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Gedämpfte Freude über sprudelnde Anlagegewinne

Im vergangenen Jahr liess es sich an den Börsen gut verdienen. Auch in die Schatullen der Pensionskassen floss deshalb reichlich Geld. Doch die Probleme der Vorsorgeeinrichtungen werden damit nicht gelöst.

Ein gutes Jahr für Pensionskassen: Senioren sitzen am Ufer des Zürichsees.(7. April 2012)
Ein gutes Jahr für Pensionskassen: Senioren sitzen am Ufer des Zürichsees.(7. April 2012)
Keystone

Die Credit Suisse (CS) hat für die Schweizer Pensionskassen, deren Gelder sie verwahrt, für 2012 eine Anlagerendite von 7,21 Prozent errechnet. Ausser 2009, als die Erholung nach der Krise eine Rendite von über 10 Prozent brachte, hat es die letzten fünf Jahre keine solchen Zahlen mehr gegeben.

Swisscanto schätzt die Renditen konservativ auf 6,7 Prozent. Auch hält die Fondsgesellschaft der Kantonalbanken fest, dass die Unterschiede bei der Performance zwischen öffentlich- und privatrechtlichen Einrichtungen gering seien.

Der Pensionskassenverband ASIP schätzt die Rendite auf rund 7 Prozent. Die UBS beziffert die Rendite bei Kassen mit bis zu 300 Millionen Franken Vermögen auf 7,05 Prozent, bei jenen mit Vermögen bis zu einer Milliarde Franken auf 7,02 Prozent und bei den noch grösseren Einrichtungen auf 6,85 Prozent. Der Schnitt liegt bei 6,99 Prozent.

Anders als 2011, als die Kassen Verluste gemacht hatten, erwies sich 2012 als erfreuliches Anlagejahr. Die satten Renditen sind möglich geworden, weil viele Einrichtungen ihre Vermögen immer noch zu einem hohen Grad in Aktien halten. Die CS hat einen Anstieg der Aktienquoten um 0,6 Prozentpunkte auf 29,3 Prozent beobachtet. Diese Grössenordnung kann durchaus als Anhaltspunkt herangenommen werden, wie weit viele Pensionskassen an den schwankungsanfälligen Aktienmärkten investiert sind.

Heikle Aktienquoten

Allerdings muss differenziert werden, inwieweit sich hohe Aktienquoten auf den Deckungsgrad der Pensionskassen auswirken, wie Thomas Brotzer, Versicherungsexperte bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma Ernst & Young festhält. Die Struktur der Kassen hat Einfluss nämlich auf deren Fähigkeit, Risiken einzugehen.

«Verschiedentlich wurde in diesem Zusammenhang schon geäussert, dass beispielsweise reine Rentnerkassen nur noch in risikoarme Staatsanleihen investieren sollten», so der Experte. Anderseits könnten Pensionskassen mit kleinem Rentnerbestand und hohen Schwankungsreserven - also mit einem Deckungsgrad über 100 Prozent - eher höhere Aktienquoten fahren als andere.

In der längerfristigen Betrachtung bewirken die guten Jahre 2009 und 2012 allerdings wenig. In der Periode 2006 bis 2012 erzielten die Kassen gemäss einer Erhebung der UBS eine Rendite zwischen 1 und 1,5 Prozent und damit zu wenig, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen. «Das letzte Jahr hat etwas Ruhe in die PK-Deckungssituation gebracht. Allerdings stehen die PKs immer noch vor der Herausforderung eines tiefes Zinsniveaus und der steigenden Lebenserwartung», sagt Thomas Brotzer.

Neue Möglichkeiten

Brotzer erinnert daran, dass sich die Risikofähigkeit der Pensionskassen gesamthaft wohl nur etwas verbessert habe. Als positiv streicht er hervor, dass das Anlagejahr 2012 einigen Pensionskassen aber ermöglicht hat, nun etwas entspannter Weichen zu stellen.

Die guten Renditen und die dadurch besseren Deckungsgrade bringen die Vorsorgeeinrichtungen unter Umständen in die Lage, sich nach anderen Lösungen umzusehen. Eine solche ist die Vollversicherung, bei der ein Deckungsgrad von 100 Prozent sichergestellt sein muss. Das wegen der tiefen Zinsen wenig margenträchtige Geschäft betreiben nur grosse Anbieter - in der Schweiz sind es aktuell noch sechs.

Die Vollversicherung ist aber weiterhin gefragt, weil der Versicherer die Anlagerisiken übernimmt. «Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren einen Vollversicherungsvertrag gesucht. Einige konnten jedoch aufgrund einer Unterdeckung nicht wechseln», erklärt Thomas Brotzer. Die Ausfinanzierung wäre zu teuer geworden. Mit den guten Anlagerenditen von 2012 könnte sich das bei der einen oder andern Kasse geändert haben.

SDA/ses

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