«Ich bin froh, das gemacht zu haben»

Der frühere BaZ-Besitzer Tito Tettamanti äussert sich an einem Referat zur Zeitung.

«Die ‹Übung BaZ› ist gut gelungen.» Tito Tettamanti 2013 in seinem Büro in Castagnola.

«Die ‹Übung BaZ› ist gut gelungen.» Tito Tettamanti 2013 in seinem Büro in Castagnola.

(Bild: Remy Steinegger)

Alex Reichmuth

«Je älter ich werde, desto grösser scheint mein markwirtschaftlicher Wert zu sein», freute sich Tito Tettamanti zu Beginn seines Referats am Dienstagabend darüber, dass mehrere Hundert Zuhörer den Weg in den Hörsaal 1 der Universität Luzern gefunden hatten. «65 Jahre Erinnerungen» lautete der Titel des Referats des 87-jährigen Financiers. Im Nachhinein – genauer gesagt eine Nacht später – bekam insbesondere der Teil des Vortrags spezielle Bedeutung, in dem sich Tettamanti zur Schweizer Medienlandschaft allgemein und zur Basler Zeitung im Besonderen äusserte. Denn gestern wurde der Verkauf des Blatts an das Medienunternehmen Tamedia bekannt.

Tettamanti war es, der zusammen mit dem kürzlich verstorbenen Medienanwalt Martin Wagner 2010 die Basler Zeitung erwarb und wenige Monate später Markus Somm als neuen Chefredaktor einsetzte. Damit begann am Rheinknie die Zeit, in der die BaZ, je nach Standpunkt, den «Rechtskonservativen» als Kampfblatt diente oder die Meinungsvielfalt in der Zeitungslandschaft erweiterte.

Widerstand heftiger als erwartet

«Ich bin sehr froh, dass ich das gemacht habe», sagte Tettamanti am Dienstag rückblickend. Vor dem Kauf der Basler Zeitung durch Wagner und ihn sei diese ein Blatt gewesen, «das politisch so korrekt war, dass es die Linken in Basel befriedigte, aber auch so zahm, dass die Bürgerlichen sich nicht daran störten». Überrascht sei er vom Ausmass des Protests in der Stadt gegen den Kauf gewesen, so Tettamanti. «Wir wussten, dass es Widerstand geben wird. Aber er war zehnmal heftiger als erwartet.»

Besonders schlecht von der damaligen Zeit sei ihm in Erinnerung, dass er im November 2010 nicht wie geplant eine Rede an der Universität Basel habe halten können. Die Organisatoren des Anlasses hatten diesen kurzfristig abgesagt – mit der Begründung, man könne angesichts angekündigter Demonstrationen linker Kreise gegen die Basler Zeitung einen geordneten Verlauf nicht garantieren.

«Harter, kritischer Kurs»

Über diese Absage ist Tettamanti noch heute entsetzt. Dass man jemanden nicht zu Wort kommen lasse, weil er andere politische Standpunkte als die eigenen vertrete, gehe nicht: «Nicht wir sind wie behauptet Faschisten, sondern diejenigen, die andere nicht sprechen lassen.» Denn damit eine Demokratie funktioniere, müssten «alle Meinungen auftauchen», begründete Tettamanti seinen Kampf gegen medialen Einheitsbrei und Pressekonzentration. «Es gibt immer verschiedene Aspekte der Realität, darum ist es wichtig, alle vorhandenen Stimmen zu hören.» Das sei notwendig, «auch wenn sich viele darüber ärgern».

Wenn er die Basler Zeitung heute lese, falle ihm vieles positiv auf, lobte Tettamanti – insbesondere die «bemerkenswerten Artikel» von Chefredaktor Somm, aber auch die Kolumnen von Helmut Hubacher. «Ich bin fast zu oft einverstanden mit Hubacher», meinte Tettamanti mit einem Augenzwinkern zu den Beiträgen des SP-Doyens.

Dem «harten, kritischen Kurs» der Redaktion sei es zu verdanken, dass die BaZ auch ausserhalb der Region gelesen werde, etwa im Berner Bundeshaus. Man könne zudem vermuten, dass die publizistische Linie der BaZ hin und wieder auch eine indirekte Wirkung in der Medienlandschaft habe. «Wäre Eric Gujer auch dann neuer Chefredaktor der NZZ geworden, wenn es die Basler Zeitung nicht gegeben hätte?», fragte Tettamanti rhetorisch.

Hoffen auf Tamedia

Die Gerüchte über einen Verkauf der BaZ waren dem Financier zu Ohren gekommen. «In der heutigen Situation müssen Zeitungen Allianzen bilden können», sagte Tettamenti zu diesem Thema. «Leider hat das für die Basler Zeitung nicht geklappt.» Auf Anfrage betonte Tito Tettamanti gestern, zum Zeitpunkt seines Referats noch nicht vom Verkauf der Basler Zeitung an Tamedia gewusst zu haben. Seine Aussagen, die er am Vorabend gemacht habe, könne er aber bestätigen: «Die ‹Übung BaZ›, also eine neue, frische und hinterfragende Zeitung zu machen, ist gut gelungen – dank Markus Somm und vielen Journalisten», schreibt Tettamanti. Die Arbeit der Redaktion habe zu einer Bereicherung und zu mehr Vielfalt unter den Schweizer Printmedien geführt.

Leider sei es aber nicht genügend gelungen, «die Basler Einsamkeit zu sprengen» und in der ganzen Deutschschweiz Gehör zu finden, um die unabhängige Zukunft der Zeitung zu sichern.

Er hoffe darum sehr, dass Tamedia «die Eigenart der BaZ bewahren» werde, so Tettamenti.

Basler Zeitung

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