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Polizei fordert noch strengere Massnahmen gegen Hooligans

Fan-Züge mit Randalierern sollen nach Ansicht des Bundesamtes für Verkehr künftig geräumt werden können. Die Polizei applaudiert – und will im Kampf gegen Hooligans noch einen Schritt weiter gehen.

Es gibt weniger Eskalationen, aber mehr Gewalt: Fussballfan bei Ausschreitungen nach der «Finalissima» 2006 in Basel.
Es gibt weniger Eskalationen, aber mehr Gewalt: Fussballfan bei Ausschreitungen nach der «Finalissima» 2006 in Basel.
Keystone

Peter Füglistaler hat genug. «So kann es nicht weitergehen», sagte der Chef des Bundesamtes für Verkehr der «NZZ am Sonntag». So sollen Fan-Züge mit Randalierern gestoppt oder die Transportpflicht soll aufgehoben werden können.

Für seine Forderungen erhält Füglistaler Applaus. Beispielsweise von Karin Keller-Sutter, der Präsidentin der Konferenz der Justiz- und Polizeidirektoren KKJPD: «Es ist tatsächlich fragwürdig, ob die Transportpflicht auch die Pflicht mitbeinhaltet, Personen zu transportieren, die regelmässig grosse Sachschäden hinterlassen und die auch Kosten für Verspätungen auf dem übrigen Schienennetz zu verantworten haben.» Gestern hat der Vorstand der KKJPD seine Forderung nach Kombitickets erneuert. Demnach dürften bei Risikospielen nur noch Fans in den Gästesektor, die mit offiziellen Cars oder Zügen anreisten und zuvor nicht negativ auffielen.

Auf offene Ohren stossen Füglistalers Vorschläge jedoch besonders bei der Polizei. Es könne nicht sein, dass die Bevölkerung Schäden berappe, welche ein «paar Wahnsinnige» anrichten würden, sagt Max Hofmann, der Generalsekretär des Verbandes Schweizerischer Polizeibeamten. Die Räumung von Zügen hält er für technisch «durchführbar», gleichzeitig weist er aber daraufhin, dass der Kampf gegen den Hooliganismus die Korps schon jetzt stark fordert: «Die Polizisten stehen bei Einsätzen vor Fussballstadien oder Bahnhöfen unter grossem Druck.

Verletzte auf Bahnhöfen

Gemäss Hofmann seien weitere Massnahmen nötig, wie ein Alkoholverbot in den Stadien und die Möglichkeit, gewalttätige Fans nicht mehr nur 24, sondern 72 Stunden in Gewahrsam nehmen zu können. Hofmann verspricht sich davon eine präventive Wirkung. «Weiss ein gewaltbereiter Fan, dass er vielleicht erst drei Tage nach dem Spiel wieder in Freiheit kommt, wird er sich eine mögliche Tat doppelt überlegen.» SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler, die selber Polizistin ist, hat im Parlament einen entsprechenden Vorstoss eingereicht – allerdings auch mit Blick auf Randalierer bei politischen Demonstrationen.

Der Fussballverband, die Klubs, aber auch Vertreter der Fan-Arbeit begegnen der neuen Welle von strengen Massnahmen kritisch. Sie weisen darauf hin, dass entgegen anderslautenden Berichten die Sachbeschädigungen in der Vorrunde der letzten Saison um 25 Prozent zurückgingen, und dies, obwohl die SBB 20 Prozent mehr Extrazüge einsetzten.

Die SBB bestätigen diese Zahlen, wollen daraus aber keinen generellen Trend ableiten. So seien in der Rückrunde wieder massiv mehr Gegenstände aus Zügen geworfen worden, sagt Konzernsprecher Reto Kormann. Den SBB entstünden bei Fussballtransporten ungedeckte Kosten von jährlich drei Millionen Franken. Besonders krass waren Vorfälle vor dem Cupfinal, als Sion-Fans Passagiere beim Bahnhof Lausanne mit Wurfgegenständen verletzten; oder die Attacke von YB-Anhängern, die nach dem Derby gegen Thun einen Zug mit Flaschen und Steinen bewarfen und dabei Verletzte in Kauf nahmen.

Immer mehr Frauen im Stadion

Trotz dieser Vorfälle sagt Thomas Gander, Geschäftsführer von Fanarbeit Schweiz, werde die Debatte derzeit einseitig an spektakulären Ausreissern geführt: «Der Fussballfan ist zu einer Profilierungsfläche für einfache Lösungen geworden.» Dabei gehe vergessen, dass über zwei Millionen Zuschauer – so viele wie noch nie – die Spiele in der vergangenen Saison in den Stadien verfolgt hätten.

«Wenn der Hooliganismus ein derart grosses Problem wäre, wie nun suggeriert wird, dann würden nicht so viele Frauen und Familien in die Stadien gehen», sagt Gander. Es stimme nicht, dass der Fussball von Gewalt durchfressen sei. Dennoch ist für den Fan-Experten klar: Wenn es eine Eskalation gebe, dann sei heute sehr schnell sehr viel Gewalt im Spiel. «Auch wenn ein gewaltloser Fussball nie Realität war, sind wir gefordert, derartige Ausbrüche zu verhindern. Ich glaube aber, wir sind, trotz Rückschlägen, auf einem guten Weg.»

Offen gegenüber jedem Vorschlag, der zu einer «Verbesserung der heutigen Situation führt», sind auch die SBB. Sprecher Reto Kormann stellt jedoch klar, dass am Schluss nicht das SBB-Personal einen mit 700 Fans gefüllten Zug räumen könne. «Dass immer mehr Dritte, die zufällig an Bahnhöfen herumstehen, in Mitleidenschaft gezogen werden, macht uns Sorgen. Wenn es in Zürich-Altstetten oder Bern-Wankdorf Ausschreitungen gibt, dann hat das in unserem dicht befahrenen Netz Auswirkungen auf Tausende von Fahrgästen.»

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