Die grüne Welle bricht am Gotthard

Im Tessiner Kantonsparlament gehen Sitze von FDP und Lega an linke Parteien und «Mehr Frauen». Die Grünen bleiben auf dem Stand von 2015.

Am Sonntag haben die Tessiner ihr neues Kantonsparlament gewählt, die Auszählung dauerte bis zum Montagabend.

Am Sonntag haben die Tessiner ihr neues Kantonsparlament gewählt, die Auszählung dauerte bis zum Montagabend.

(Bild: Keystone)

Für die FDP endete die Grossratswahl mit einem Wähleranteil von 25,3 Prozent Wähleranteil, die Lega verharrte bei 19,87 Prozent. Beide erhielten weniger Stimmen als vor vier Jahren. 2015 eroberte die FDP knapp 26,7 Prozent der Stimmen und erhielt 24 Ratssitze. Die Lega holte vor vier Jahren mit 24,2 Prozent 22 Mandate.

Verluste fuhr auch die CVP ein. Sie erreichte noch 17,6 Prozent und verliert damit einen ihrer 17 Sitze. 2015 lag ihr Wähleranteil bei 18,58 Prozent. SP und Jungsozialisten hingegen erreichten 14,47 Prozent (2015: 14,64 Prozent) und konnten ihre 13 Mandate verteidigen.

Gesteigert hat sich auch die SVP. Sie hat um ein Mandat auf sieben zugelegt, mit einem Wähleranteil von 6,8 Prozent. Lega und FDP haben im neu gewählten Grossen Rat nicht mehr die absolute Stimmenmehrheit - das Parlament hat 90 Mitglieder.

Keine grüne Welle

Eine grüne Welle, wie es sie zuletzt bei den kantonalen Wahlen in Zürich, Luzern und Basel-Landschaft gab, ist im Tessin nicht auszumachen. Grüne und die zum ersten Mal teilnehmende Lega Verde holten 6,6 respektive 0,6 Prozent der Stimmen.

Die Grünen erhalten damit 6 Sitze und bleiben auf dem Stand von 2015. Die erstmals angetretene Lega Verde geht leer aus, ebenso die Grünliberalen. Nicht mehr im Parlament vertreten ist die Bewegung MontagnaViva. Sie hat ihren einzigen Sitz verloren.

Linksrutsch

Einen Linksrutsch gab es hingegen: Die Bewegung Movimento per il socialismo steigerte sich von 2 auf 3 Sitze, und weitere 2 Sitze gehen an die Kommunisten. Einen Coup landete die Bewegung Più Donne («Mehr Frauen»): Sie machte zum ersten Mal bei den Wahlen mit und kann nun auf Anhieb 2 Vertreterinnen in den Grossen Rat schicken.

Der Kanton Tessin hat am vergangenen Wochenende nicht nur den Grossen Rat neu gewählt, sondern auch die Kantonsregierung, den Staatsrat. Die Regierung wird im Südkanton ebenfalls im Proporz gewählt. Bei den Regierungsratswahlen traten Lega und SVP mit einer gemeinsamen Liste an und holten 27,86 Prozent der Stimmen.

Schützenhilfe der SVP

Nach der Auszählung der Grossratsstimmen lässt sich vermuten, dass vom Zusammenschluss in erster Linie die Lega profitiert haben dürfte indem sie dank der Schützenhilfe der SVP den zweiten Staatsratssitz ins Trockene bringen konnte. 2015 hatten die Listen von Lega und La Destra, auf der damals die SVP angetreten war, 32,17 Prozent der Stimmen geholt.

Der Staatsrat blieb in seiner Zusammensetzung unverändert, und er besteht wie schon seit 2015 weiterhin aus Männern. Von den fünf Sitzen hält die Lega zwei Sitze und FDP, CVP und SP je einen. Allerdings musste CVP-Vertreter Paolo Beltraminelli seinem Listenkollegen Raffaele De Rosa seinen Sitz überlassen.

sda/red

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