Pierre Krähenbühl, Märchenonkel bei der UNO

Der Direktor des Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge ist ein skrupelloser Propagandist.

Präsentiert sich gerne als Ritter der Menschlichkeit. Pierre Krähenbühl, Direktor des UNO-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten.

Präsentiert sich gerne als Ritter der Menschlichkeit. Pierre Krähenbühl, Direktor des UNO-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten.

(Bild: Keystone)

Pierre Krähenbühl, Direktor des umstrittenen UNO-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), präsentiert sich gerne als Ritter der Menschlichkeit, als mitfühlender Chronist von Leid und Elend, Verzweiflung und Perspektivlosigkeit der Palästinenser. Hinter dieser Fassade einer inflationär behaupteten Humanität verbirgt sich jedoch ein skrupelloser Propagandist und emsiger Fundraiser, dessen oberste Priorität der Erhalt des UNRWA ist. Belege von antisemitischer Hetze prallen dabei genauso an ihm ab wie die nachweisliche Tatsache der Ineffizienz der mit 30 000 Mitarbeitern grössten UNO-Organisation.

Anlässlich der Jahrestagung des Aussendepartements (EDA) im Kurhaus Bern hatte ich Gelegenheit, «Mr. Humanity» in Aktion mitzuerleben. In einer Atmosphäre, die den Spendenaufrufen von christlichen Fernsehpredigern in nichts nachstand und in der die hoch besoldeten EDA-Funktionäre auf Kurs gebracht werden sollten, kam Krähenbühl mehrmals zu Wort und präsentierte medienwirksam seinen gut geschüttelten Cocktail aus Alarmismus, Auslassungen und Fremdbeschuldigungen, untermalt mit tränenrührigen Anekdoten.

Wie immer zelebrierte Krähenbühl sein Feindbild Israel. Um der einzigen pluralistischen Demokratie im Nahen Osten den Schwarzen Peter für die grösstenteils selbst verschuldeten Nöte der Palästinenser zuzuschieben, schreckt Krähenbühl auch vor Täter-Opfer Umkehr nicht zurück. Penetrant prangert er den Beschuss von israelischen Streitkräften auf Schulen des UNRWA während der Gaza-Krise 2014 an, seiner Ansicht nach alles unprovozierte Angriffe.

«Israel instrumentalisiert»

Der Gazastreifen ist teilweise dicht besiedelt (Gaza City, Beit Hanoun oder Khan Younis). Daneben gibt es aber unbewohnte Flächen, in denen während des besagten Gaza-Konflikts nicht gekämpft wurde. Die Hamas hatte dort keine Raketen oder Abschussrampen stationiert und auch keine Terrortunnel gegraben. Warum hat das UNRWA schutzbedürftige Zivilisten nicht dorthin evakuiert? Warum wurden die Zivilisten stattdessen in UNRWA-Schulen untergebracht, die sich in den am dichtest besiedelten Gegenden befinden, teilweise direkt neben den Raketenabschussrampen der Hamas?

Pernille Ironside, Chefin des «Unicef Gaza Field Office», gibt an der Pressekonferenz vom 21. August 2014 in New York eine verblüffende Antwort: «Israel versuchte die UNO in diesem Konflikt zu instrumentalisieren. Vor Militäreinsätzen gegen die palästinensische Zivilbevölkerung hätte die UNO die Evakuierung gewisser Gebäude und Viertel ermöglichen sollen. Die UNO weigerte sich aber, da mitzuspielen.» Das UNRWA hat sich demnach geweigert, den In­struktionen der israelischen Streitkräfte Folge zu leisten, die Gebäude und Gegenden, die angegriffen werden sollten, zu evakuieren, und ist verantwortlich für unzählige Tote.

Am 19. Juni 2015 lamentierte Krähenbühl im Blick: «Der Wiederaufbau von Gaza nach der jüngsten israelischen Militäroffensive im Sommer 2014 hat noch nicht begonnen. Es wurde kein einziges zerstörtes Haus wiederaufgebaut.» Abgesehen davon, dass Krähenbühl Israels Reaktion auf den kontinuierlichen Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen auf israelische Zivilisten zur «Militäroffensive» umdeutet, widerspricht er einer Pressemitteilung des UNRWA vom 3. Juni 2015: «Als Teil ihrer Verpflichtung, den Palästina-Flüchtlingen in Gaza zu dienen, hat das UNRWA 449 neugebaute Wohnungseinheiten in Khan Younis ausgewählten Flüchtlingsfamilien übergeben.» Dass Krähenbühl mit seiner Masche Erfolg hat, beweist das unkritische Blick-Interview vom 26. März mit dem Titel «Wir sind keine Antisemiten», geführt im Rahmen der EDA-Jahrestagung, in dem der Journalist Peter Hossli dem «Spitzendiplomaten im perfekt sitzenden Anzug» eine Plattform für dessen UNRWA-Propaganda bietet.

«Knallhart durchgreifen, bis zu Entlassungen» will Krähenbühl gegen den Antisemitismus von UNRWA-Angestellten. Gleichzeitig postet er auf Twitter Bilder des Jugendbotschafters des UNRWA, Mohhammad Assaf, Gewinner des arabischen Gesangswettbewerbs «Arab Idol», der in einem Skype-Interview auf die Frage eines israelischen Fans antwortete: «Ich spucke auf Israel.» Assaf veröffentlicht regelmässig Videos, die Gewalt gegen Juden verherrlichen, und will verhindern, dass seine Schwester Niveen ebenfalls Sängerin wird, da Frauen, die singen, gegen die «Bräuche und Traditionen Palästinas» verstossen. Entlassung? Fehlanzeige: «Assaf preist die Wichtigkeit, sich auf die Jugend und deren Bildung zu fokussieren. Dankbar für seinen Einsatz», zwitschert Krähenbühl.

Höhnisches Gelächter

Bereits anlässlich der Podiumsdiskussion im Rahmen des Fundraising-­Events des neu gegründeten «National Committee for UNRWA in Switzerland» in Zürich konnte ich Krähenbühl live erleben. Während der Publikumsdiskussion wurden israelkritischen Voten, etwa des ehemaligen Heks-Direktors Ueli Locher, frenetisch applaudiert.

Für ihn kam die unrechtmässige Einwanderungsbeschränkung für Juden in das Mandatsgebiet Palästina, die für den Tod Hunderttausender Juden in Europa verantwortlich war, «viel zu spät». Wer das UNRWA kritisierte, wurde niedergeschrien. Ein älterer jüdischer Mann, der auf die Versäumnisse des IKRK, für das Krähenbühl zwölf Jahre tätig war, gegenüber den europäischen Juden während des Zweiten Weltkriegs hinwies, wurde vom friedensbewegten Publikum mit höhnischem Gelächter bedacht. Krähenbühl liess sie gewähren.

Basler Zeitung

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