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Rappaz muss ein weiteres Jahr ins Gefängnis

Bernard Rappaz ist zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten unbedingt verurteilt worden. Unter anderem auch wegen Geldwäscherei. Der Hanfproduzent sitzt bereits eine längere Haftstrafe ab.

Muss noch länger im Gefängnis bleiben: Hanfproduzent Bernard Rappaz gestern vor dem Bezirksgericht in Martigny.
Muss noch länger im Gefängnis bleiben: Hanfproduzent Bernard Rappaz gestern vor dem Bezirksgericht in Martigny.
Keystone

Das Bezirksgericht in Martigny befand Bernard Rappaz der Geldwäscherei, des Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz, der Urkundenfälschung und weiterer Delikte für schuldig.

Freigesprochen wurde Rappaz lediglich in einem Punkt: Widerstand gegen die Staatsgewalt bei seiner Verhaftung. Als strafmildernd bezeichnete der Gerichtspräsident unter anderem den Umstand der Verhaftung Rappaz', bei der es rüde zu und her gegangen war.

Mit dem Strafmass von zwölf Monaten bliebt das Gericht weit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte eine Freiheitsstrafe von 28 Monaten gefordert. Sie hatte Rappaz vorgeworfen, Hanfprodukte im Wert von 1,3 Millionen Franken in Umlauf gebracht zu haben.

Rappaz rekkuriert

Staatsanwalt Jean-Pierre Gross erklärte sich mit dem Urteil dennoch relativ zufrieden. «Die Richter haben ihn in praktisch allen Punkten für schuldig befinden», sagte er. Ob er trotzdem gegen das Urteil Berufung einlegen wird, ist noch nicht klar. Er brauche noch etwas Zeit, sagte er.

Rappaz' Verteidiger Aba Neeman hingegen kündigte bereits Rekurs an. Zwar sei das Gericht seinen Ausführungen gefolgt, «aber nicht weit genug», sagte er. Trotzdem sieht er mit dem Urteil den Staatsanwalt desavouiert.

Neeman hatte sich vor Gericht gegen eine zusätzliche Freiheitsstrafe für seinen Mandanten ausgesprochen. Er besteht weiterhin darauf, dass alle Delikte zusammen hätten beurteilt werden müssen. Dann wäre das Strafmass bereits beim ersten Prozess ausgeschöpft gewesen, argumentierte er. Rappaz selbst nahm das Urteil regungslos zur Kenntnis.

Rappaz verbüsst seine Strafe in Crêtelongue

2006 war der Hanfbauer schon einmal wegen Geldwäscherei, schweren Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz und weiterer Delikte zu fünf Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Dabei ging es um Straftaten, die er zwischen 1996 und 2001 begangen hatte.

Zurzeit verbüsst der Hanfbauer seine Strafe in der Walliser Strafanstalt Crêtelongue. Nach dem Urteil vom Dienstag erhöht sich seine Freiheitsstrafe nun auf insgesamt sechs Jahre und acht Monate. Bisher hat Rappaz, der letztes Jahr mit einem Hungerstreik für Aufsehen gesorgt hatte, rund ein Jahr davon abgesessen.

Der Walliser Hanfproduzent hatte im vergangenen Jahr mit einem Hungerstreik national von sich reden gemacht. Am 20. März, am Tag, als er seine Strafe antreten musste, hörte er auf zu essen. Damit protestierte er gegen seine Freiheitsstrafe. Nach einer entsprechenden Aufforderung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte beendete Rappaz schliesslich am Heiligabend 2010 seinen Hungerstreik.

Mitangeklagter erhält Bewährungsstrafe

Rappaz stand in Martigny nicht alleine vor Gericht: Neben dem Hanfbauer war noch ein weiterer Mann angeklagt, der für ihn als Buchhalter gearbeitet hatte. Diesem war ebenfalls Geldwäscherei und Urkundenfälschung vorgeworfen worden. Der Buchhalter erhielt am Dienstag eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen.

Der Staatsanwalt hatte für den Angeklagten eine 12-monatige Freiheitsstrafe verlangt. Die Verteidigerin plädierte hingegen auf Freispruch. Sie argumentierte, der 2003 engagierte Buchhalter habe nicht gewusst, dass gegen seinen Chef eine Ermittlung laufe. Damit sei ihm auch nicht nachzuweisen, dass er willentlich betrogen habe.

SDA/bru

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