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Ein Abkommen ohne Preisschild

Ohne Stromabkommen mit der EU erwachsen der Schweiz Nachteile – warnt der Bund. Der Strombranche drohen Verluste in Millionenhöhe. Das Ausmass ist jedoch unklar.

Die Schweiz ist gut in den europäischen Strommarkt integriert – zumindest physikalisch. Gemessen an ihrem Kraftwerkspark verfügt kaum ein Land über derart grosse Netzkapazitäten für Importe, Exporte und Transite. Der Strom wird deshalb auch ohne bilaterales Stromabkommen mit der EU weiterhin von der Schweiz ins Ausland und umgekehrt fliessen. Die Frage ist freilich, zu welchem Preis. Hier setzt das Stromabkommen an, das die Schweiz und die EU abschliessen wollen. Vom 1. Juli an verschmelzen in Europa die nationalen und regionalen Märkte zu einem Elektrizitätsbinnenmarkt. Neu werden beim grenzüberschreitenden Handel der Strom und die Netzkapazitäten zu dessen Transport zusammen versteigert (Market Coupling). Dies erhöhe die Effizienz der Abläufe, der Strom werde in der Tendenz billiger, so die Hoffnung.

Steht die Schweiz abseits, entstehen ihr verschiedene Nachteile, wie das Bundesamt für Energie (BFE) mahnt. «Je weiter sich der EU-Strombinnenmarkt entwickelt, desto stärker und nachteiliger werden die Auswirkungen», sagt Sprecherin Marianne Zünd. So würde es zum Beispiel aufwendiger, den Stromhandel an den Schweizer Grenzen abzuwickeln. Zudem würde es schwieriger, die Schweizer Wasserkraft im europäischen Markt zu verkaufen. Auch droht laut BFE der Ausschluss der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid aus dem Verbund europäischer Übertragungsnetzbetreiber, wo Swissgrid heute die Art der Marktgestaltung oder technischer Standards beim Netzbau mitbestimmen kann. Europäische Vertragspartner könnten schliesslich versucht sein, Langfristverträge mit Schweizer Energieunternehmen zur Abnahme von Strom einseitig zu kündigen; davon betroffen sein könnten zum Beispiel die Stadt Zürich und die SBB, die als Miteigner der Aktiengesellschaft für Kernenergiebeteiligungen Bezugsrechte für Atomstrom aus Frankreich haben.

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