Zum Hauptinhalt springen

«Jetzt kann ich reden»

Rachid Hamdani beobachtet die Aufstände gegen Muammar al-Ghadhafi mit Genugtuung. Die ehemalige Schweizer Libyen-Geisel hofft nun auf Gerechtigkeit – nicht nur für das libysche Volk, sondern auch für ihn.

Die Revolte in Libyen ist für ihn eine Erleichterung: Rachid Hamdani.
Die Revolte in Libyen ist für ihn eine Erleichterung: Rachid Hamdani.
Keystone

Eigentlich wollte Rachid Hamdani nur für drei Tage geschäftlich nach Tripolis. Doch daraus wurden 19 Monate. Und was er dort erlebte, muss ihn so mitgenommen haben, dass er auch nach seiner Rückkehr am 24. Februar 2010 nur zurückhaltend darüber sprach. Offenbar getraute er sich bisher nicht, frei über seine Erlebnisse zu sprechen – aus Angst vor dem langen Arm Ghadhafis.

Doch nun ist alles anders. «Jetzt kann ich reden», sagte die einstige Libyen-Geisel gestern in der «Rundschau». Die Revolte gegen Libyens Machthaber kommt für ihn überraschend. Und sie ist für den Westschweizer fast ebenso eine Befreiung wie für das libysche Volk. «Solange dieses Regime existierte, fühlte ich mich nicht in Sicherheit, auch wenn ich in der Schweiz war», sagt der Geschäftsmann. Ghadhafi hatte ihn zusammen mit Max Göldi als Geisel in Libyen zurückbehalten – aus Rache wegen der Verhaftung von Sohn Hannibal in Genf und wegen der Publikation der Polizeibilder in der Zeitung «Tribune de Genève». Leidensgenosse Göldi blieb vier Monate länger in Ghadhafis Hand als Hamdani.

«Ich verstehe nicht, dass die Welt zuschaut»

Hamdani nutzte das Interview mit der «Rundschau», um mit Ghadhafi und seinem Regime abzurechnen. «Ich warte auf den Tag, an dem man den Fall vor den Richter bringen kann und feststellt, welche Ungerechtigkeit mir zugestossen ist», sagte er. Der Westschweizer begrüsst damit die Forderung von Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey, die das libysche Regime wegen der Entführung von Max Göldi und Rachid Hamdani vor Gericht bringen will. Allerdings, so findet Hamdani, sollte sich das Verfahren nicht nur auf den libyschen Machthaber beschränken. «Es war nicht Ghadhafi, der mich ergriffen und misshandelt hat», sagt der Romand. «Er war jener, der es diktierte. Aber man sollte nicht nur ihn angreifen, sondern die ganze Regierung.»

Ebenso hofft Hamdani auf ein starkes Zeichen des Westens, der sich nun hinter die Aufständischen stellen soll. «Ich verstehe nicht, wie die Welt jetzt zuschauen kann, ohne einzugreifen.» Das libysche Volk, so seine Meinung, dürfe man jetzt nicht alleine lassen. Offenbar fühlte auch er sich nach seiner Rückkehr in die Schweiz alleine: «Ich kam nach Hause, und dann hat man mich vergessen. Und nun lebe ich mit der Ungerechtigkeit, die mir widerfahren ist, allein.»

Hamdani nimmt Merz in Schutz

Trotzdem findet Hamdani für die Schweizer Politik nur lobende Worte. Wie schon früher nahm er in der Informationssendung des Schweizer Fernsehens den damaligen Bundespräsidenten Hans-Rudolf Merz in Schutz, der wegen seiner öffentlichen Entschuldigung bei Ghadhafi von der Presse stark kritisiert worden war. «Das war nicht eine Entschuldigung von jemandem, der einen Fehler gemacht hat», stellte er in der Sendung klar. «Manchmal muss man die Sprache des anderen sprechen, um aus einer Sache rauszukommen.»

Auch Hamdani selber musste dies tun. Am Tag seiner Freilassung sei er gezwungen worden, im libyschen Fernsehen eine Erklärung abzugeben. Er musste bestätigen, dass er nicht misshandelt worden sei und die libysche Justiz ihre Arbeit gut gemacht habe. Ursprünglich hätte er auch sagen sollen, dass die Schweizer Regierung daran schuld ist, dass das Verfahren so lange dauerte. Doch dies hatte Hamdani verweigert. «Denn das war nicht wahr. Das würde ich nie sagen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch