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Kräuter-Kick macht Kiffen Konkurrenz

Kräuterdrogen werden im Internet als Alternative zu Cannabis gepriesen. Die Azteken-Salbei hat sich dank Youtube sogar zum regelrechten Selbstläufer entwickelt.

Heisshunger, verzerrte Wahrnehmung, verzögerte Reaktionszeit – und die obligate «Scheibe»: Viele Kräuterdrogen wirken ähnlich wie Cannabis, sind aber in der Schweiz völlig legal. Das derzeit angesagteste Drogen-Kraut: Salvia divinorum (Azteken-Salbei) – zumindest was seine Präsenz auf Youtube anbelangt. Denn da wimmelt es von Videos, in denen Jugendliche ihren Salvia-Trip dokumentieren, kichern, lallen und sich auf dem Boden wälzen. Einige Clips verzeichnen über eine halbe Million Klicks.

Die meisten der über 5000 Videos stammen aus den USA. Die «New York Times» schrieb denn auch ausführlich über das «Jugend-Phänomen»: Von den 1,8 Millionen US-Amerikanern, die Salvia probierten, hätten dies 750'000 zwischen Februar und September 2008 getan. «Salvia nimmt dich aus der Welt und setzt dich an einen anderen Ort» wird ein Vertreiber und Konsument zitiert.

«Ich war eine Art Molekül»

Und auch auf Schweizer Homepages, auf denen man diverse Kräuter beziehen kann, finden sich zahlreiche Erfahrungsberichte: «Spice ist eine gute und vor allem legale Alternative zur verbotenen Droge Cannabis. Zu sagen ist allerdings, dass man von Spice nicht wirklich ‹high› wird, sondern eher ‹stoned›», schreibt ein Spice-Konsument. Und ein Salvia-Tester schreibt von seinem Rausch: «Nach einer Weile bekam ich ein neues Ich, ich war eine Art Molekül». Ein anderer: «Mich gab es nicht mehr, ich kannte die Realität nicht mehr, es gab sie nicht mehr!»

Schwappt der Kräuterdrogen-Trend also bald auch ganz in die Schweiz über? «Salvia ist bei der heutigen Jugend kein Thema», sagt Alexander Bücheli von der Jugendberatung Streetwork der Stadt Zürich. Natürlich könne man nicht ausschliessen, dass Jugendliche Salvia konsumieren, «doch von einer Zunahme oder gar einem Trend kann man nicht sprechen.» Bücheli kennt zumindest keine Fälle von regelmässigem Salvia-Konsum. Häufig bleibe es bei einem einmaligen Ausprobieren, zumal der Rausch heftig sei.

Er glaubt auch nicht, dass die Bio-Droge dank Youtube bei uns zum Renner werden könnte. «Es gibt Youtube-Videos über dies und jenes – wir müssen der Jugend auch vertrauen, dass sie nicht alles nachmacht», so Bücheli. «Nur weil etwas legal ist, wird es nicht gleich konsumiert.» Grundsätzlich handle es sich bei Salvia, was die Anzahl der Konsumenten betreffe, um eine marginale Droge und toxikologisch um keine sehr gefährliche Substanz.

Alternative zu Cannabis

«Wir gehen davon aus, dass der Konsum von Kräuterdrogen nicht sehr verbreitet ist», heisst es bei der Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme in Lausanne. Und auch beim Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum sind in den letzten Jahren praktisch keine Meldungen aufgrund von Salvia und Co. eingegangen. «Wir kennen Salvia als Cannabis-Alternative – jedoch nur aus der Literatur», sagt zudem Thilo Beck, Chefarzt der Arbeitsgemeinschaft für risikoarmen Umgang mit Drogen in Zürich. Eine Verbreitung der Droge hält er aber auch in der Schweiz durchaus für möglich. «Es kommen immer wieder neue, unbekannte Substanzen», erklärt Beck, «viele von ihnen landen nachträglich auf dem Index.»

Unterschätzen sollte man Kräuterdrogen aber auf keinen Fall. «Drogenkonsum birgt immer gewisse Risiken und ‹natürlich› bedeutet nicht zwangsläufig ‹ungefährlich›», sagt Alexander Bücheli. Er glaubt aber auch nicht, dass Salvia eine Alternative für Kiffer sein könnte: «Ein Cannabis-Konsument sucht eine spezifische Wirkung – es geht nicht um den Rausch um jeden Preis.»

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