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Die Migros erteilt Asylsuchenden Benimmkurse

Der Grossverteiler erklärt Asylsuchenden in einem Lausanner Vorort, wie man sich in einem Einkaufszentrum benimmt. Die Betroffenen reagieren verdutzt bis verärgert über den Versuch, ihnen Anstand einzuimpfen.

«Die Ruhe und Ordnung im Einkaufszentrum soll nicht gestört werden»: Die Migros erklärt Asylanten, wie man sich beim Einkaufen richtig verhält.
«Die Ruhe und Ordnung im Einkaufszentrum soll nicht gestört werden»: Die Migros erklärt Asylanten, wie man sich beim Einkaufen richtig verhält.
Keystone

«Vergessen Sie nicht, Ihre Artikel an der Kasse zu bezahlen» und «essen Sie nicht im Laden», mahnt die Migros. Was uns Schweizern selbstverständlich erscheint, so glaubt der Grossist, könnte für Asylsuchende neu sein, berichtet die Westschweizer Zeitung «Le Temps» (Artikel online nicht verfügbar). Deshalb unterrichtet der orange Riese in Crissier in Zusammenarbeit mit dem Migrationsamt die Neuankömmlinge während einer Stunde, wie sich ein guter Kunde zu verhalten hat.

Das Migrationsamt will mit solchen Kursen den Asylsuchenden bei der Integration helfen, erklärte die Pressesprecherin gegenüber der Zeitung. «Wir wollen etwas zur Prävention beitragen», sagte sie. Denn in der Vergangenheit sei es oft zu Verdächtigungen nach Diebstählen gekommen, weiss sie.

«Wir sind nicht blöd»

«Je nachdem, aus welchem Land die Migranten kommen, haben manche Personen noch nie solch grosse Einkaufszentren gesehen», begründet ein Mitarbeiter des Migros-Sicherheitsdienstes, der die Asylsuchenden unterrichtet. Es sei daher verständlich, dass man leicht die Orientierung verliere, wo sich die Kasse befindet, präzisiert ein anderer Migros-Mitarbeiter. Doch man wolle den Migranten nicht unterstellen, für die Diebstähle im Migros-Markt Crissier verantwortlich zu sein, hält der zweite fest.

Diesen Eindruck teilen manche Kursteilnehmer offenbar nicht. «Wir sind nicht blöd, wir wissen ganz genau, dass man nicht stehlen darf», empörte sich ein Kursteilnehmer gegenüber «Le Temps». Das einzig Neue, das er gelernt habe, sei, dass es in Schweizer Läden jede Menge Überwachungskameras gebe, erklärte er.

Schweizweit die einzige Kooperation

Dass die Einkaufsgewohnheiten einiger Migranten bei den Kassiererinnen in der Schweiz für Missverständnisse sorgen können, sieht jedoch auch Hélène Küng so. Die Präsidentin des reformierten Sozialdienstes glaubt aber, dass ein Risiko bestehe, dass die Leute sich durch diese Kurse herabgesetzt fühlten. «Ob unsere Gepflogenheiten den Asylsuchenden bekannt sind, hängt vom Werdegang der Person, seiner Herkunft, seinen bisherigen Migrationserfahrungen und manchmal gar von seiner sozialen Stellung ab», erklärt sie.

Offenbar ist dies schweizweit die einzige Kooperation zwischen dem Grossisten und einem Migrationsamt, wie Migros-Pressesprecherin Monika Weibel gegenüber Redaktion Tamedia sagt: «Uns ist keine weitere Genossenschaft bekannt, die solche Kurse veranstaltet.» Sie habe sich aufgrund des Artikels in der «Le Temps» beispielsweise bei der Migros Genossenschaft Aare erkundigt, ob sie ein solches Programm anböte, was diese jedoch verneinte.

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