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«Ich vertrete dieselben Werte wie Obama»

Ricardo Lumengo ist der erste und einzige dunkelhäutige Parlamentarier in der Schweiz. Den Triumph Obamas sieht er als Signal - auch für die Schweiz.

Herr Lumengo, Barack Obama wird neuer Präsident der USA. Was hat das bei Ihnen ausgelöst? Die Wahl war für mich sehr emotional. Ich hab die Entscheidung vor dem TV mit einigen Freunden verfolgt, die wie ich Obama-Anhänger sind. Es war gewaltig.

«Yes we can» schallt es nun durch ganz Amerika: Ist der Wahlslogan Obamas auch für Sie ein Signal? Auf jeden Fall. Ein Schwarzer wird Präsident der mächtigsten Nation der Welt. Das motiviert ungemein – und gibt uns Schwarzen das Bewusstsein, das wir wahrgenommen und nicht benachteiligt werden. Ich hoffe, dass wir künftig eher bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – und das in allen Bereichen des Staates und des öffentlichen Lebens.

Gilt das auch für die dunkelhäutige Minderheit in der Schweiz? Ich würde sagen, dass Obamas Triumph auf der ganzen Welt Auswirkungen haben wird – so auch in der Schweiz. Bleiben wir aber realistisch: Obama wird lediglich Präsident der USA. In der Politik Europas und der Schweiz ist vorerst kein Kursumschwung zu erwarten, besonders was Afrika und die Entwicklungshilfe betrifft.

Sie haben wie Obama eine klassische Tellerwäscher-Karriere absolviert. Gibt es weitere Parallelen zwischen Ihnen und Obama? Ja. Wir vertreten die selben Werte. Obama hat sich als Jurist und junger Politiker für junge und benachteiligte Menschen eingesetzt. Das tue ich auch.

Wäre aus Ihrer Sicht auch in der Schweiz ein dunkelhäutiger Bundesrat vorstellbar? Es wäre falsch, allzu enge Parallelen zwischen den USA und der Schweiz zu ziehen. In den USA wird der Präsident durch das Volk gewählt, in der Schweiz durch das Parlament. Hierzulande sind deshalb andere Fähigkeiten von Nöten: Wer Bundesrat werden will, muss vor allem viel Erfahrung im Politgeschäft mitbringen und über ein gutes Beziehungsnetz zu anderen Parlamentariern verfügen.

Würden Sie denn gerne Bundesrat werden? Nein. Ich fühle mich in meiner Rolle als Nationalrat sehr wohl. Denn ich habe die Freiheit zu sagen, was ich will. Ein Exekutivmitglied muss für die nationalen Interessen einstehen und kann nicht mehr zu seinen eigenen Überzeugungen stehen. Ich wünsche mir aber für die nächste Generation, dass man weiterführt, was ich hier begonnen habe – und es dann vielleicht ein Dunkelhäutiger in den Bundesrat schafft. Ich erachte das als legitimen Wunsch.

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