Zum Hauptinhalt springen

Die JSVP und ihr Sempach

Der Jungen SVP ist der Schweizer Geschichtsunterricht nicht patriotisch genug. Deshalb ergreift sie selber die Initiative und veröffentlicht eine neue Serie von Lehrmitteln .

«Wer hat mich geschubst?»: Arnold von Winkelried stürzt sich in die Speere der Feinde, um den Eidgenossen eine Bresche zu schlagen. Verunglimpfungen dieses Nationalepos sehen die Konservativen gar nicht gerne.
«Wer hat mich geschubst?»: Arnold von Winkelried stürzt sich in die Speere der Feinde, um den Eidgenossen eine Bresche zu schlagen. Verunglimpfungen dieses Nationalepos sehen die Konservativen gar nicht gerne.
Gemälde von Konrad Grob (1828–1904)

Wer braucht schon das «Zahlenbuch 4» oder das «Schweizer Geschichtsbuch 2»? Die Anschaffung dieser Unterrichtsmaterialien kostet die Schüler, beziehungsweise ihre Eltern, einen ordentlichen Batzen Geld. 41 Franken kostet das Geschichtsbuch. Da geht es billiger: «Geschichte im Brennpunkt» heisst die neue Serie von Geschichtsbroschüren, welche die Junge SVP den Lehrern, Historikern und Schülern für nur fünf Franken anbietet. Damit will die JSVP mit Hobbyhistoriker und Präsident Anian Liebrand dafür sorgen, dass unsere Schulabgänger alles über die glorreichen Schlachten der Eidgenossen wissen, welche ihnen die linken Pädagogen so hinterhältig verheimlichen.

Die linke Bildungs-Schickeria würde die Schlacht von Sempach oder die Legende um Arnold Winkelried relativieren oder als unsicher darstellen, so Liebrand zu 20 Minuten. Das sei völlig abstrus, meint Beat W. Zemp, Zentralpräsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). «Durchaus wollen wir Schülern einen gewissen Patriotismus vermitteln, doch dieser bezieht sich auf die Werte, welche die Schweiz ausmachen. Auch müssen die Geschehnisse und Schlachten historisch korrekt unterrichtet werden.»

Ein Graus für Liebrand. Das könnte bedeuten, dass Wilhelm Tell nur die Figur eines Schriftstellers der Weimarer Klassik und Sempachheld Arnold von Winkelried nur eine Hommage an den 150 Jahre später kommenden Hauptmann Winkelried ist. Linksideologischer Firlefanz ist das für Liebrand. Er möchte keinen historisch korrekten Patriotismus, sondern «Hand-aufs-Herz-Nationalismus» – am besten schon in der Primarschule. Ömer und Ayse sollen wissen, dass sie ihre B-Bewilligungen nur den tapferen Männern von Marignano zu verdanken haben, wenn sie den Schweizerpsalm singen.

Schweizer Geschichte bewahren

Also brachte Liebrand mit ein paar unabhängigen Autoren der JSVP den ersten Teil von «Geschichte im Brennpunkt» auf den Markt: «Die Schlacht bei Sempach – Grundstein einer freien Eidgenossenschaft». Na, das freut die Aargauer und die Thurgauer. 27 Seiten lang ist die Broschüre, die in den ersten zwei Dritteln die Geschichte der Schlacht bei Sempach im 14.Jahrhundert noch einmal erzählt.

Diese ist so stark zusammengewürfelt aus Artikeln von Wikipedia und dem «Historischen Lexikon der Schweiz», dass der Leser bei der trockenen Lektüre schnell den Faden verliert. Erst im letzten Drittel entsteht wirklicher Lesefluss. Hier schildern die «unabhängigen» Autoren, wie es militante Linksextremisten schafften, die jährlichen Schlachtfeiern bei Sempach völlig zur Sau zu machen, und allen «richtigen» Eidgenossen den Spass gründlich verdarben.

Während Jungparteien wie die JUSO oder die JCVP ihr Programm ganz nach dem der Mutterparteien auslegen und gegen den Schnüffelstaat oder für die Familienrechtsinitiative kämpfen, steht die Junge SVP im Windschatten ihrer Mutterpartei und hat andere Ziele: «Da die staatlichen Bildungsinstitutionen ihrem Informationsauftrag nicht mehr nachkommen, muss die Junge SVP in die Bresche springen und dafür sorgen, dass der Zugang zu Schweizer Geschichte nicht verloren geht.» Na denn.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch