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«Die EU ist kein Velo»

«Eher ein Handwerker»: Kaspar Villiger (76) im Restaurant «Kronenhalle», Zürich.

BaZ: Herr Villiger, in Ihrem neuen Buch bezeichnen Sie sich als «praktizierenden Patrioten». Wie ist das zu verstehen?

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Praktizierender Patriot – das klingt fast religiös, nach Ritus und Regeln.

Wenn man Ihr Buch liest, erinnert wenig an diese heile Welt. Sie schildern eine Welt in Aufruhr und nennen sie, frei nach Dürrenmatt, die Durcheinanderwelt.

Sind Sie ein Pessimist im Denken und ein Optimist im Handeln?

Sie schreiben immerhin, der Nationalstaat habe sein Politikmonopol verloren. Immer mehr Entscheide würden an internationale Organisationen delegiert.

Weshalb?

Und wie kam es dann zum Verlust des Politikmonopols?

Gerade Migrationspolitik bedingt viel Solidarität. Weshalb sollen nicht die Staaten entscheiden, wen sie aufnehmen? Sie sagen ja, im Nationalstaat gebe es mehr Solidarität.

Sie haben vom Wir-Gefühl im Nationalstaat gesprochen. Es gibt Leute, die sehen eine grösser werdende Kluft zwischen Volk und Elite ...

Gut, aber das ist ein Thema.

Die Rekrutenschule als republikanische Grunderfahrung – fehlt das heute? Viele Wirtschaftskader kommen aus dem Ausland, es gibt das Bild einer Managerkaste, die jeden Kontakt zur Bevölkerung verloren hat.

Sie waren UBS-Präsident. Wie haben Sie das erlebt: Interessieren sich ausländische Spitzenmanager für die Schweiz?

In Ihrem Buch formulieren Sie einen Zehn-Punkte-Plan, wie die Europäische Union zu reformieren wäre. Er lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die EU muss wie die Schweiz werden. Einverstanden?

Der Wettbewerb der Systeme ist ein zentrales Motiv in Ihrem Buch. Weshalb betonen Sie das so sehr?

Sie nennen es «Harmonisierungswahn».

Dachten Sie als Bundesrat eigentlich schon ähnlich, oder steht dieses harsche Urteil unter dem Eindruck der Euro-Krise und des Brexits?

Sie schreiben, der Brexit dürfte für die EU auf lange Sicht gefährlicher sein als für Grossbritannien.

Hätte die EU substanzielle Konzessionen machen müssen, zum Beispiel bei der Personenfreizügigkeit oder der Rechtsauslegung?

Wie beurteilen Sie das Verhältnis der Schweiz zur EU?

Ist das eine Empfehlung an den künftigen Aussenminister?

Manche in der EU finden, die Schweiz sei eine Rosinenpickerin.

Auf der anderen Seite stören sich viele Schweizer an der Personenfreizügigkeit.

Glauben Sie, die EU würde diese Klausel anwenden und alle bilateralen Verträge kündigen, wenn die Schweiz die Personenfreizügigkeit aussetzte?

Was überwiegt in Brüssel letztlich: Prinzipientreue oder Pragmatismus?

Wird sich die Schweiz dem Druck der EU auf Dauer entziehen können? Sie sagten ja, Ihr Onkel prophezeite einst das Ende der Schweiz.

Am Schluss Ihres Buches fordern Sie eine «liberale Konterrevolution». Das bedeutet ja, dass es bereits eine Revolution gab. Welche denn?

Wie meinen Sie das?

Was wäre die Alternative?