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Lokführer überfuhren in diesem Jahr bereits 63 Rotlichter

In der Schweiz sind Züge, die Haltesignale überfahren, laut einem Bericht von «10vor10» recht zahlreich. Der Druck zur Pünktlichkeit ist hoch – das zeigt auch ein Brief der SBB an die Lokführer.

Oftmals dichte Signalisation: Rotlichter, hier am Hauptbahnhof in Frankfurt. (Archivbild Keystone)
Oftmals dichte Signalisation: Rotlichter, hier am Hauptbahnhof in Frankfurt. (Archivbild Keystone)
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Nach dem schweren Zugunglück am Montag im Kanton Waadt, wurde heute des Lokführers gedacht, der bei der Kollision ums Leben gekommen ist. Der Zusammenstoss ereignete sich vermutlich, weil der Lokführer des zweiten Zuges ein Rotlicht überfahren hatte. Wie die Sendung «10vor10» des Schweizer Fernsehens berichtet, sind solche sogenannten Signalfälle keine Seltenheit. Auf dem Schweizer Schienennetz wurden in diesem Jahr bis Ende Juli laut Bundesamt für Verkehr 63 rote Signale überfahren.

Das könne mehrere Gründe haben, sagt Silko Höppner, Verkehrsingenieur am Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme an der ETH Zürich. «Es kann sein, dass der Lokführer nicht aufpasst, aber es ist auch möglich dass der Bremsweg wegen Eisglätte oder Laub auf den Schienen länger wird und der Lokführer es nicht mehr schafft, vor dem roten Signal zum Stehen zu kommen.»

Lokführer erwähnen aber noch einen anderen Grund: Den Zeitdruck von Seiten der SBB. Urs Mächler, Präsident des Lokführer-Personalverbandes sagt gegenüber «10vor10»: «Manchmal spürt man schon den Druck, dass die Pünktlichkeit fast mehr Wert hat als gewisse andere Dinge. Man hat uns da vor kurzem eine Liste verteilt mit einigen Punkten: Man müsse auf den Zeigersprung abfahren, man müsse an einigen Orten schon bei Orange fahren, um die Zeiten einzuhalten.»

Brisanter SBB-Brief an die Lokführer

Tatsächlich zeigt ein internes Papier der SBB, dass die Lokführer dazu angehalten werden, sich zugunsten der Pünktlichkeit über die Regeln hinwegzusetzen. Unter dem Titel «Jede Sekunde zählt» empfehlen sie ihren Mitarbeitern unter anderem: «Bei der Abfahrt in Zürich Hardbrücke Richtung Zürich HB ist erwünscht, dass beim Erreichen der Abfahrtszeit der Abfahrtsprozess auch bei noch ‹Warnung› zeigenden Vorsignalen B1 bis B4 eingeleitet wird.»

Man sei überzeugt, dass so wertvolle Sekunden gespart werden können. Die SBB relativiert: «Wir wollen unsere Kundinnen und Kunden pünktlich ans Ziel bringen. Aber Sicherheit geht in jedem Fall vor; da macht die SBB keine Kompromisse.»

SBB: Weniger Fälle im ersten Halbjahr

Insgesamt wurden auf dem Schweizer Schienennetz laut Bundesamt für Verkehr bis Ende Juli 63 rote Signale überfahren. Wie viele dieser Vorfälle auf das SBB-Netz entfallen, ist unklar. Die SBB will die Zahlen zu diesem Zeitpunkt nicht kommunizieren, betont aber: «Im ersten Halbjahr 2013 ereigneten sich weniger Signalfälle als in der Vorjahresperiode. (...) Das ist für die SBB eine sehr positive Entwicklung bei einem Thema, das wir sehr ernst nehmen.»

Wesentlich tiefer wird die Zahl der überfahrenen Rotlichter laut Höppner sein, wenn dereinst das gesamte Bahnnetz der Schweiz mit dem modernen Zugsicherungssystem ETCS ausgerüstet ist. Das ist aber noch Zukunftsmusik: Die Umrüstung des Bahnnetzes ist kompliziert, aufwendig und teuer und wird noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

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