Rappaz' Ärzte: Zwangsernährung erhöht das Sterberisiko

Die Walliser Behördern fordern eine Zwangsernährung des im Hungerstreik stehenden Hanfbauern Bernard Rappaz. Seine Ärzte wollen der Anordnung nicht Folge leisten und ziehen vor Bundesgericht.

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Das Genfer Universitätsspital will den im Hungerstreik befindlichen Walliser Hanfbauern Bernard Rappaz nicht zwangsernähren. Die Ärzte wehren sich mit einer am Dienstag beim Bundesgericht eingereichten Beschwerde gegen eine entsprechende Anordnung der Walliser Behörden. Hans Wolff, der behandelnde Arzt von Bernard Rappaz, sagte am Dienstag vor den Medien in Genf, dass sich das Sterberisiko bei einer Zwangsernährung auf 60 Prozent erhöhe. Man müsste Rappaz mehrere Tage lang anbinden und ihn mit einer Sonde ernähren. Dabei könnte sich der Patient verletzen.

Rappaz in ein künstliches Koma zu versetzen, sei ebenfalls keine Lösung, weil ein Infektionsrisiko entstehen könnte. Wolff wollte am Dienstag keine Angaben über Rappaz' derzeitigen Gesundheitszustand machen. Die Anordnung des Walliser Kantonsgerichts sei juristisch problematisch, weil sie keine rechtliche Basis besitze, sagte zudem Michel Halpérin, der Anwalt von Wolff.

Erneutes Gesuch um Haftunterbruch eingereicht

Für Bernard Gruson, den Leiter des Genfer Universitätsspitals, ist die ganze Sache eine Frage des Respekts gegenüber dem Willens und der Würde des Patienten. Wolff habe die ganze Unterstützung der HUG-Leitung, sagte Gruson. Rappaz' Anwalt Aba Neeman bestätigte am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, dass er beim Walliser Sicherheitsdepartement ein erneutes Gesuch um Haftunterbruch für seinen Mandanten gefaxt habe.

Dies hatte er bereits nach der Ablehnung des Begnadigungsgesuchs durch das Walliser Kantonsparlament am vergangenen Donnerstag angekündigt. Er begründete das neue Gesuch damit, dass sich durch die Beschwerde der Genfer Ärzte die Ausgangslage geändert habe - eine Zwangsernährung sei unter diesen Umständen nicht möglich.

Freiheitsstrafe von fünf Jahren

Der 57-jährige Rappaz muss wegen schweren Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz und weiteren Delikten seit dem 22. März eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und acht Monaten verbüssen. Da er seiner Ansicht nach zu Unrecht zu einer so hohen Strafe verurteilt wurde, trat Rappaz in den Hungerstreik.

jak/sda

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