein Dokument der Überzeugung, dass man mit gegenseitiger Unterstützung mehr erreicht. Die Gefahr sei allerdings, dass man einzelne Stimme, etwa jene der Kinder, übersehe.

Gerade deren Wünsche und Träume, so der amtierende Mister Schweiz, sollte man ernst nehmen. Viele Leute glaubten heute nicht mehr an ihre Träume. Es sei nötig, vermehrt auf sich selbst und seine Träume zu hören. Dazu brauche es Mut, Selbstsicherheit und Eigenständigkeit.

Zweierlei Mythen

Annemarie Huber-Hotz - Präsidentin der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG), die das Rütli verwaltet - nahm in ihrer Festrede die beiden Mythen-Berge auf der andern Seite des Sees als Anstoss, um über zwei Arten von Mythen nachzudenken.

Mythen setzten einerseits Ziele, forderten uns auf, uns über das Tagesgeschäft hinaus dem Wesentlichen zu verpflichten. Es gebe aber auch falsche Mythen, die uns vor allem in einem hehren Licht zeigen sollen. Solche falschen Mythen sind für Huber unter anderem das Bankgeheimnis, der Glaube an die Souveränität gegenüber der EU oder der sogenannte freie Markt.

In den letzten Jahren sei der Sonderfall Schweiz - «dieses Nischenprodukt der Weltgeschichte» - erschüttert worden. «Jetzt erfahren wir, dass sich dieses Nischenprodukt mit der sich ändernden Welt ebenfalls bewegen muss.»

Patriotismus neu erfinden

«Wir müssen den Patriotismus neu erfinden», forderte die SGG- Präsidentin. Patriotismus heisse nicht, einen als angenehm empfundenen Zustand à tout prix zu erhalten. Vielmehr gehe es darum, wach zu bleiben und fähig, sich in einer Welt voller Brüche und Umbrüche als verlässliches Mitglied der Völkergemeinschaft zu behaupten.

Patriotismus heisse, so die Rednerin, den Teamgeist in unserem Land pflegen; alle, die sich für dieses Land einsetzen, auch an seiner Gestaltung mitwirken zu lassen. Und es heisse schliesslich, freiwillig mehr zu leisten, als die Pflicht es verlangt.

Umrahmt wurde die Feier durch die Musikgesellschaft Brunnen, mit Tell-Liedern von Liedermacher Linard Bardill samt Orchester und Kinderchor, mit Alphornklängen und Fahnenschwingen. Zum Schluss wurde gemeinsam die Nationalhymne gesungen.

SDA/bru

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