Hälfte des Atomausstiegs ist geschafft

Eine Studie zeigt, dass bereits heute die Hälfte des Schweizer Strombedarfs mit erneuerbaren Energien abgedeckt werden könnte. Doch je mehr Import-Strom, desto weniger Sicherheit.

Es braucht mehr erneuerbare Energie aus der Schweiz: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Swissporarena auf der Allmend in Luzern. (2. September 2016)

Es braucht mehr erneuerbare Energie aus der Schweiz: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Swissporarena auf der Allmend in Luzern. (2. September 2016)

(Bild: Keystone Urs Flueeler)

Vor fünf Jahren hat der Bundesrat den Atomausstieg beschlossen. Seither haben Schweizer Kraftwerke zehn Milliarden Franken in Energiepärke investiert. Doch Gegner zweifeln, ob erneuerbare Energien innerhalb der Frist bis zum Ausstieg auch wirklich den Nuklearstrom ersetzen können.

Wie «10vor10»berichtet, soll jedoch bereits die Hälfte des Atomausstiegs geschafft sein. Wie eine Studie von «Energie Zukunft Schweiz» (EZS) zeige, produzieren Wind-, Solar- und Kleinwasser-Kraftwerke schon jetzt die Hälfte der Energie, welche die Schweizer Atomkraftwerke produzieren. Die Studie soll heute erscheinen.

«Sind auf Kurs»

Die Schweizer AKW produzieren rund 22 Terawattstunden (TWh) Strom pro Jahr. Neue Anlagen würden bereits knapp 10 TWh produzieren, schreibt die Organisation, die sich für den Ausbau erneuerbarer Energien einsetzt, in ihrem Bericht. Die in der Schweiz betriebenen Anlagen, die von der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) profitieren, erzeugen insgesamt fast 3,4 TWh erneuerbare Energie pro Jahr. Anlagen im Ausland liefern zusätzlich mehr als 6,5 TWh Strom pro Jahr. Zudem stünden Kraftwerke mit einer Kapazität für weitere 4 TWh kurz vor dem Bau. Die drei ältesten Atomkraftwerke Beznau 1 und 2 sowie Mühleberg wären demnach bereits ersetzt.

Diese Fakten überraschen. «Man hat die ganze Dynamik um die Energiewende unterschätzt. Viele Energieversorger, die auf konventionelle Energieproduktion gesetzt haben, stehen im Schilf und fahren viele Verluste ein», so Studienautor Aeneas Wanner zu «10vor10». Stefan Batzli von der Dachorganisation der Wirtschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz AEE Suisse zieht im «Blick» eine positive Bilanz. «Wir sind mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien auf Kurs, auch wenn im Inland viel mehr möglich wäre.»

Energie aus dem Ausland

Die guten Zahlen haben nämlich einen Haken: den Import. Viele der neuen Kraftwerke entstehen im Ausland. Dass im grossen Stil in Anlagen im Ausland investiert wird, liegt laut EZS in den dortigen Rahmenbedingungen begründet. So winken attraktive Vergütung, schnellerer Bauabwicklung, günstigerer Planung sowie – insbesondere bei der Windenergie – oft besser geeignete Standorte.

Ein grosser Teil der erneuerbaren Energie muss also importiert werden. Dies bedeutet für die Schweiz eine geringere Versorgungssicherheit. Dies betont auch das Bundesamt für Energie und schreibt, dass für eine sichere Stromversorgung der hier verfügbare Strom wichtig sei.

Wetter als Unsicherheit

Die Frage ist, wie unabhängig die Schweiz sein will. Gemäss Kurt Lanz von Economiesuisse würde die heutige Netzkapazität nicht ausreichen, um aus dem Ausland die für die Schweiz nötige Versorgung sicherzustellen. Eric Nussbaumer, Nationalrat SP/BL, widerspricht dieser Aussage in der SRF-Sendung. Aber auch er möchte nicht eine vollständige Abhängigkeit der Schweiz von importiertem Strom.

Abhängig bleibt die Schweiz bei den erneuerbaren Energien von Wind und Sonne. Weht zu wenig Wind oder scheint die Sonne nicht genügend Tage im Jahr, müsste die Schweiz Energie mit Braun- oder Steinkohle erzeugen oder von ausländischen AKW beziehen. «Diese wäre nicht die erwünschte Wende, sondern allenfalls eine Scheinwende», so Kurt Lanz. Die Lösung liege zum Beispiel in Pumpspeicherkraftwerken, entgegnet darauf Eric Nussbaumer.

foa/sda

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