Ohne ein höheres Rentenalter geht es nicht

Ob es etwas bringt, erst mit 66 oder gar 67 Jahren in Pension zu gehen, hängt von der Entwicklung des Arbeitsmarktes ab.

Die AHV kann nur durch einen Mix aus Rentenaltererhöhung und Zusatz­einnahmen gesichert werden: Ein Taxichauffeur im Pensionsalter bei der Arbeit. <nobr>Foto: Christof Schürpf (Keystone)</nobr>

Die AHV kann nur durch einen Mix aus Rentenaltererhöhung und Zusatz­einnahmen gesichert werden: Ein Taxichauffeur im Pensionsalter bei der Arbeit. Foto: Christof Schürpf (Keystone)

Markus Brotschi@derbund

Bis 2045 erhöht sich das jährliche Defizit der AHV auf 12 Milliarden Franken. Und dies, selbst wenn das Rentenalter der Frauen auf 65 erhöht wird und zusätzliche Mehrwertsteuern von über 2 Milliarden Franken in die AHV fliessen, wie das der Bundesrat in der laufenden AHV-Reform plant.

Die düsteren Finanzprognosen lassen eine generelle Erhöhung des Rentenalters für Frauen wie für Männer als unausweichlich erscheinen. Dennoch wird schon die Reform des Bundes­rates in der Volksabstimmung kein Spaziergang werden, sondern ein Testlauf für die Akzeptanz von Rentenaltererhöhungen. Aus Angst vor einem Nein federt der Bundesrat das um ein Jahr höhere Rentenalter der Frauen ab, gewährt einer Übergangsgeneration erleichterte Bedingungen für die Frühpension mit 64 und erhöht die Renten für Geringverdienerinnen. Dies hat zur Folge, dass das zusätzliche Arbeitsjahr der Frauen die AHV unter dem Strich nur wenig entlastet.

Dieser Diskussion kann sich auch die Schweiz nicht entziehen.

Klar ist aber, dass die AHV-Renten der Babyboomer nicht allein mit Zusatzeinnahmen gesichert werden können. Denn dazu müsste die Mehrwertsteuer in den nächsten 25 Jahren um 3 Prozentpunkte erhöht werden. Deshalb kommt die Volksinitiative der Jungfreisinnigen wie gerufen. Sie wird in einigen Jahren die Debatte über eine generelle Rentenaltererhöhung eröffnen. Dieser Diskussion kann sich auch die Schweiz nicht entziehen.

Entscheidend dafür, ob ein höheres Rentenalter zum Ende des nächsten Jahrzehnts mehrheitsfähig sein wird, ist die Entwicklung des Arbeits­marktes. Nur wenn sich die Chancen der älteren Arbeitnehmer in den nächsten Jahren wesentlich ver­bessern und nicht wegen der Digita­lisierung noch verschlechtern, hat Rentenalter 66 oder gar 67 eine Chance. Die Arbeit­geber verweisen zu Recht darauf, dass die AHV nur durch einen Mix aus Rentenaltererhöhung und Zusatz­einnahmen gesichert werden kann. Es liegt nicht zuletzt an den Unternehmen, dass dieser Plan durch eine verstärkte Nachfrage nach älteren Arbeitskräften nicht in einer Volks­abstimmung scheitert.

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