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Ein Gutschein pro Kind

In Luzern erhalten Eltern neu Gutscheine für die Betreuung ihrer Kinder. Das Pilotprojekt soll massiv mehr Krippenplätze schaffen und wird vom Bund unterstützt.

Jetzt bekommen die Eltern statt die Krippen Geld: Luzern experimentiert mit Gutscheinen.
Jetzt bekommen die Eltern statt die Krippen Geld: Luzern experimentiert mit Gutscheinen.

Der Mangel an Krippen ist in der Schweiz nach wie vor gross. Laut einer Studie des Nationalfonds fehlen rund 50'000 Betreuungsplätze. Ein Impulsprogramm, mit dem der Bund die Schaffung neuer Angebote fördert, zeigt zwar erste Wirkungen. «Es gibt aber nach wie vor viel Potenzial zur Verbesserung», sagt Ludwig Gärtner, Vizedirektor des Bundesamts für Sozialversicherung (BSV). So hat die Förderung von Krippen dazu geführt, dass teilweise Plätze entstanden sind, die die Eltern gar nicht nachfragen. Die Preise variieren je nach Anbieter sehr stark. Überdies schafft das Programm eine Ungerechtigkeit: Jene Eltern, die keinen subventionierten Platz finden, erhalten gar keine Unterstützung.

Den Wettbewerb ankurbeln

Luzern will nun als erste Schweizer Stadt mit einem Systemwechsel dafür sorgen, dass diese Probleme nicht mehr auftreten. Ab dem 1. April 2009 bekommen nicht mehr die Krippen einen Unterstützungsbeitrag, sondern die Eltern. Diese erhalten für jedes Kind im Vorschulalter einen so genannten Betreuungsgutschein. Die Eltern können ihn bei jeder Krippe einlösen - also auch bei jenen, die die Stadt bisher nicht unterstützt. Voraussetzung ist, dass die Eltern berufstätig sind und die Kinder eine Krippe besuchen.

Für Ruedi Meier liegen die Vorteile des neuen Systems auf der Hand: «Die Gutscheine kurbeln den Wettbewerb an», erklärt der Luzerner Sozialdirektor. «Die Krippen müssen darauf achten, dass sie besser auf die Bedürfnisse der Eltern eingehen.» Dies führe einerseits dazu, dass die Plätze billiger würden. Andererseits dürften weniger Angebote entstehen, die gar niemand nachfragt. Hinzu kommt, dass die Zahl der Plätze stärker zunehmen dürfte als bisher: «Die Anbieter wissen, dass sich künftig alle Eltern eine Krippe leisten können», sagt Meier. «Das ist ein Anreiz, mehr Angebote zu schaffen.»

Abhängig vom Einkommen

Konkret hat Luzern die Vergabe von Gutscheinen an folgende Bedingungen geknüpft: Bezugsberechtigt sind Haushalte mit einem steuerbaren Einkommen bis zu 100'000 Franken. Je höher der Verdienst, desto kleiner die Unterstützung. Abhängig ist der Betrag überdies vom Arbeitspensum. Allein Erziehende erhalten ab dem ersten Arbeitstag einen Gutschein. Bei Paaren muss das gemeinsame Pensum mindestens 120 Prozent betragen.

Eine weitere Abstufung besteht in Bezug auf das Alter. Für Kinder zwischen drei und 18 Monaten gilt ein täglicher Maximalbetrag von 107 Franken. Für Kinder ab 18 Monaten bezahlt die Stadt höchstens 77 Franken. Krippen, die Personal ausbilden, erhalten zudem einen Beitrag von jährlich 800 Franken pro Betreuungsplatz. Insgesamt rechnet Luzern damit, dass die Zahl der Krippenplätze in den kommenden vier Jahren von 250 auf 720 zunimmt. Die Kosten sollen im gleichen Zeitraum von 2,6 auf 4,7 Millionen Franken steigen.

Bern schaut gespannt nach Luzern

Der Bund hat ein starkes Interesse an den Erfahrungen, die Luzern mit dem neuen System machen wird. Er unterstützt die Stadt mit 2,5 Millionen Franken. Wissenschaftler werden das Projekt evaluieren. Die Ergebnisse sollen allen Gemeinden zur Verfügung stehen. «Wir wollen herausfinden, ob sich eine flächendeckende Einführung lohnt», sagt Ludwig Gärtner vom BSV. Neuenburg und Baselland hätten bereits Interesse gezeigt.

Der Bund unterstützt mit seinem Impulsprogramm seit 2003 die Schaffung von Krippenplätzen. Seither sind rund 22 000 zusätzliche Plätze entstanden. In den ersten Jahren lief es jedoch harzig. Von ursprünglich vorgesehenen 200 Millionen Franken beanspruchten die Krippen bloss 65 Millionen. Der Bund hat daher beschlossen, künftig einen Teil des Geldes in innovative Pilotprojekte zu stecken.

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