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«Durch Gatwick ist ein Handlungsdruck entstanden»

Über 30 Stunden lang legten Drohnen den Londoner Flughafen lahm. Einen Monat vor dem WEF beschäftigt der Fall auch die Schweizer Luftwaffe.

Jagd nach den Verantwortlichen: Die Drohnen über Gatwick legten den Flugbetrieb lahm und sorgten für einen Grosseinsatz der Polizei. (21. Dezember 2018)
Jagd nach den Verantwortlichen: Die Drohnen über Gatwick legten den Flugbetrieb lahm und sorgten für einen Grosseinsatz der Polizei. (21. Dezember 2018)
Ben Stansall, AFP

In England hat die Aufarbeitung des einzigartigen Vorfalls am Flughafen von Gatwick begonnen. Von Mittwochabend bis Freitagmorgen hatten Drohnen den Flugverkehr fast 36 Stunden lang lahmgelegt. Verkehrsminister Chris Grayling sprach bei der BBC von einem «beispiellosen Vorgang». Es müsse schnell aufgeklärt werden, was passiert sei, um die «Lehren daraus zu ziehen». Verkehrsstaatssekretärin Elizabeth Sugg kündigte «neue Massnahmen» gegen den missbräuchlichen Einsatz von Drohnen an. Mit den Herstellern gebe es Gespräche über mögliches Geo-Tracking, um Drohnenflüge über Verbotszonen zu verhindern. Kritiker werfen der Regierung vor, dem Drohnenproblem nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet zu haben.

Video: Drohnenalarm am Flughafen Gatwick

Nachdem am Mittwochabend am Flughafen Gatwick in London Drohnen gesichtet worden waren, musste der Flugverkehr eingestellt werden. (Video: Reuters/Tamedia)

Die Zeitung «The Times» berichtete am Samstag, Grayling habe eine für dieses Jahr vorgesehene Gesetzgebung zum besseren Schutz von Flughäfen vor Drohnen auf die lange Bank geschoben. Der Abgeordnete Andy McDonald, Verkehrsexperte der oppositionellen Labour-Partei, beklagte im BBC-Radio, dass es trotz Versprechungen keine neuen Gesetze gegeben habe.

Handlungsdruck für Schweizer Luftwaffe

Anders als vor wenigen Tagen in Gatwick ist die Armee in der Schweiz noch nie wegen ziviler Drohnen beigezogen worden. Die Ereignisse am siebtgrössten Flughafen Europas beschäftigen aber auch die Schweizer Luftwaffe. «Wir analysieren die Geschehnisse und Entscheidungsprozesse», sagt Luftwaffenchef Bernhard Müller.

Zwar gibt es für die Geschehnisse in Gatwick keine Hinweise für einen terroristischen Hintergrund. Doch gerade weil die englische Polizei die Vermutung geäussert hatte, dass mit den Drohnen gezielt Störungen im Flugbetrieb herbeigeführt werden sollten, ist die Schweiz besonders gefordert. Denn: schon in wenigen Wochen findet das World Economic Forum (WEF) in Davos statt.

Dann reisen Persönlichkeiten der Wirtschaft und der Politik an. Auch der amerikanische Präsident Donald Trump hat sein Kommen angekündigt. Die Schliessung des Zürcher Flughafens über längere Zeit wäre gerade dann verheerend. «Die Herausforderung wird sein, bis dahin ein verlässliches Bild von den Geschehnissen in Gatwick zu erhalten», führt der Chef der Luftwaffe aus.

Müller zeigt sich aber zuversichtlich: «Mit dem Aufkommen der Drohnen war klar, dass dieses Szenario eine Gefahr darstellt», sagt Müller. Es sei auch schon öfters thematisiert worden. «Mit den Vorkommnissen in England ist ein offensichtlicher Handlungsdruck entstanden.»

Laut Angaben der Zürcher Kantonspolizei rückte sie bisher nur selten wegen Drohnen am Flughafen aus. «Gelingt es uns die Piloten ausfindig zu machen, weisen wir sie auf die rechtlichen Bestimmungen hin», sagt Sprecher Marc Besson. Falls nötig leiten die Ordnungshüter rechtliche Schritte ein und verzeigen die Drohnenbetreiber. Zu ihren Vorkehrungen zum WEF will sich die Zürcher Polizei nicht äussern.

Mehr gemeldete Zwischenfälle

Wie eine Aufstellung der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) zeigt, nahm die Zahl der gemeldeten Zwischenfälle in den vergangenen Jahren zu. 2016 registrierte die Sust im Flugverkehr drei Zwischenfälle mit Drohnen und eröffnete eine Untersuchung (in dem Jahr wurde das obligatorische Meldewesen vom Bundesamt für Zivilluftfahrt eingeführt). 27 Zwischenfälle wurden der Sust im Jahr 2017 gemeldet, worauf sie ebenfalls eine Untersuchung einleitete.

In diesem Jahr (bis 20.12.2018) zählte die Sicherheitsuntersuchungsstelle 31 Vorfälle und eröffnete vier Untersuchungen. Wobei teilweise mehrere Fälle aus den 31 Meldungen subsumiert oder in laufende Untersuchungen integriert worden sind.

Nach den Drohnen-Störaktionen über dem Londoner Flughafen Gatwick hat die britische Polizei zwei Verdächtige gefasst. Laut Angaben der Polizei handelt es sich dabei um ein Mann und eine Frau. Die beiden waren am späten Freitagabend in der Grafschaft Sussex wegen des Verdachts auf «kriminellen Einsatz von Drohnen» festgenommen worden. Der Flugbetrieb in Gatwick normalisierte sich am Samstag allmählich wieder.

Video: Festnahmen nach Drohnen-Chaos in Gatwick

Die britische Polizei hat im Zusammenhang mit Drohnenflügen am Flughafen Gatwick zwei Personen festgenommen. (Video: Reuters)

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