Grosse Mehrheit der Schweizer rechnet mit sinkenden Renten

Für die Bevölkerung ist die Altervorsorge ein Sicherheitsrisiko. Eine Umverteilung lehnt sie gemäss einer neuen Umfrage klar ab.

Problem Altersvorsorge: Viele Schweizer fragen sich, ob sie ihren Lebensabend ohne finanzielle Sorgen geniessen können.

Problem Altersvorsorge: Viele Schweizer fragen sich, ob sie ihren Lebensabend ohne finanzielle Sorgen geniessen können.

(Bild: Keystone)

Fast drei Viertel der Schweizer Bevölkerung geht davon aus, dass das Rentenniveau in Zukunft sinken wird. Das hat eine Studie ergeben. In der Schweiz besteht demnach ein starkes Sicherheitsdefizit bezüglich der Altersvorsorge.

Davon gehen 51 Prozent von «eher sinkenden» und 22 Prozent von «deutlichen sinkenden» Renten in der Schweiz aus. Dies geht aus dem am Montag veröffentlichten «Sicherheitsmonitor» des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV) hervor. In dessen Auftrag befragte die Forschungsstelle sotomo in Zusammenarbeit mit der Militärakademie (Milak) an der ETH Zürich im April 1013 Personen zu ihren Sicherheitseinschätzungen.

Als Grund für die Prognose der sinkenden Renten geben drei Viertel der Befragten eine Finanzierungslücke in der AHV und Leistungsprobleme bei den Pensionskassen an. Eine grosse Mehrheit glaubt, dass der Reformstau in der Politik weiter anhält und folglich fehlende Einnahmen mit tieferen Renten kompensiert werden.

Allgemeinheit soll für Defizit aufkommen

Dass jüngere Versicherte das Pensionskassendefizit decken, ist für viele keine Lösung. Gerade einmal neun Prozent unterstützen die Möglichkeit der Umverteilung. «Die systemfremde Umverteilung, wie sie heute stattfindet, wird also kaum akzeptiert», liess sich Michael Hermann von sotomo in der Medienmitteilung zitieren.

Für das Defizit der Pensionskassen soll für viele die Allgemeinheit - etwa in Form von Mehrwertsteuerbeiträgen - aufkommen. Viele unterstützen auch die Angleichung des Frauenrentenalters an jenes der Männer.

Hoch im Kurs ist auch das Kapitaldeckungsverfahren der obligatorischen beruflichen Vorsorge in der zweiten Säule (BVG). Das Prinzip wird im Vergleich zur ersten Säule tendenziell als sicherer, nachhaltiger und effizienter eingeschätzt. Das Umlageverfahren der AHV wird dagegen häufiger mit der Fairness unter den Generationen in Verbindung gebracht.

Zweite Säule stärken

Insgesamt sind 38 Prozent der Befragten der Ansicht, dass die zweite Säule in Zukunft mehr Gewicht bei der Rentenfinanzierung haben soll. Nichtsdestotrotz stellt sich eine relativ grosse Mehrheit der befragten Personen gegen die Senkung des Umwandlungssatzes.

Die Studie zeigt, dass mit zunehmendem Alter der Wunsch nach einer frühzeitigen Pensionierung steigt. Anklang findet die Idee der schrittweisen Reduktion des Arbeitspensums. 37 Prozent der 56- bis 65 Jährigen sehen darin eine Möglichkeit, ihre Pensionierung aufzuschieben. Die Flexibilisierung des Rentenalters ist dagegen weniger beliebt.

Neben der Altersvorsorge hat der «SVV Sicherheitsmonitor 2019» weitere Themen bezüglich Sicherheit abgefragt. Am besten abgesichert sehen sich die Befragten bei der Wohnsituation und beim sozialen Umfeld.

Im Bezug auf die politische Grundordnung schneiden die direkte Demokratie und die Neutralität als wichtige Faktoren für die Befragten ab. Nur je ein Fünftel sieht hingegen die Prinzipien Föderalismus, Konkordanz und Miliz persönlich als wichtig an.

sda/red

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