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Schlimmer Verdacht – Berner Heiler steckte Patienten mit HIV an

Im Berner Inselspital haben sich Patienten gemeldet, die sich eine Aids-Infizierung nicht erklären konnten. Bis sie merkten, dass sie den gleichen Akupunkteur aufsuchten. Inzwischen sollen es 18 Fälle sein.

Im Juni 2004 meldet sich ein Patient im Inselspital, der sich - für ihn unerklärlich - mit HIV ansteckte. Im März 2005 stossen zwei weitere ähnlich gelagerte Fälle hinzu. Laut dem «SonntagsBlick» waren alle drei zuvor zur Behandlung beim gleichen Akupunkteur. Nachdem Ende 2006 wieder zwei neue Fälle auftauchen, veranlasst das Spital eine Untersuchung. Bei der Sichtung von alten Krankheitsgeschichten kommen weitere Fälle zum Vorschein. Insgesamt 18 HIV-Erkrankte können sich ihre Ansteckung nicht erklären, waren zuvor aber beim selben Therapeuten.

Wie Markus Hächler, Mediensprecher des Berner Inselspitals, gegenüber Redaktion Tamedia bestätigt, gehörten die Patienten nicht zu Risikogruppen: «Ein Mann hat erst beim Blutspenden von seiner Ansteckung erfahren.» Es sei den Ärzten zu verdanken, dass die Parallelen in den Krankheitsgeschichten entdeckt worden seien. Aus Datenschutzgründen konnte das Inselspital nicht direkt gegen den Akupunkteur vorgehen. «Wir haben deshalb die Patienten ermutigt, Strafanzeige einzureichen», erklärt Hächler. Zusätzlich übergab das Spital den Berner Untersuchungsbehörden eine anonymisierte Liste mit den 18 Fällen.

Unerklärliche Einstiche

Laut dem «SonntagsBlick» soll der Heiler zwischenzeitlich in Untersuchungshaft gesessen haben. Untersuchungsrichter Hermann Fleischhackl wollte dies gegenüber der Zeitung weder dementieren, noch bestätigen. «Ich kann aus Gründen des Amtsgeheimnisses keine Stellung nehmen.» Der Angeschuldigte selber streite gegenüber der Justiz alles ab: Er sei unschuldig, so in dem Bericht weiter.

Bleibt die Frage, wie die Ansteckung geschehen konnte. Allein mit Akupunktur scheint das unmöglich – die Heilmethode gilt beim Einhalten der Hygienevorschriften als unbedenklich. Die Betroffenen erzählen laut dem Bericht denn auch von einmaligen Einstichen oder Injektionen in Nacken, Schulter oder Rücken. Manche gaben laut «SonntagsBlick» zu Protokoll, sie hätten nach der Behandlung am Rücken einen roten Punkt entdeckt.

Neun Fälle vom gleichen Stamm

Noch dauern die Ermittlungen an, zu einer Anklage kam es bisher nicht. Die Zeitung will aber wissen, dass Untersuchungsrichter Fleischhackl neun Fälle beim Zürcher Viren-Spezialisten Jürg Schüpbach untersuchen liess und diese «laut gut informierten Quellen» allesamt von verwandten Virenstämmen stammen.

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