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Die Schrottsammlung wird zum Verlustgeschäft

Im Zuge der Finanzkrise sind die Preise für Altmetall und Altpapier eingebrochen. Das belastet die Schweizer Gemeinden und weckt Sorgen um die Entsorgung.

Eine Zeit lang durfte man fast von moderner Alchemie träumen. Die florierende Wirtschaft und der weltweite Hunger nach Baumaterial liessen die Preise für Altmetall und Altpapier explodieren und bescherten den Händlern plötzlich goldene Gewinne. Dieser Traum ist nun jäh geplatzt. Die Finanzkrise und die damit zusammenhängenden Rezessionsängste haben Altmetall in das zurückverwandelt, was dem Stoff den zweiten Namen gibt: Schrott. Wurden im Sommer auf dem Weltmarkt noch rund 400 Euro pro Tonne bezahlt, so sind es derzeit gerade noch etwa 80 Euro.

Zu spüren bekommen den Preiszerfall nicht nur die schweizerische Recyclingbranche, sondern auch die Gemeinden. Sie sammeln jährlich etwa eine halbe Million Tonnen Altpapier und über 60’000 Tonnen Altmetall in Form von Velos, Bettgestellen und anderem Ausschuss. Dieser Tage flattert nun zahlreichen Gemeinden die erste Rechnung seit Jahren ins Haus, in der sie für die Abgabe von solchem Metallschrott wieder etwas bezahlen müssen. Erhielten sie bis vor kurzem je nach Vertrag 50 oder mehr Franken pro Tonne, müssen sie nun im Schnitt 100 Franken drauflegen.

Städteverband mahnt

«Die negative Entwicklung geht durchs ganze Land», sagt Stephan Thommen, der Präsident der Schweizer Stahl-, Metall- und Papier-Recycler. Und sie macht auch vor den Städten nicht halt. Als Grosskunden haben sie zwar bessere Konditionen und kriegen eher noch einen kleinen Erlös. Aber auch Städte wie Bern oder Zürich müssen mit saftigen Abschlägen leben. Zürich etwa löst für den Schrott derzeit so wenig wie noch nie.

Finanziell wird diese Wende zwar keiner Gemeinde das Rückgrat brechen. Trotzdem sind weder der Gemeinde- noch der Städteverband gewillt, die Rechnungen schulterzuckend hinzunehmen. «Die Preisbaisse darf nicht auf dem Rücken der Gemeinwesen ausgetragen werden», sagt Städteverband-Fachmann Alexandre Bukowiecki. Vor allem nicht, nachdem der Zwischenhandel nun lange von den hohen Preisen profitiert habe. Bukowiecki fordert darum, dass die Branche die Preissenkungen nur zurückhaltend weitergibt.

Als löbliches Beispiel nennt er den Bereich der Papierentsorgung. Dort sind die Preise zwar ebenfalls eingebrochen, und einige Ortschaften müssen bereits drauflegen. Rund die Hälfte der Gemeinden haben sich aber vertraglich vor bösen Überraschungen geschützt. Sie haben sich einem Rahmenvertrag angeschlossen, mit dem ihnen die Papierindustrie gegen eine Lieferpflicht Mindestpreise garantiert. «Jetzt kann sich dieser Vertrag bewähren», sagt Bukowiecki.

Auch fürs Papier drohen Mehrkosten

Etliche Entsorger setzen hinter diese Aussage allerdings ein Fragezeichen. «Der Vertrag ist derzeit gerade noch im Rahmen des Erträglichen», sagt Thomas Mäder, Chef der Halter Rohstoff AG in Biel. Wie viele in der Branche rechnet freilich auch er damit, dass die Preise noch weiter fallen werden. «Und dann müssen wir alle Partner an den Tisch holen und entscheiden, was wir machen.»

Lieferengpässe in Sicht

Vorderhand hat Mäder aber noch ein viel dringlicheres Problem: Wohin mit dem Material? Weil die Nachfrage zusammengebrochen ist, finden viele Recyclingfirmen kaum mehr Stahlwerke oder Giessereien, denen sie den Schrott weiterverkaufen können. «Ich weiss noch nicht, wohin ich ab Montag liefern soll», klagte diese Woche der Chef einer Winterthurer Entsorgungsfirma. Das geht so weit, dass einige Branchenkenner gar Zweifel äussern, ob sich die Entsorgung im Land überhaupt noch gewährleisten lässt.

Beim Städteverband hält man solchen Alarmismus für übertrieben. Man müsse die Situation gründlich und vor allem am jeweiligen Ort anschauen, relativiert Alexandre Bukowiecki. Und schliesslich sei es ja auch kein Problem, wenn ein Lager einmal etwas länger stehen bleibe.

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