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Kommentar: Schmid bleibt dabei

Jean-Martin Büttner über Samuel Schmids Talent, Probleme dumpf auszusitzen.

Sein Ehrgeiz ist weit stärker entwickelt als alle übrigen Eigenschaften, auf die es bei einem Spitzenpolitiker ankommt: Autorität, Konfliktbereitschaft, Kommunikationsgabe, Krisenfestigkeit. Was Samuel Schmid besser versteht, ist, seine Probleme dumpf auszusitzen. Damit hat der schwerfällige Berner seine ganze Karriere gesichert. Wann immer er versagte, schwieg er, blieb im Amt und stieg sogar weiter auf.

Seit einigen Monaten mehren sich die Belege, dass der Verteidigungsminister gegenüber Bundesrat und Parlament brisante Informationen über den neuen Armeechef unterschlagen hat. Er gab immer nur zu, was die Medien ihm nachweisen konnten. Und Schmid schweigt weiter beziehungsweise: Er schweigt beredt, wie seine gestrigen Ausführungen in den elektronischen Medien zeigten. Es tue ihm leid, kommentierte er die neusten Enthüllungen, er habe es vergessen, er sei auch nur ein Mensch.

Samuel Schmid konnte sich seine menschlichen Unzulänglichkeiten leisten, weil die übrigen Bundesratsparteien ihn schonten. Allerdings nicht aus Vertrauen in seine Führungsqualitäten, sondern aus Eigeninteresse. Um die Rückkehr eines parteikompatiblen SVP-Vertreters in den Bundesrat hinauszuzögern, liessen sie ihn gewähren oder redeten sein Versagen zur Bagatelle herunter. Hätten sich eine Bundesrätin Calmy-Rey oder ein Bundesrat Blocher solche Fehler geleistet: Man hätte sich mit schrillen Rücktrittsforderungen überboten.

Statt auch Samuel Schmid damit zu konfrontieren, murmelten Vertreter von CVP und FDP bisher Unverbindliches. Auch die Sozialdemokraten liessen offen, ob sie ihn noch als kommenden Bundespräsidenten wollen oder nicht.

Erst seit gestern multiplizieren sich die Reaktionen von Parlamentariern, die von Schmids Täuschungskaskaden genug haben. Da weder er noch seine Bundesratskollegen merken, dass er gehen muss, hat das Parlament jetzt das Nötige zu sagen. Hält es weiter still und wählt den Überforderten Ende Jahr zum Vizepräsidenten, dürfen sich die genannten Parteien nicht wundern, wenn die Wählerinnen und Wähler bei ihnen zur Abwahl schreiten.

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