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«Die Jenischen sollen nicht schon wieder diffamiert werden»

Der Präsident der Radgenossenschaft soll sich über 100'000 Franken aus der Vereinskasse ausbezahlt haben. Der zweite Schweizer Fahrendenverein will nicht in die gleiche Ecke gestellt werden.

Die Bewegung der Schweizer Reisenden befürchtet einen Imageschaden: ein Standplatz der Jenischen im Kanton Bern. (9. Mai 2014)
Die Bewegung der Schweizer Reisenden befürchtet einen Imageschaden: ein Standplatz der Jenischen im Kanton Bern. (9. Mai 2014)
Gian Ehrenzeller, Keystone

Die Radgenossenschaft der Landstrasse, die Dachorganisation der Jenischen der Schweiz, steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Schuld daran ist laut einem Bericht der Zeitschrift «Beobachter» der Präsident: Er soll sich selbst viel Geld ausbezahlt haben.

Die Bewegung der Schweizer Reisenden, ein im letzten November gegründeter Verein, distanziert sich nun in einem Communiqué «vehement» von der Radgenossenschaft. Zu den Anschuldigungen gegen den Präsidenten nehme der Verein jedoch keine Stellung.

Die Bewegung der Schweizer Reisenden fürchtet angesichts der Affäre, dass das jenische Volk «ein weiteres Mal diffamiert» wird. Der Verein will deshalb mit einer kurzfristig angesetzten Medienkonferenz am Donnerstag «einer eventuellen Stigmatisierung gegenüber dem jenischen Volk entgegenwirken». Die Radgenossenschaft der Landstrasse wurde 1975 gegründet. Gemäss Angaben auf ihrer Webseite ist sie seit 1985 die vom Bund anerkannte und subventionierte Dachorganisation des jenischen Volkes in der Schweiz.

Bund erwägt Konsequenzen

Weil die Radgenossenschaft Gelder vom Bund erhält, hat sich auch dieser inzwischen eingeschaltet: Das Bundesamt für Kultur (BAK) prüft die Vorwürfe, die gegen den Präsidenten der Radgenossenschaft erhoben wurden, wie Sprecherin Anne Weibel auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte.

Das BAK sei am 20. Juni im Rahmen einer Halbjahresprüfung darüber informiert worden, dass die Radgenossenschaft in finanziellen Schwierigkeiten steckt. «Letzten Freitag haben wir dann zusätzliche Informationen erhalten», sagte Weibel. Das BAK habe die gleichen Unterlagen bekommen wie die Vorstandsmitglieder. Weitere Angaben dazu machte Weibel nicht.

Zu den Vorwürfen gegen die Radgenossenschaft äussere sich das BAK derzeit nicht. Zuerst will das BAK die Vorwürfe prüfen; dazu wurden unter anderem detaillierte Buchhaltungsunterlagen verlangt. Danach will das BAK über allfällige Massnahmen entscheiden. «Zentral ist für das BAK, dass der Auftrag für die Jenischen weiter erfüllt werden kann», sagte Weibel.

Geld reicht nur noch bis August

Für das Jahr 2014 erhielt die Radgenossenschaft vom BAK 264'800 Franken. Der «Beobachter» berichtete unter Berufung auf interne Dokumente der Radgenossenschaft, Präsident Daniel Huber habe sich in einem halben Jahr über 100'000 Franken überweisen lassen. Das Geld in der Kasse der Organisation reiche nun nur noch bis Ende August.

Huber war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar. «Gewisse Leute wollen mich mit Dreck bewerfen», wurde er im «Beobachter» zitiert.

SDA/thu

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