Netzsperren verzögern sich

Die Blockaden gegen illegale Internet-Casinos funktionieren nur lückenhaft. Die Aufsichtsbehörden räumen nun technische Probleme ein.

Viele Websites illegaler Online-Casinos sind weiterhin erreichbar. Foto: Getty Images/iStockphoto

Viele Websites illegaler Online-Casinos sind weiterhin erreichbar. Foto: Getty Images/iStockphoto

Fabian Fellmann@fabian_fellmann

Der Start der ersten behördlichen Netzsperren ist missglückt: Über 100 illegale Casino-Seiten waren am Mittwoch aus der Schweiz problemlos erreichbar, obwohl die Aufsichtsbehörden sie blockieren liessen. Nun räumen sowohl die Behörden als auch die Internetanbieter Probleme ein. Die Provider hätten «unerwartete technische Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Zugangssperre vorgefunden», sagt Marjorie Perusset, Sprecherin der Eidgenössischen Spielbankenkommission.

Grosse Schweizer Internetanbieter bestätigen die Startschwierigkeiten. UPC-Sprecherin Stephanie Aline Niggli sagt, dass UPC auf einen technischen Fehler gestossen sei. Die Sperren seien deswegen zu Beginn noch nicht korrekt implementiert gewesen. Das Problem sei aber im Lauf des Tages behoben worden. Inzwischen greifen die Sperren bei UPC-Kunden – sowohl jene der Spielbankenkommission mit 39 Internetadressen (URL) als auch jene der Lotterieaufsicht Comlot mit 65 Einträgen.

Beim Bund selbst klappte es nicht

Bei Sunrise heisst es, der Konzern habe die Netzsperren umgesetzt und stehe dazu in regelmässigem Kontakt mit den Behörden. Trotzdem erweisen sich die Blockaden auch dort als lückenhaft. «Offenbar kann es in Einzelfällen und unter spezifischen Konstellationen dazukommen, dass auf gewisse URL während einer beschränkten Zeit noch zugegriffen werden kann», sagt Sprecher Rolf Ziebold. «Wir überprüfen dies und sperren den Zugang auch in diesen Fällen.»

Im Medienzentrum des Bundeshauses, dessen Internetanschlüsse vom Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) verwaltet werden und über Swisscom-Leitungen laufen, waren die ausländischen Online-Casinos am Mittwoch noch erreichbar. Das BIT teilte aber mit, es habe die Sperrlisten scharf geschaltet. Gemäss Swisscom seien anfänglich «einige wenige Seiten» nicht blockiert worden, dieser Fehler sei aber mittlerweile behoben worden, die Netzsperren funktionierten grundsätzlich.

Es kann noch Monate dauern

Die Spielbankenkommission weist zudem darauf hin, dass die Internetprovider noch rund drei Wochen Zeit haben, Einsprachen einzureichen. Obwohl die Anbieter die Netzsperren bereits umsetzen müssen, sind diese damit vorerst nur bedingt rechtskräftig. Zudem haben allfällige Einsprachen aufschiebende Wirkung. Mit anderen Worten: Bis es für die Provider wirklich ernst gilt, kann es noch Monate dauern. Bisher hat die Spielbankenkommission keine Einsprachen erhalten.

Internetanbieter, welche die Netzsperren nicht anwenden, riskieren keine Sanktionen – aber die verantwortlichen Personen durchaus. Das Geldspielgesetz sieht keine Strafen gegen säumige Provider vor, doch könnten die Aufsichtsbehörden laut Spielbankenkommission eine Strafanzeige wegen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung einreichen. Damit könnten Verantwortliche der Firma bestraft werden. 

Bald technisch veraltet

Unabhängig von den Startschwierigkeiten dürften die Netzsperren in der heutigen Form in den nächsten Monaten technisch überholt sein. Sie basieren darauf, dass die Schweizer Internetanbieter in den Telefonbüchern des Internets, DNS-Server genannt, die Einträge illegaler Online-Casinos umleiten auf eine Warnseite.

Verschiedene Internetbrowser werden aber in den nächsten Monaten standardmässig  neue Funktionen ausliefern, welche die Privatsphäre der Nutzer besser schützen sollen. Dazu gehört, dass sie öffentliche DNS-Server mit Verschlüsselung verwenden; diese Verschlüsselung wird die Umleitung auf Warnseiten verhindern. Dann werden die Netzsperren definitiv wirkungslos – bisher sind sie lediglich sehr einfach zu umgehen.

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