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Kein Asyl, keine Ausschaffung – was dann?

Seit kurzem müssen Tibeter beweisen, dass sie Chinesen sind, um reelle Chancen auf Asyl zu haben. Wer das nicht kann, steht vor einer schwierigen Situation.

Felix Schindler
Müssen immer damit rechnen, verhaftet zu werden: Abgewiesene Asylbewerber in einer Notunterkunft in Lausanne.
Müssen immer damit rechnen, verhaftet zu werden: Abgewiesene Asylbewerber in einer Notunterkunft in Lausanne.
Laurent Gillieron

Ein Telefongespräch besiegelte sein Schicksal. Während rund einer Stunde beantwortete ein tibetischer Asylbewerber zahlreiche Fragen eines Experten der Fachstelle für Herkunftsabklärungen – zu wenig überzeugend. Der Experte kam zum Schluss, dass der Tibeter seine Lebensgeschichte erfunden hatte.

Der Mann hatte am 5. Juni 2011 in Kreuzlingen Asyl beantragt (TA vom 13.8.2014). Er habe als Hirte in Tibet gelebt und werde dort von der chinesischen Geheimpolizei verfolgt. Laut dem Expertenbericht ist der Mann tatsächlich Tibeter, hat aber höchstens zu Beginn seines Lebens in China gelebt und wurde schliesslich im Exil sozialisiert. Nach dem verhängnisvollen Gutachten kämpfte der Mann während dreier Jahre über alle Instanzen um Asyl. Seit einem kürzlich publizierten Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts ist klar, dass sich der Mann in einer vertrackten Lage befindet: Eine Ausschaffung nach China ist nicht möglich, weil ihm dort Folter oder unmenschliche Behandlung drohen; nach Indien oder Nepal geschickt werden kann er nicht, weil er behauptet, er komme aus China; Asyl erhält er nicht, weil die Schweiz ihm nicht glaubt, dass er aus China kommt.

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