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«Ich hoffe, dass es gelingt, diese Schwachstelle zu beheben»

Das AKW Mühleberg wird morgen für Nachbesserungen für den Fall eines extremen Hochwassers abgeschaltet. Ein Atomkraft-Befürworter lobt den Entscheid. Manche Gegner sind besorgt – andere laden bereits zu einem Freudenfest.

Bedenken, nachdem ein Tsunami das japanische Atomkraftwerk Fukushima getroffen hat: Das AKW Mühleberg wird besser auf ein Hochwasser vorbereitet.
Bedenken, nachdem ein Tsunami das japanische Atomkraftwerk Fukushima getroffen hat: Das AKW Mühleberg wird besser auf ein Hochwasser vorbereitet.
Keystone

Die Abschaltung des Atomkraftwerks Mühleberg diene der «Sicherstellung der Kühlwasserentnahme», wie das Energieunternehmen BKW mitteilte. Das Unternehmen bearbeitet nach eigenen Angaben derzeit die zusätzlichen Sicherheitsanforderungen, welche das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi fordert.

Neue Erkenntnisse im Bereich der auf Extremsituationen ausgelegten Hochwasserszenarien hätten ergeben, dass bei bestimmten Ausnahmesituationen eine «Verstopfung des Einlaufbauwerks des Susan-Notstandsgebäudes durch das in der Aare erwartete Geschiebe» nicht ausgeschlossen werden könne, schreibt die BKW.

«Bewältigung eines 10'000 jährlichen Hochwassers»

Deshalb will die BKW eine «verstopfungssichere Wasserversorgung des Susan nach Eintreten eines Extremereignisses» gewährleisten. Ausserdem werde die Hochwassersicherheit des bestehenden Pumpenhauses verbessert.

Morgen wollen die Bernischen Kraftwerke «wie geplant den verlangten Nachweis für die Bewältigung eines 10'000 jährlichen Hochwassers erbringen». Der Nachweis basiere auf dem bestehenden Hilfskühlwassersystem und betrieblichen Massnahmen.

Fünf Wochen vor der planmässigen Revision

Um diese Massnahmen bis zum planmässigen Anfahren des AKW Mühleberg nach der bevorstehenden ordentlichen Jahresrevision verwirklichen zu können, muss die BKW das Atomkraftwerk bereits morgen vom Netz nehmen.

Das Kernkraftwerk wäre in fünf Wochen wegen der Jahresrevision sowieso abgeschaltet worden. Geplant ist, das Kraftwerk nach der ordentlichen Revision im September wieder ans Netz zu bringen.

SP-Nationalrat: Ein Schritt, der zu denken gibt

Unklar ist derzeit, warum die BKW nur einen Tag vor Abgabe eines Berichts an das Ensi von sich aus die Abschaltung anordnet, um Nachbesserungen an die Hand zu nehmen. Das Ensi selber braucht danach zwei Monate zur Prüfung aller Berichte über die fünf Reaktoren in der Schweiz.

Der Waadtländer SP-Nationalrat Roger Nordmann zeigt sich verwundert. «Die BKW geben jetzt zu, dass die Kühlung verstopft werden kann», so seine Einschätzung. Das habe man zwar schon immer gewusst, aber dass jetzt die BKW selber das zugeben, sei schon ein Schritt, der zu denken gebe.

Nordmann vermutet, dass die BKW mit der eigenen Initiative einer vom Ensi provisorisch angeordneten Abschaltung zuvorkommen wollen. In früheren Medienberichten war die Rede davon gewesen, dass eine Nachbesserung von Mühleberg einen dreistelligen Millionenbetrag kosten könnte. Ob dann ein Weiterbetrieb noch rentabel wäre, ist unklar.

Präventiver Schritt vor Entscheid des Ensi?

Diese Einschätzung teilt auch Eric Nussbaumer, Energiepolitiker der SP. «Morgen wäre das Ensi gekommen und hätte gesagt: Das müsst ihr machen», sagt er gegenüber Redaktion Tamedia, «ich glaube, das BKW versucht, die Zügel in der Hand zu behalten.» Dass dieser Schritt nun die endgültige Abschaltung von Mühleberg einleitet, glaubt Nussbaumer allerdings nicht. Die BKW werde versuchen, das Kraftwerk bis 2020 am Laufen zu halten.

Dass die Entscheidung so kurzfristig getroffen und offenbar unter Hochdruck kommuniziert wurde, findet der SP-Politiker beunruhigend. «Ich finde es ein erschreckendes Eingeständnis», sagt er, «nachdem vor Wochen noch gesagt worden war, dass die Sicherheit der Anlage gewährleistet ist.»

Büttiker stimmt dem BKW-Entscheid zu

Der Solothurner FDP-Ständerat Rolf Büttiker, der im Verwaltungsrat des Atomkraftwerks Leibstadt sitzt, weist auf Anfrage darauf hin, dass es sich um eine Mühleberg-spezifische Situation handele. Diese Anlage habe nur den nahe gelegenen Fluss als Kühlsystem, während andere Anlagen weiter Möglichkeiten hätten. «Ich begrüsse den Entscheid, dass man das nun vorzieht und die Frage des Kühlsystems klärt», so Büttiker, «und ich hoffe, dass es gelingt, diese Schwachstelle zu beheben.»

Derweil fordert der WWF Schweiz in einer schriftlichen Stellungnahme, dass Mühleberg erst wieder ans Netz solle, wenn sämtliche Mängel beseitigt und Verbesserungswünsche ausgeführt sind, die das Ensi in den letzten Jahren gewünscht hatte. Die BKW, so die Umweltorganisation weiter, stürzten sich nun auf die Kühlwasser-Entnahme, die aber nur eines in einer ganzen Reihe von Problemen seiehn. Auch die Risse im Kernmantel und alle weiteren Probleme müssten gelöst werden, damit auch unabhängige Experten das Kraftwerk als sicher erachten.

AKW-Gegner: Freudenfest am Donnerstag geplant

Unterdessen nimmt die Organisation AKW-ADA «hocherfreut von der für morgen geplanten vorübergehenden Abschaltung des AKW Mühleberg Kenntnis und wertet dies als Teilerfolg seines Engagements», wie es in einer Mitteilung heisst. Die BKW gestünden damit ein, dass sein Schrottreaktor seit 40 Jahren eine grosse Gefahr für die Bevölkerung in den Regionen Bern, Biel und Fribourg darstelle.

«Wir bezweifeln, dass mit den geplanten Massnahmen die Folgen eines Staudammbruchs bewältigt werden könnten», so die Atomkraftgegner weiter. Die AKW-ADE will in den nächsten Monaten weiter dafür kämpfen, dass das AKW Mühleberg im September nicht wie geplant wieder ans Netz geht, sondern für immer abgeschaltet bleibt. Für den Donnerstag hat die Gruppe zu einem Strassenfest in der Innenstadt eingeladen.

Es besteht Erklärungsbedarf. BKW will ab 11 Uhr in Bern an einer Medienkonferenz über die Lage informieren. Redaktion Tamedia berichtet live vor Ort.

SDA/cpm/rub/raa

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