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Schweizer Bischöfe versuchen, Gläubige zu beruhigen

Der Fall Williamson zeigt: Benedikt XVI. bringt die Schweizer Bischöfe in die Zwickmühle. Auch wenn viele Katholiken gegen den Vatikan Sturm laufen, müssen sich die Bischöfe vor den Papst stellen.

Vor den Kopf gestossen: Viele Katholiken verstehen das Vorgehen des Papstes im Fall Williamson nicht.
Vor den Kopf gestossen: Viele Katholiken verstehen das Vorgehen des Papstes im Fall Williamson nicht.
Keystone

Nach tagelanger Kritik hat Papst Benedikt XVI. nachgegeben: Er fordert vom Holocaust-Leugner Richard Williamson, sich von seinen Aussagen zum Holocaust zu distanzieren. Sonst werde ihn die Kirche nicht voll aufnehmen. Damit bliebe der umstrittene Bischof vom kirchlichen Dienst suspendiert.

Williamson hatte in einem Interview gesagt, dass während des Dritten Reichs kein einziger Mensch vergast worden sei. Die Antwort des ultrakonservativen Lefebvre-Anhängers auf die Forderung aus Rom steht allerdings noch aus. Auch wenn Williamson dem Druck nachgeben sollte, ist der Schaden für die katholische Kirche gross genug – auch in der Schweiz. «Wir haben gehofft, dass der Papst eine Stellungsnahme abgibt», sagt Walter Müller, Sprecher der Schweizerischen Bischofskonferenz.

Grosser Druck

Es wurde auch Zeit: Der öffentliche Druck auf die Landeskirche ist in den letzten Tagen so gross geworden, dass sich die Bischöfe der Öffentlichkeit stellen wollen. «Wir überlegen uns zu kommunizieren», sagt Müller. Zwar hatte sich der oberste Bischof der Schweiz, Kurt Koch, bereits letzte Woche mit einem Brief an die Gläubigen gewandt. Vielen sei jedoch nicht klar, wo genau das Problem im Fall Williamson liege, so Müller.

«Robert Williamson ist noch nicht rehabilitiert. Wenn er sich nicht stark ändert, bleibt er vom Dienst suspendiert», betont Müller und wiederholt mehrmals, dass es in der Kirche keinen Platz für Holocaust-Leugner gebe. Mit der Aufhebung der Exkommunikation habe der Vatikan Williamson und seine drei Mitbrüder nur «in die Familienwohnung gelassen», um das Gespräch zu ermöglichen. Der umstrittene Bischof müsse sich aber klar zum zweiten Vatikanischen Konzil – zu Religionsfreiheit und der Anerkennung des Judentums – bekennen. Und: «Papst Benedikt XVI. ist ein Freund der Juden: Er hat Synagogen besucht und war in Ausschwitz.» Laut Vatikan hat der Papst nicht von den Ansichten Williamsons gewusst, als er dessen Exkommunikation zugestimmt habe.

«Kommunikationsproblem»

Für Müller ist das Ganze ein «Kommunikationsproblem». Die Katholische Landeskirche in der Schweiz kann sich nur wünschen, dass Rom aus den Fehlern lernt und das nächste Mal schneller reagiert.

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