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Ökonom sieht Schweizer Wirtschaft vor dem Einbruch

Die Schweizer Wirtschaft begrüsst die Schritte der Euro-Länder zur Eindämmung der Schuldenkrise. Bis der Euro es wieder mit dem Franken aufnehmen kann, dürfte es jedoch länger dauern.

Hält gar eine Rezession für möglich: Janwillem Acket, Chefökonom von Julius Bär.
Hält gar eine Rezession für möglich: Janwillem Acket, Chefökonom von Julius Bär.
Keystone

Die Schweizer Wirtschaft begrüsst die in Brüssel vereinbarten Massnahmen der 17 Euro-Länder zur Eindämmung der Schuldenkrise. Könne Europa die Euro-Krise nachhaltig meistern, werde sich der Schweizer Franken abschwächen. Die Märkte reagierten verhalten.

«Das Problem des starken Frankens steht und fällt mit der Fähigkeit der Euro-Staaten, die Schuldenkrise dauerhaft zu lösen», sagte Pascal Gentinetta, Direktor von Economiesuisse, Spitzenverband der Schweizer Wirtschaft, am Tag nach dem Euro-Krisengipfel in Brüssel.

Noch seien jedoch zahlreiche Details der Einigung in Brüssel offen. Entscheidend werde sein, dass die hoch verschuldeten Staaten Griechenland, Portugal und Irland ihre Sparprogamme umsetzten. Sollte es zu Verzögerungen kommen, werde die Unsicherheit rasch zurückkehren und die Frankenstärke dürfte sich wieder akzentuieren.

Franken bleibt überbewertet

Die Devisenmärkte reagierten am Freitag verhalten positiv auf die Ergebnisse des Krisengipfels in Brüssel. So gab der Franken zum Euro zunächst auf 1,18 Franken nach. Er schwächte sich damit um 3,5 Prozent gegenüber dem Tiefstand vor Wochenfrist von 1,14 Franken ab. Am Nachmittag notierte er wieder knapp über 1,17 Franken.

Gentinetta teilt die Meinung der Ökonomen, dass der Franken derzeit stark überbewertet ist. Sollten die Euro-Länder ihre Probleme nachhaltig in den Griff kriegen, sei zu erwarten, dass der Franken zum Euro wieder in eine Bandbreite zwischen 1,30 und 1,40 Franken zurückkehre, entsprechend der Kaufkraftparität.

Patienten auf der Intensivstation

Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, ist skeptisch, dass dieses Szenario in nächster Zeit eintrifft. Es werde Jahre dauern, bis die strukturellen Probleme in der Euro-Zone gelöst seien. Die drei Patienten Griechenland, Portugal und Irland lägen nach wie vor auf der Intensivstation.

Die Einigung in Brüssel verschaffe den Patienten zwar etwas Luft, indem die Therapie umgestellt worden sei. Die eher magere Abschächung des Frankens am Tag nach dem Krisengipfel zeige jedoch, dass die Grundprobleme nicht gelöst seien. Das Rückschlagrisiko für den Franken sei nunmehr etwas kleiner, bleibe aber bestehen.

Schweizer Wirtschaft vor einem Einbruch

Der starke Franken werde die Schweizer Wirtschaft in nächster Zeit markant bremsen, ist Acket überzeugt. Das Wachstumstempo dürfte sich bis 2012 halbieren. Sogar eine leichte Rezession in den ersten Monaten des kommenden Jahres sei nicht auszuschliessen.

Gentinetta ist weiterhin sehr besorgt, hofft jedoch auf eine Beruhigung der Lage. Das Interesse an stabilen Verhältnissen in Europa, dem mit Abstand wichtigsten Handelspartner der Schweiz, sei gross. Und der Ruf nach Interventionen des Staates dürfte mit einem schwächeren Franken abnehmen, sofern Europa seine Probleme löse.

Gewerkschaften sehen Handlungsbedarf

Dem widerspricht Paul Rechsteiner, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), vehement. Der Handlungsbedarf bleibe bestehen. Das Problem des starken Frankens sei nicht nur eine Folge der Schuldenkrise in Europa, sondern der exorbitanten Spekulation mit der Schweizer Währung. Hier gelte es den Hebel anzusetzen.

Bundesrat und Nationalbank hätten es in der Hand, das Ruder herumzureissen. Als Beispiel erwähnte Rechsteiner Negativzinsen auf Franken-Guthaben und Interventionen am Devisenmarkt. Es habe sich gezeigt, dass solch drastische Massnahmen den Wechselkurs bewegten. Die Gefahr der Inflation sei aktuell eher klein.

Rechtsteiner hält es für inakzeptabel, dass die Folgen des starken Frankens auf dem Buckel der Arbeitnehmer ausgetragen werden. Einige Arbeitgeber nutzten die Frankenstärke als billigen Vorwand, um die Arbeitszeit zu verlängern. Zu glauben, dass die Sorgen der Schweiz nach dem Krisengipfel in Brüssel kleiner werden, sei eine Illusion.

SDA/ami

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