Zum Hauptinhalt springen

«Die grossen Lohnunterschiede sind eine Katastrophe»

Ständerat Thomas Minder, der Vater der Abzockerinitiative, ist enttäuscht, wie diese vom Parlament umgesetzt wurde.

Die Vergütungen von CS-CEO Tidjane Thiam und VR-Präsident Urs Rohner seien immer noch viel zu hoch, kritisiert Minder. (Archiv)
Die Vergütungen von CS-CEO Tidjane Thiam und VR-Präsident Urs Rohner seien immer noch viel zu hoch, kritisiert Minder. (Archiv)
Keystone

Travailsuisse, der Dachverband der Gewerkschaften, kommt in seiner Studie über Managerlöhne zum Schluss: Die Abzockerinitiative ist praktisch wirkungslos verpufft. Teilen Sie diese Meinung?

Die Idee meiner Initiative war, dass die Aktionäre eingreifen und die Boni senken oder streichen, wenn ein Unternehmen Verluste macht. Aber ich frage mich ernsthaft, wann die Aktionäre endlich eingreifen. Die CS zum Beispiel hat zwei Jahre in Folge fast 3 Milliarden Franken Verlust pro Jahr geschrieben. Aber die Vergütungen vom CEO und vom Verwaltungsratspräsidenten sind immer noch viel zu hoch. Ich würde von einem mutigen Aktionär erwarten, dass er eingreift.

Die Gewerkschaften haben errechnet, dass die Lohnschere in den vergangenen Jahren noch weiter aufgegangen ist. Im Durchschnitt verdient der Bestverdienende in einem Unternehmen 49-mal mehr als der mit dem tiefsten Lohn.

Die riesigen Lohnunterschiede sind eine Katastrophe, das regt mich auch auf. Aber mir geht es nicht um die individuellen Gehälter, sondern um die gesamte Lohnsumme, die aus einem Unternehmen herausgelöst und an eine Konzernleitung ausbezahlt wird.

Letzte Woche hat das Parlament die Forderungen Ihrer Initiative im Rahmen der Aktienrechtsrevision in ein Gesetz gegossen. Sind Sie einverstanden, wie sie umgesetzt wurde?

Nein, natürlich nicht. Was ich gar nicht verstehen kann: Wie kann es das Parlament gutheissen, dass die Aktionäre Boni und andere variable Teile der Entschädigung absegnen, bevor das Geschäftsjahr überhaupt zu Ende ist? Schliesslich sollen sich Boni an der Leistung orientieren. Da fehlen mir einfach die Worte. Auch Vorauszahlungen, sogenannte Golden Handshakes, werden weiterhin möglich sein.

Die Aktienrechtsrevision verbietet aber solche Vorauszahlungen.

Ja, es gibt diese Kontrollwechselklausel. Aber tatsächlich lässt das Gesetz den Unternehmen genügend Spielraum für Vorauszahlungen, etwa wenn CEOs bei einem Wechsel Boni entgehen, die sie erst verzögert erhalten hätten. Aber das ist Wortklauberei. Alle Gelder, die bezahlt werden, bevor jemand seine Stelle antritt, sind Vorauszahlungen. Das muss man korrigieren.

Sie sitzen als Ständerat selber im Parlament. Weshalb wurde Ihre Initiative ganz anders umgesetzt, als Sie es wollten?

Ich habe in meiner Initiative gefordert, dass sie innert eines Jahres wirksam werden muss. Deshalb hat der Bundesrat eine Übergangsverordnung erlassen. Aber was tut das Parlament? Als es die Verordnung in Gesetzesartikel goss, orientierte es sich nicht an meinem Initiativtext, sondern an der Verordnung von Justizministerin Simonetta Sommaruga. Aber im Parlament hat niemand den Resetknopf gedrückt.

Was tun Sie, damit Ihre Initiative doch noch in Ihrem Sinne umgesetzt wird?

Ich werde das in der Rechtskommission zu flicken versuchen. Zudem werde ich einen Rückweisungsantrag stellen. Ich möchte, dass die Umsetzung meiner Initiative von der Aktienrechtsrevision entkoppelt wird, Sonst kann es im schlimmsten Fall so weit kommen, dass dagegen das Referendum ergriffen und auch angenommen wird. Dann würde meine Initiative überhaupt nicht umgesetzt. Aber wenn Sie mich nun fragen würden, was ich an meiner Initiative korrigieren würde, wenn ich könnte …

Ja, was würden Sie denn anders machen?

Ich würde hineinschreiben, dass der Verwaltungsrat persönlich haften muss, wenn ein Unternehmen in Konkurs geht. Wenn es dem Unternehmen gut geht, profitieren sie finanziell, deshalb sollen sie auch geradestehen, wenn es klöpft. Diesen Antrag werde ich in der Rechtskommission einreichen.

Nun haben Sie mit Ihrer Initiative auch etwas erreicht – so müssen heute institutionelle Anleger wie Pensionskassen an Aktionärsversammlungen zwingend ihr Stimmrecht wahrnehmen.

Ja, aber nicht alle legen offen, wie sie abgestimmt haben. Nehmen wir den AHV-Ausgleichsfonds, in dem Ihre und meine Vorsorgegelder gebunden sind. Er hat als Aktionär eine Riesenkraft. Er stimmt zwar ab, aber ich habe noch nie gesehen, wie. Da mache ich nun Druck. Ich will auch, dass es ins Gesetz geschrieben wird, dass institutionelle Anleger offenlegen müssen, wie sie abstimmen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch