«Gerhard Pfister erfüllt sehr viele Voraussetzungen»

Iwan Rickenbacher über den CVP-Präsidenten als Bundesrats-Kandidaten und einen überraschenden Einwand im Rennen um die Leuthard-Nachfolge.

«Gerhard Pfister erfüllt in der Tat sehr viele Voraussetzungen, die es für dieses Amt braucht»: Der ehemalige CVP-Generalsekretär Iwan Rickenbacher sieht den Parteipräsidenten trotzdem nicht als Kandidaten.

«Gerhard Pfister erfüllt in der Tat sehr viele Voraussetzungen, die es für dieses Amt braucht»: Der ehemalige CVP-Generalsekretär Iwan Rickenbacher sieht den Parteipräsidenten trotzdem nicht als Kandidaten.

(Bild: Keystone SIGI TISCHLER)

Fabian Renz@renzfabian01

Herr Rickenbacher, in der CVP fehlt derzeit ein Favorit für die Nachfolge von Bundesrätin Doris Leuthard. Als intimer Kenner der Partei und der Schweizer Politlandschaft ahnen Sie aber vielleicht, wer sich am Ende durchsetzen wird... Es wird bei der CVP ein Zweierticket mit mindestens einer Frau geben. Ich gehe davon aus, dass Viola Amherd in einer starken Position ist. Sie wird es wohl auf das Ticket schaffen. Wer dann aber die meisten Stimmen im Parlament erhält, ist schwer abzuschätzen.

Die Affäre um zu viel eingezogene Mietgelder wird Viola Amherd nicht schaden? Ich glaube nicht, dass dieser Mietstreit mit der Firma Alpiq eine entscheidende Rolle spielen wird. Da geht es ja nicht um etwas Kriminelles, sondern um zwei Parteien, die sich in einer Mietsache nicht einig sind.

Viele sähen gerne Parteichef Gerhard Pfister als Bundesrat. Wäre er der Beste? Gerhard Pfister erfüllt in der Tat sehr viele Voraussetzungen, die es für dieses Amt braucht: Mehrsprachigkeit, Mediengewandtheit, politische Berechenbarkeit, Vernetzung im Parlament und Anderes. Wie gut ein Bundesrat wird, weiss man aber erst nach seiner Wahl. Es gab Hoffnungsträger, die nach zwei oder drei Jahren zurücktraten, weil sie verbraucht waren. Andere sind im Amt in einer Weise gewachsen, wie man ihnen das nicht zugetraut hätte, SVP-Finanzminister Ueli Maurer zum Beispiel.

Pfister will bisher nicht Kandidat sein. Gehen Sie davon aus, dass er auf seinen Entscheid zurückkommt, wenn ihn genug Leute darum bitten? Nein, denn da der Zuger Peter Hegglin und die Urnerin Heidi Z’Graggen antreten wollen, kann Pfister keine Zentralschweizer Ansprüche als Grund vorbringen, um selber zu kandidieren. Er müsste seinen eigenen Leuten die Qualifikation für das Bundesratsamt absprechen. Damit würde er sich selber schaden. Ich gehe darum davon aus, dass Pfisters Entscheid gegen eine Kandidatur definitiv ist.

Sie wohnen im Kanton Schwyz. Finden Sie, es braucht wieder jemanden aus der Zentralschweiz im Bundesrat? In gewisser Weise haben wir das schon jetzt. Simonetta Sommaruga und Doris Leuthard sind beide im Freiamt aufgewachsen, das eher aus einem historischen Zufall heraus dem Kanton Aargau zugeschlagen wurde. Frau Sommaruga hat zudem hier in Schwyz, in Immensee, das Gymnasium besucht. Man muss sowieso realistisch bleiben: Bundesräte sind keine Lobbyisten für ihre Region. Der Berner Adolf Ogi hat erfolgreich für den Gotthard-Basistunnel gekämpft, nicht für den Lötschberg in seinem eigenen Kanton. Und im Aargau wurde keine einzige Poststelle weniger geschlossen, nur weil Doris Leuthard für das Post-Dossier zuständig war.

Video: Leuthards emotionale Rücktrittsrede

Die abtretende CVP-Bundesrätin kämpfte gegen die Tränen. (Tamedia-Webvideo, 27. September 2018)

Haben Sie also kein Verständnis für regionale Ansprüche? Es geht da vor allem um Emotionen. Für die Identifikation der Menschen mit der Institution Bundesrat kann es wichtig sein, dass sie dort jemand vertritt, der aus ihrer Gegend stammt. Sachlich bedeutsamer scheint mir aber, dass die Geberkantone aus dem Finanzausgleich im Bundesrat wieder stärker präsent sein sollten als heute.

Die Kantone, die mehr aus dem Finanzausgleich beziehen als in ihn einzahlen, haben in der Regierung zu viel Gewicht? Ja, die finanzstarken Kantone sind untervertreten. Sie werden nur durch den Waadtländer Guy Parmelin und den Zürcher Ueli Maurer repräsentiert. In der Zentralschweiz sind die Geberkantone mit Zug, Schwyz und Nidwalden stark vertreten.

Glauben Sie, die fehlende Repräsentanz hat den Gebern geschadet?
Die Geberkantone hatten im Bundesrat keinen übermässigen Support in den letzten Jahren. Natürlich sind aber die Interessen im Parlament viel manifester.

Das würde für den Zuger Peter Hegglin als Bundesrat sprechen. Ist er als Ständerat nicht zu leichtgewichtig geblieben? Er hat offenbar als Ständerat keine besondere Wirkung entfaltet, das mag stimmen. Dafür bringt er Erfahrung als Finanzdirektor mit – und vor allem auch eine Hausmacht im Parlament. Man darf nicht vergessen, dass er über enge Beziehungen zur Agrarwirtschaft verfügt, der bestorganisierten Gruppe im Parlament. Die übrigens als einzige Branche eigene Hearings mit den Bundesratskandidaten durchführt.

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