Mehr Besinnung, weniger Lärm

Im Interesse des Landes gilt es zu verhindern, dass man dereinst im 1. August wie Klein Hansli den Geburtstag von Staatsgründer Wilhelm Tell vermutet - Gedanken zum Bundesfeiertag.

(K)eine Notwenigkeit: «Nichts gegen eine Grillfete im Kreise der Familie, aber dafür braucht es keinen Nationalfeiertag.»

(K)eine Notwenigkeit: «Nichts gegen eine Grillfete im Kreise der Familie, aber dafür braucht es keinen Nationalfeiertag.»

(Bild: Keystone)

Thomas Gubler

Vielleicht geht es den weltlichen Feiertagen ja ähnlich wie den kirchlichen. Den Gottesdienst lässt man aus, aber schön, dass man nicht arbeiten muss. Ursprung und Sinn gehen zunehmend verloren beziehungsweise entschwinden aus dem Bewusstsein der Bevölkerung. Nichts gegen eine Grillfete im Kreise der Familie, aber dafür braucht es keinen Nationalfeiertag. Und dass die Gartenparty mit Unmengen von Privatfeuerwerk garniert wird, das die Luft belastet und die Tiere erschreckt, macht die Sache auch nicht besser. Kein Zweifel, seit der 1. August zum verfassungsmässig statuierten Feiertag geworden ist, hat er nicht an Bedeutung gewonnen.

Es beginnt damit, dass die meisten Gemeinden ihre Bundesfeiern – oder das, was davon übrig geblieben ist – am 31. Juli durchführen, damit die Festgemeinde am Tag darauf, am eigentlichen Nationalfeiertag, auch wirklich frei hat. Und es geht damit weiter, dass die traditionelle 1.-August-Rede regelrecht aus der Mode gerät.

Auch hierzulande nehmen immer weniger aktive Politikerinnen und Politiker die Mühe auf sich, zu ihrem Wahlvolk zu sprechen und sich diesem in ungezwungener Atmosphäre zu stellen. Selbst in einem Wahljahr wie diesem hält sich das Engagement in Grenzen. In die Bresche springen zwar Showstars, Kulturschaffende oder anderweitig Prominente. Das ist zwar verdienstvoll, möglicherweise aber nicht ganz im Sinne der Erfinder.

Einmal reflektieren

Es ist nämlich keineswegs so, dass Herr und Frau Schweizer am 1. August nicht auch ein bisschen Besinnung vertragen würden. Man muss ja nicht gleich das Rahmenabkommen mit der EU Kapitel für Kapitel durchgehen. Aber eine kurze Reflexion beispielsweise darüber, ob der britische Kampf um den Brexit wirklich unserem Land zwingend und unter allen Umständen zum Vorteil gereicht, oder darüber, ob nach einem für die Banken unvorteilhaften Bundesgerichtsurteil Frontalangriffe auf einzelne Richter eines Rechtsstaats wirklich würdig sind, würde ­vielleicht nicht schaden.

Eine säkularisierte Gesellschaft mag vielleicht die Bedeutung von Pfingsten oder Ostern nur mehr ansatzweise kennen. Im Interesse unseres Landes gilt es jedoch zu verhindern, dass man dereinst im 1. August wie Klein Hansli den Geburtstag von Staatsgründer Wilhelm Tell vermutet.

Basler Zeitung

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