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Kein Grillieren ohne Grillier-Verordnung

EU-Bürokraten legen im Regulierungswahn fest, dass man in Grillhandschuhen nicht zu sehr schwitzen darf. Und die Schweiz übernimmt die Regelung unkritisch.

Zertifizierte Handschuhe empfohlen. Bald gelten auch in der Schweiz die EU-Grillier- und Back-Paragrafen.
Zertifizierte Handschuhe empfohlen. Bald gelten auch in der Schweiz die EU-Grillier- und Back-Paragrafen.
Keystone

Wer je versucht hat, sein Velo selber zu flicken, statt es zum Mechaniker zu bringen, kennt die Kaskade, die vom laienhaften Versuch zur Katastrophe führt. Man greift – überzeugt, ein Problem mit wenigen Handgriffen lösen zu können – zum Schraubenzieher. Die Kettenschaltung muss justiert werden. Eine Umdrehung – die Schaltung leiert noch immer. Man dreht bald an dieser Schraube, bald an jener, aber es wird immer schlimmer. Jetzt klemmt es nicht nur hinten, sondern auch vorne, oben, unten. Am Ende ist das Velo zu Tode repariert.

Es ist das Drama des unbegabten Bastlers, das sich in solchen Fällen ­ma­ni­festiert: Mit jeder Drehung schraubt man sich tiefer ins Verderben.

Dasselbe gilt für die Arbeit des EU-Parlaments. Es hat, in der Meinung, etwas zur Feinjustierung des Alltags­lebens beitragen und den Bürger vor Gefahren schützen zu müssen, kürzlich die «Verordnung über persönliche Schutzausrüstungen» erlassen. Es sind Vorschriften für Fabrikanten, die Arbeitsschuhe, Strahlenschutz-­Kleidung, Schwimmwesten und ­ähnliche Sachen herstellen.

«Angemessene Isolierungskraft»

Man ahnt, dass dem EU-Parlament ein paar schlanke Paragrafen nicht ausgereicht haben. Es ging das Problem vielmehr von Grund auf an. Eine Drehung ergab die nächste, es drehte und drehte die Schraube der Regulierung immer tiefer und verstrickte sich dabei in immer mehr Details.

Das Parlament hielt zum Beispiel fest, es dürfe «die Nutzung von persönlichen Schutzausrüstungen nicht zu Handlungen führen, die den Nutzen gefährden könnten». Grosszügig bestimmte es, dass «für den privaten Gebrauch bestimmte Kleidung, auf der aus modischen Gründen reflektierende oder fluoreszierende Elemente ­angebracht sind», nicht unter die Verordnung fällt. Auch «Produkte, die als Schutz gegen extreme Witterungseinflüsse dienen», etwa «Regenschirme und Spülhandschuhe», sind von der Regelung ausgenommen.

Dinge jedoch, die «zur privaten Verwendung gegen Hitze» verwendet werden, fallen nach dem Willen der EU- Parlamentarier unter die neue Verordnung. Sie dürfen nur noch verkauft werden, wenn sie «angemessene thermische Isolierungskraft und mechanische Festigkeit» garantieren.

Dinge «zur privaten Verwendung gegen Hitze»? Eine deutsche EU-Parlamentarierin schaffte zum Glück Klarheit: «Stellen Sie sich einen Backofen vor, Betriebs­temperatur 100 bis 250 Grad. Wenn ich da einen Backhandschuh anhabe, der nicht heissluftabdichtend ist, verbrenne ich mir ordentlich die Finger.»

«Transpiration möglichst gering»

Grill- und Ofenhandschuhe unterliegen also in der EU bald einem Konformitäts-Test: Die Behörden müssen kontrollieren, ob Schutzhandschuhe halten, was sie versprechen. Das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), das ist das Erschütternd­ste in diesem bizarren Stück, plant nun, die EU-Grillier- und Backverordnung per 2018 in schweizerisches Recht, ins Bundesgesetz über Produktesicherheit, zu überführen.

Grund genug für die IG Freiheit um die Nationalräte Gregor Rutz (SVP, ZH), Gerhard Pfister (CPV, ZG) und Petra Gössi (FDP, SZ), der Seco-Chefin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch gestern Abend eine zweifelhafte Ehrung zuteil werden zu lassen. Sie überreichten ihr den «rostigen Paragrafen» – eine Auszeichnung «für das unnötigste Gesetz».

Schutzhandschuhe müssen übrigens laut EU-Verordnung so beschaffen sein, «dass die Transpiration während des Tragens möglichst gering» ist. Andernfalls sind sie «mit einer ­Ausrüstung zu versehen, die den Schweiss absorbiert».

Es ist das Drama der entfesselten Politiker, dass sie zu oft zum Schraubenzieher greifen, bis es hinten, vorne, oben und unten klemmt. Und die Dinge zu Tode geregelt sind.

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