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Eine explizite Verurteilung tönt anders

Der Moscheeverein Dar Assalam hat reagiert und den umstrittenen Krienser Imam freigestellt. Damit ist das Problem allerdings nicht behoben.

Hat der körperlichen Züchtigung unbotmässiger Ehefrauen das Wort geredet: Abdulrahman O. in der Dar-Assalam-Moschee.
Hat der körperlichen Züchtigung unbotmässiger Ehefrauen das Wort geredet: Abdulrahman O. in der Dar-Assalam-Moschee.

Es kommt selten vor, dass eine Medienkonferenz in einer Moschee stattfindet. Genau dazu sah sich aber die Islamische Gemeinde Luzern (IGL) genötigt, um auf einen Artikel in der «SonntagsZeitung» zu reagieren. Darin wurde dem Imam der Dar-Assalam-Moschee in Kriens LU vorgeworfen, er habe in einer Freitagspredigt vom Recht der Männer gesprochen, ihre Ehefrauen notfalls mit leichten Schlägen zu disziplinieren. Zum Beispiel wenn sich diese widerspenstig verhalten oder die gemeinsame Wohnung ohne die Erlaubnis des Ehemanns verlassen.

In der Folge eröffnete die Staatsanwaltschaft Luzern ein Strafverfahren gegen den 38-jährigen irakischen Abdulrahman O. wegen des Verdachts, er habe öffentlich zu Verbrechen oder Gewalttätigkeit aufgerufen. Die Wohnung des Predigers im Kanton Nidwalden wurde von der Polizei durchsucht und der Imam kurzzeitig für ein Verhör festgenommen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Vorstand als anonymes Gremium

Die IGL distanziert sich nun öffentlich von Predigten mit Aufruf zu Verbrechen und Gewalttätigkeit , wie ihr Präsident Petrit Alimi mitteilte. Parallel dazu entliess der Moscheeverein Dar Assalam den irakischen Imam. Der Verein anerkenne die Verfassung und die Rechtsordnung der Schweiz. «Die Schweiz ist das Zuhause des Vereins und das Zuhause unserer Mitglieder.» Auffallend an dieser in einem Communiqué festgehaltenen Reaktion ist aber, dass der Vorstand des Moscheevereins nur als anonymes Gremium erscheint. Ausserdem benützen sowohl die IGL als auch der Moscheeverein das Wort «distanzieren» und vermeiden damit, die Aussagen des irakischen Imams explizit zu verurteilen.

Es wäre dem IGL-Präsidenten gut angestanden, sich zum Koranvers zu äussern, der die Grundlage für die Äusserungen des Imams bildet.

Auf Arabisch hatte der Prediger vor etwa 60 Zuhörern gesagt: «Die Disziplinierung der Frau soll zunächst durch Rat und Gespräch erfolgen und, wenn erfolglos, dann auch durch andere legitime Disziplinierungsmittel wie das Verlassen des gemeinsamen Ehebetts. Wenn nicht anders möglich, dann schliesslich durch leichte Schläge. Der Vater diszipliniert seinen Sohn, indem er mit ihm spricht oder ihn leicht schlägt, um ihn zu erziehen. Daher ist es zulässig, dass ein Mann seine Frau zur Disziplinierung schlägt, aber nicht aus Grausamkeit oder aus Gewalt. Das würde der Islam niemals gutheissen.»

Halbbatzige Distanzierung

Dass IGL und Moscheeverein öffentlich Stellung nehmen, ist zu begrüssen. Allerdings wäre es dem Theologen und IGL-Präsidenten Petrit Alimi gut angestanden, sich auch zum Koranvers zu äussern, der die Grundlage für die umstrittenen Äusserungen des Imams bildet. Dort heisst es in der deutschen Übersetzung: «Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat. (…) Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: Ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!»

Es nützt nicht viel, wenn man sich von den Worten des entlassenen Predigers distanziert, ohne eine zeitgemässe Interpretation der entsprechenden Koranstellen zu liefern. Dass sich der Moscheeverein weigert, seine Verantwortlichen namentlich zu nennen, hat möglicherweise mit der Tatsache zu tun, dass im Krienser Gotteshaus in letzter Zeit diverse Vertreter der radikalen muslimischen Missionierungsbewegung Tablighi Jamaat aus Asien anzutreffen waren.

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