Zum Hauptinhalt springen

Höhere Alkoholpreise gegen nächtliche Exzesse

Das Nachtleben macht den Schweizer Städten zunehmend zu schaffen. Eine Studie zeigt: Verkaufsverbote und Patrouillen wirken am besten gegen Exzesse. In Bundesbern denkt man laut einem Bericht noch weiter.

Die Zürcher Stadtpolizei erarbeitet ein Konzept für die Einsätze von Donnerstag bis Sonntag: Bierdosen und Zigaretten liegen auf der Langstrasse in Zürich am Boden.
Die Zürcher Stadtpolizei erarbeitet ein Konzept für die Einsätze von Donnerstag bis Sonntag: Bierdosen und Zigaretten liegen auf der Langstrasse in Zürich am Boden.
Keystone

Laute Partys im öffentlichen Raum, wildes Urinieren und Gruppenbesäufnisse: Immer mehr haben die Schweizer Städte mit den Auswüchsen des Nachtlebens zu kämpfen. Nun setzen sie verstärkt auf Repression, wie die «NZZ am Sonntag» unter Berufung auf einen Bericht des Schweizerischen Städteverbands berichtet.

Das Papier enthält eine Reihe von Instrumenten zur Eindämmung der Auswirkungen des Nachtlebens. Den repressiven Massnahmen attestieren die Städte darin die grösste Wirkung. Wichtig ist laut dem Bericht, die jugendlichen Alkoholsünder aus der Anonymität zu holen. In St. Gallen beispielsweise müssen die Eltern ihre betrunkenen Kinder auf der Dienststelle abholen, wenn diese von der Polizei aufgegriffen wurden. In Winterthur haben die Behörden den sogenannten Elternbrief eingeführt. In beiden Städten sowie in Thun lassen Polizei und Sicherheitsdienste öfter patrouillieren.

Zürich plant Ausgangseinsätze

Auch in Zürich will man härter gegen Exzesse im Ausgang vorgehen. Im Fokus steht dabei die Gewalt. Der abtretende Kommandant der Stadtpolizei Zürich, Philipp Hotzenköcherle, sagt in einem Interview mit dem «Sonntag»: «Von Donnerstagabend bis Sonntagmorgen stehen unsere Leute praktisch im Dauereinsatz: Messerstechereien, Schlägereien, Alkoholexzesse. Deshalb erarbeiten wir zurzeit ein Konzept genau für diese Einsätze. Unser Anspruch ist es, die 30 zusätzlichen Einsatzkräfte in den Nächten der zweiten Wochenhälfte an Brennpunkten einzusetzen.»

Bei der Ausgangspolizei soll es sich jedoch nicht um eine Sondereinheit handeln. «Eine Sondereinheit, die nur von Donnerstag bis Sonntag arbeitet, wäre für die Mitarbeitenden zu belastend. Es braucht einen Turnus, sonst hält man das nicht aus. Wir sind daran, sämtliche Möglichkeiten zu prüfen, um die Sicherheit an den kritischen Abenden und Nächten zu verbessern», sagt er.

Detailhändler sollen Verantwortung übernehmen

Nun verlangen die Städte, dass auch der Alkoholverkauf ausserhalb ihres Einflussbereichs eingeschränkt wird. «Mein dringender Appell geht an den Detailhandel in den Bahnhöfen. Einige Läden wollen vor allem möglichst viel Alkohol verkaufen», sagt Reto Nause, Sicherheitsdirektor der Stadt Bern. Sie müssten ihre Verantwortung wahrnehmen und die Preispolitik ändern.

Was das bedeuten kann, zeigt ein Beispiel aus Luzern: Die Coop-Filiale nahm dort auf Druck der SBB das billigste Bier aus dem Sortiment. Zuerst gingen der Umsatz zurück – weil aber vermehrt andere Kundschaft in den Laden strömte, wurden die Einbussen wieder wettgemacht.

Erhöhung der Alkoholsteuer

Am Montag will der Städteverband seine Schlussfolgerungen aus dem Bericht vorstellen. Diese werden in die Diskussion auf Bundesebene über die neue Alkoholgesetzgebung einfliessen. Dabei steht eine generelle Erhöhung der Alkoholsteuern zur Debatte.

Die Preiserhöhung müsste allerdings erheblich sein, um präventiv zu wirken. Laut Kommissionspräsident Konrad Graber zeigt ein Gutachten, dass die momentan diskutierte Erhöhung um rund zehn Prozent nicht ausreichen würde. Ob sich die Wirtschaftskommission des Ständerats dafür entscheiden wird, ist offen; sie hat sich diese Woche erstmals mit dem Dossier befasst. Noch sind keine Vorentscheide gefallen, weshalb mit Überraschungen zu rechnen ist.

Während der Bundesrat etwa das Mindestalter für Bier und Wein bei 16 Jahren belassen will, könnte das Parlament entscheiden, die Limite generell auf 18 Jahre anzuheben. «In den Anhörungen der Kommission stand diese Idee durchaus zur Diskussion», sagt Graber.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch